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Mars-Mission Curiosity : Party für den Lieblingsroboter

Jeden Tag 100 Meter: Curiosity auf dem Weg zum Aeolis Mons, wo das Forschen erst so richtig losgehen soll Bild: NASA/JPL

Der Rover Curiosity erkundet seit einem Jahr den Mars. Seine Mission stärkt das Selbstbewusstsein der Nasa in schwieriger Zeit. Schon vor ihrem Abschluss wird sie als voller Erfolg gewertet.

          Die Landung des Rovers Curiosity auf dem Mars vor einem Jahr war eine technische Meisterleistung der amerikanischen Raumfahrtbehörde. In den „Sieben Minuten des Schreckens“, wie die Nasa-Wissenschaftler das spektakuläre Manöver am Morgen des 6. August 2012 nannten, wurde das 900 Kilogramm schwere Gefährt von der Größe eines Kleinwagens automatisch mit Fallschirmen, Steuerdüsen und einem „Himmelskran“ sanft auf dem Mars abgesetzt. Alle Schritte steuerte der Bordcomputer. Die Wissenschaftler und Ingenieure im Kontrollzentrum der Nasa in Pasadena konnten nur hoffen, dass alles gutgeht. Umso größer war der Jubel, als Curiosity das erste Bild vom Landegebiet zur Erde funkte.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Am Dienstag wird der Rover, der mit seinen zehn Instrumenten an Bord einem fahrenden Chemielabor gleicht, ein Erdenjahr - ein halbes Marsjahr - auf dem Roten Planeten vollendet haben. Bislang hat er eine Strecke von knapp 1600 Metern zurückgelegt. Acht Kilometer sind es noch bis zu seinem Ziel, dem Berg Aeolis Mons, dem er zügig entgegenfährt. Hundert Meter pro Tag legt er zurzeit zurück. Als Landegebiet hatte die Nasa den 155 Kilometer großen äquatornahen Gale-Krater ausgewählt, in dessen Innerem Aeolis Mons, auch Mount Sharp genannt, 5500 Meter in die Höhe ragt.

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          Von den alten Gesteinsformationen, die man dort vermutet, erhoffen sich die Wissenschaftler Antworten auf die Frage, ob es auf dem Mars einst lebensfreundliche Verhältnisse gab.

          Hinweise auf ein urzeitliches Flussbett

          Der Rover hat zahlreiche Fotos und sogar einige Videofilme von seiner Umgebung zur Erde geschickt. Er überstand Stürme und einen Computerdefekt, er entnahm Bodenproben, er analysierte die Marsatmosphäre und bohrte als erste mobile Raumsonde Löcher in einen Planeten. Im Kurznachrichtendienst Twitter lassen Nasa-Mitarbeiter den Rover jeden Tag in der Ich-Form anekdotisch von seinen Mars-Erlebnissen erzählen. Bislang hat das Chemielaboratorium auf Rädern mit seinem Kameraturm und seinem Roboterarm vor allem das bestätigt, was man von dem Roten Planeten angenommen hatte, dass es dort nämlich einst reichlich Wasser gab.

          Selbstporträt des Marsrovers.

          Anfang Juli verließ Curiosity die Region Glenelg, wo er sich seit dem Herbst aufgehalten hatte. Die Nasa-Forscher deuten die 400 Meter von der Landestelle entfernten Gesteinsformationen als Hinweise auf ein urzeitliches Flussbett. Die runden Steine dort, ähnlich irdischen, vom Wasser geformten Kieselsteinen, scheinen die Annahme zu stützen. Ein erster Höhepunkt der Mission war erreicht, als der Rover im März zum ersten Mal den Schlagbohrer an seinem Roboterarm ansetzte, ein Loch in den Marsboden bohrte und das pulverisierte Gestein entnahm. Es enthielt Ton-Mineralien, die offenkundig in fließendem  Wasser unter chemisch neutralen Bedingungen abgelagert worden waren - für die Nasa-Forscher ein Beleg dafür, dass der Mars einst lebensfreundlich war.

          Links das fertige 6,4 Zentimeter tiefe Bohrloch, rechts davon ein Testloch.

