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Mars : Im Zickzackkurs durch eine vulkanische Welt

  • -Aktualisiert am

Basaltisches Geröllfeld: Fuyj im Krater Gusev Bild: Nasa

Den beiden amerikanischen Rovern namens „Opportunity“ und „Spirit“ steht ein zweiter Marswinter bevor.

          3 Min.

          Gut zwei Jahre nach ihrer Landung auf dem roten Planeten steht den beiden amerikanischen Rovern namens Spirit und Opportunity nun der zweite Marswinter bevor - Opportunity in der großen Ebene Meridiani Planum und Spirit am Boden des weitläufigen Kraters Gusev. Ob die Batterien den tiefen Temperaturen, die ihnen schon einmal zu schaffen machten, auch diesmal gewachsen sein werden, ist ungewiß. Die Wissenschaftler jedenfalls versuchen, die vorher noch verbliebene Zeit zu nutzen und möglichst viele Informationen über die beiden Landschaften zu sammeln.

          Die Regionen sind, was bei einem Planeten mit einer komplexen Geschichte auch nicht anders zu erwarten ist, extrem unterschiedlich. In der Ebene Meridiani Planum sind viele Hinweise auf die frühere Existenz von stehenden und fließenden Gewässern entdeckt worden, wie es bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa immer wieder heißt. Viele der angeführten Belege werden zwar von Kritikern angezweifelt, aber in ihrer Gesamtheit vermitteln sie ein Bild, das nicht gerade von einem immer trocken gewesenen Planeten zeugt.

          Weiße Stellen auf dem Mars

          Der Boden des Kraters Gusev dagegen scheint von Anfang an zu einer anderen Welt gehört zu haben - trotz gelegentlicher Äußerungen, auch dort habe man von Wasser hinterlassene Spuren entdeckt. Wasser in kleinen Mengen kann auch durch vulkanische Prozesse erklärt werden, und Hinweise auf früheren Vulkanismus hat Spirit im Laufe seiner Reise mehrfach entdeckt. Es bleibt deshalb abzuwarten, was die weißen Stellen auf dem Marsboden tatsächlich bedeuten, auf die der Rover am 13. Januar dieses Jahres stieß. Sie sind erstaunlich reich an Eisensulfaten und weisen die höchste Konzentration an Salzen auf, die bislang auf dem roten Planeten entdeckt wurden.

          Ausschnitt der Ebene Meridiani Planum, fotografiert aus dem Rover „Opportunity”

          Schon vor zwei Jahren, gleich zu Beginn seiner Fahrt über den Mars, stieß Spirit auf die möglichen Reste einer Decke aus Lava, die sich einst am Boden des Kraters Gusev verfestigt hat, und in diesem Januar lieferten seine Kameras Bilder von Basalten, die noch beeindruckender sind. Die hier abgebildete Gruppe von Basalten gehört zu einem Geröllfeld, in dem Spirit seit einiger Zeit gefangen ist. Sie wird von den Forschern - nach dem mythischen ersten Kaiser Chinas - Fuyi genannt, weil der Rover sie ungefähr zum chinesischen Neujahrsfest entdeckte. Das Gestein weist die für vulkanisches Gestein typischen kleinen Löcher auf, die von einst in zähflüssiger Lava eingeschlossenen Gasen herrühren. Die Lava hat sich damals rund um die Gasbläschen verfestigt, und das Gas entwich. Nur die Löcher zeugen noch davon.

          Rover in sandigem Gelände

          Zwischenzeitlich, als Spirit den Hügel namens Husband Hill erklomm, schien der Rover den vulkanisch dominierten Teil der Landschaft verlassen zu haben. Jedenfalls traf er nur wenige basaltische Gesteine an. Möglicherweise hat er sich in den vergangenen zwei Jahren am Rande eines früheren Lavaflusses entlangbewegt. Die Größe der Basaltbrocken läßt die Vermutung zu, daß sich an diesem Rande einst Eruptionen ereigneten.

          Das Geröllfeld, in dem sich der Rover momentan noch befindet, stellt für die Ingenieure eine große Herausforderung dar. Mehrfach mußten sie eingreifen, weil die autonome Navigation von Spirit an ihre Grenzen stieß. Sie brachte den Rover jedesmal, wenn sie keinen sicheren Weg durch das Geröllfeld hindurch fand, zum Stillstand. Die Ingenieure versuchten dann, Spirit durch eine Kombination von Kommandos von der Erde und autonomer Navigation weiterzubewegen. Dabei geriet der Rover auf einen sandigen Boden, auf dem die Räder abrutschten. Mal mußte er, während nach einem Ausweg gesucht wurde, einen Tag pausieren, was für nicht eingeplante spektroskopische Untersuchungen von Gesteinen genutzt wurde, dann wiederum bewegte er sich an einem ganzen Tag nur um etwa neun Meter weiter. Unter günstigen Bedingungen sind schon rund 180 Meter am Tag erreicht worden.

          Planet mit feuchter Vergangenheit

          Der andere Rover, Opportunity, befindet sich derzeit in einem Gelände, das durch flache Gesteinsplatten geprägt ist, die eine ähnliche Konsistenz wie Ziegelsteine haben dürften. Sie sind ähnlich geschichtet wie bestimmte Sedimente auf der Erde und für die Nasa damit ein weiterer Beleg dafür, daß sich in der Region einst Wasser befunden hat. Auf der Erde zeugen die Schichten von der einstigen Existenz geschwungener Sandrippeln, die sich dort in Wasser gebildet haben. Analog wäre die Schichtung im Marsgestein die Folge von Wellen in flachen Gewässern, denen zentimetergroße Sanddünen ausgesetzt waren.

          Der Befund reiht sich für die Nasa in eine ganze Folge von Belegen für die "feuchte" Vergangenheit des Planeten ein. Auch wenn sich nicht alle Hinweise darauf bestätigen sollten, besteht kein Zweifel daran, daß es einst auf dem Mars - schon wegen seiner allgemeinen Entwicklungsgeschichte - Wasser gegeben haben muß. Einen der wichtigen neuen Mosaiksteine für dieses Puzzle hat im vergangenen Jahr die europäische Raumsonde Mars Express geliefert. Ihr Radarsystem fand im Nordpolargebiet des Planeten unter dem Boden eine einen Kilometer dicke Eisschicht, die auf basaltischem Regolith liegt. Die Frage ist, wie lange sich das Wasser - in flüssiger Form - auf dem Planeten gehalten hat, was für die mögliche Entstehung von Organismen von Bedeutung wäre. Darüber hinaus versuchen die Forscher herauszufinden, wieviel Wasser in gefrorenem Zustand, eingebunden im Marsboden, noch vorhanden ist.

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