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Mars : Leise rieselt der Staub

  • -Aktualisiert am

Weißer Striemen im Marskrater: Vielleicht ein Beleg für frisch geflossenes Wasser Bild: Nasa

Von wegen Wasser! Die Nasa hat zwar Fotos vom Mars vorgestellt, die angeblich Hinweise auf fließendes Wasser auf dem roten Planeten liefern. Doch einen direkten Beleg für das Naß gibt es nicht. Für manche Wissenschaftler handelt es sich eher um eine staubtrockene Angelegenheit.

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          Sie kam wie ein Paukenschlag, die Ankündigung der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, man habe auf Fotos der Raumsonde Mars Global Surveyor frische Ablagerungen in zwei Marskratern entdeckt, die offenbar nach dem Jahr 2001 von Wasser transportiert worden seien. Es seien die bislang klarsten Hinweise darauf, daß es selbst in heutigen Zeit noch fließendes Wasser auf dem Mars gebe.

          Seit Jahren tritt die Nasa immer wieder mit Meldungen über Hinweise auf die Existenz von Wasser auf diesem Himmelskörper - und sei es auch nur in der Vergangenheit - an die Öffentlichkeit. Und niemals fehlt der Hinweis darauf, das könnte auch auf früheres oder heutiges Mikroleben hindeuten.

          Einmal stellten sogar Forscher, vom amerikanischen Präsidenten persönlich unterstützt, angeblich kaum zu widerlegende Spuren von Mikrofossilien vor. Mit ihrer Technik sei es ihnen binnen eines Jahres möglich, als endgültigen Beweis Zellwände aufzuspüren oder sie auszuschließen. Den Beweis sind sie natürlich schuldig geblieben.

          Helle, nach unten verlaufende Linien

          Die Penetranz, mit der die Nasa bei jeder Gelegenheit Wasser auf dem Mars und damit mögliches Marsleben ins Spiel bringt, nährt den Verdacht, daß es ihr in Wirklichkeit um etwas ganz anderes geht: Im Kongreß sollen leichter finanzielle Mittel für ihre geplanten Marsmissionen lockergemacht werden. Und davon braucht man noch viel mehr, seit Präsident Bush die Rückkehr von Astronauten zum Mond als Vorbereitung für bemannte Marsflüge zum nationalen Ziel erklärt hat.

          Die Bilder, die die Nasa jetzt vorlegt, sind allerdings im ersten Moment überraschend. Tatsächlich sind an den Innenwänden zweier Krater helle, nach unten verlaufende Linien zu sehen, die in jüngster Zeit entstanden sind. Die Bilder des Mars Global Surveyor aus den Jahren 1999 bis 2001 hatten etliche Krater mit Rinnen gezeigt, die nach Meinung einiger - aber längst nicht aller - Forscher durch herabfließendes Wasser entstanden seien.

          Deshalb entschloß sich der Leiter des Kameraexperiments, Michael Malin, Tausende der fraglichen Regionen neu zu fotografieren. Das ist in den Jahren 2004 und 2005 geschehen, und auf diesen Aufnahmen fielen die beiden neu entstandenen Ablagerungen auf.

          Gefrorenes Wasser schon entdeckt

          In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Science“ werden die Entdeckungen zusammen mit frisch entstandenen Einschlagkratern in einem Artikel vorgestellt. Darin äußern die Autoren die Vermutung, fließendes Wasser könnte die Ablagerungen transportiert haben, sie könnten aber auch durch trockenen Staub entstanden sein, der sich am Kraterrand herabbewegt habe.

          Auf der Pressekonferenz der Nasa wurde darauf hingewiesen, daß sich eine der Linien unten teile, wie es bei fließendem Wasser zu beobachten sei, das auf Widerstand stoße. Das Wasser habe sich offenbar im Marsboden unter einer Schicht aus gefrorenem Eis, wie sie allgemein dort vermutet wird, angesammelt. Dann sei es bei einem plötzlichen Ausbruch, den ein Marsbeben oder der Einschlag eines Meteoriten ausgelöst haben könne, ins Freie gelangt. Überraschend und damit nicht zu erklären ist, warum die Sedimente in einem der Krater genau in einer vorher schon vorhandenen Rinne liegen - als habe ein Meteorit exakt diesen schmalen Streifen getroffen.

          Selbst unterstellt, es handele sich um die von Wasser transportierten Sedimente, dann hätte das Wasser - bei der dünnen Atmosphäre und den geringen Temperaturen des roten Planeten - sofort gefroren sein müssen. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß flüssiges Wasser unter diesen Umständen flüssig bleiben kann; und gefrorenes Wasser abseits der Marspolgebiete hatte auch schon die europäische Raumsonde Mars Express entdeckt.

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