          Organische Verbindungen dagegen hat Curiosity noch nicht aufspüren können, ebenso wenig Methangas in der Atmosphäre. Methan ist auf der Erde in der Regel biologischen Ursprungs, deshalb hatten viele Forscher gehofft, das einfache organische Molekül auch auf dem Roten Planeten zu finden, zumal da bei früheren Missionen, etwa des europäischen Orbiters Mars-Express, Methanspuren entdeckt worden waren. Die Marsatmosphäre, die zum größten Teil schon vor rund vier Milliarden Jahren verlorenging, besteht vor allem aus Kohlendioxid (96 Prozent), Argon und Stickstoff (jeweils 1,9 Prozent). Der Anteil an Sauerstoff beträgt dagegen nur 0,145 Prozent.

          Der Weg, den der Mars-Rover bislang  zurückgelegt hat. Stand: 2. August.

          Bislang dienten alle Untersuchungen nicht zuletzt dazu, die Kameras, die Werkzeuge und die Analysegeräte des Rovers zu testen. Diese Instrumente wird Curiosity in einigen Monaten für seine eigentlichen Forschungsarbeiten am Fuß des Mount Sharp benötigen. Wie lang die Mission - sie kostet rund 1,9 Milliarden Euro - dauern wird, ist ungewiss. Bei der Nasa hofft man, dass Curiosity, angetrieben von einer Plutonium-Batterie,  länger als zwei Jahre auf dem Mars forschen wird. Das große Vorbild ist sein kleinerer Vorgänger, der solarbetriebene Nasa-Rover Opportunity. Er erkundet die Marsoberfläche seit nunmehr neun Jahren und hat eine Strecke von 38 Kilometern zurückgelegt.

          Bemannte Marsmission geplant

          Schon jetzt wird Curiosity als voller Erfolg gewertet, nicht zuletzt deshalb, weil die Marsmission Balsam ist für das von Budgetkürzungen und Programmeinschnitten angekratzte Selbstbewusstsein der Nasa. Die Apollo-Missionen sind Geschichte, die Raumfähren auch - aber jetzt kann Amerikas Raumfahrt Curiosity vorzeigen. Schon werden Pläne für einen noch leistungsfähigeren Rover geschmiedet. Er soll Gesteinsproben sammeln, die man mit einer Raumsonde zur genaueren Analyse zur Erde bringen will. Doch zunächst soll um das Jahr 2016 eine stationäre Landesonde zum Mars starten und zum ersten Mal sein Inneres erforschen. Und schon für den Herbst ist der Start eines neuen Orbiters namens „Maven“ geplant, der die obersten Atmosphäreschichten des Mars analysieren soll.

          Mars-Lander „Insight“ soll das Innere des Mars erforschen.

          Zum Jahrestag der Curiosity-Mission spendiert die Nasa ihrem Lieblingsroboter eine Party in ihrem Hauptquartier in Washington, zu der auch die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS zugeschaltet werden. Auf der Veranstaltung, die auf der Homepage der Nasa live im Internet übertragen wird, werden alle Höhepunkte des ersten Curiosity-Jahres noch einmal zu sehen sein. Die Nasa wird sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen und Werbung machen für ihre nächsten großen Vorhaben, etwa die bemannte Marsmission, die man für das Jahr 2030 ins Auge gefasst hat.

          Curiosity in Zahlen

           Sechs Räder, 900 Kilogramm schwer und drei Meter lang: Der Marsrover „Curiosity“ (Neugier) hat die Ausmaße eines Kleinwagens und ist vollgepackt mit wissenschaftlichen Messinstrumenten, Werkzeugen (darunter eine Schaufel, eine Bürste, einen Schlagbohrer) und Kameras. In seinem Jahr ersten Erdenjahr auf dem Mars hat der Roboter mehr als 190 Gigabyte an Daten und 36700 Fotos zur Erde geschickt. 75000 mal hat er seinen Laser verwendet und außerdem zwei Steine angebohrt und aus den Löchern Proben entnommen. Zwischen all der Forschungsarbeit rollte der Rover weiter zu seinem Ziel den Mount Sharp: Eine Strecke von mehr als 1,6 Kilometern hat „Curiosity“ inzwischen auf dem Roten Planeten schon zurückgelegt.

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