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Kleinplaneten : Gut durchgeschüttelt

  • -Aktualisiert am

Modell von Itokawa, Maßstab 1:2000 Bild: Universität Tokio/Jaxa/Isas

Auf dem Kleinplaneten Itokawa zeigt sich eine merkwürdige Verteilung von Schotter. Ursache hierfür scheint ein von Einschlägen verursachtes „Vibrieren“ des Planeten zu sein. Spektakuläre Funde einer Raumsonde.

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          Die Kleinplaneten in unserem Sonnensystem scheinen samt und sonders Individualisten zu sein. Jedes der bislang erforschten Objekte hat Eigenheiten, die es vor andern auszeichnen. Der rund 550 mal 310 mal 275 Meter große Asteroid Itokawa beispielsweise, der erst im Jahr 1998 entdeckt worden ist und später nach dem japanischen Raketenpionier Hideo Itokawa benannt wurde, scheint eine kosmische Rüttelmaschine zu sein. Offenbar hat eine Art Vibrationsmechanismus dafür gesorgt, dass der Schotter auf der Oberfläche des Himmelskörpers nicht gleichmäßig verteilt ist.

          Die kleineren, millimeter- und murmelgroßen Brocken finden sich nur in den aus einer gewissen Distanz völlig eben erscheinenden Regionen, die etwa zwanzig Prozent der Oberfläche von Itokawa ausmachen. Das lassen die Ende 2005 aufgenommenen Fotos der japanischen Raumsonde Hayabusa (“Falke“) erkennen. Über die Ergebnisse der Untersuchungen berichten Hirdy Miyamoto vom Institut für planetare Wissenschaften der Universität Tokio und andere japanische Forscher in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Science“.

          Weitgehend von Geröll und Felsbrocken dominiert

          Mit der im Mai 2003 gestarteten Sonde hatte sich die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa, die Itokawa mittlerweile im Maßstab 1:2000 nachmodelliert hat, ein anspruchsvolles Ziel gesetzt. Hayabusa sollte innerhalb weniger Tage zweimal auf dem Kleinplaneten landen, dabei Gestein aufnehmen und sich damit jedesmal wieder von dem Himmelskörper entfernen. Anschließend wollten die Forscher die Sonde auf eine Bahn zurück zur Erde bringen. Es war vorgesehen, dass Hayabusa im Sommer 2007 mit der wertvollen Last an einem Fallschirm unweit des australischen Raketentestgeländes von Woomera landete.

          Nahaufnahmen: Geröll auf dem Kleinplaneten Itokawa

          Schon die Bilder, die Hayabusa vor der Landung auf Itokawa aus einer Umlaufbahn in einigen Kilometern Höhe aufgenommen hat, ließen einen Kleinplaneten erkennen, der weitgehend von größerem Geröll und Felsbrocken dominiert wird. Die kleineren Brocken, die erst auf den Nahaufnahmen sichtbar geworden sind und die bei Einschlägen anderer Objekte entstanden sein dürften, müssten - den Gesetzen solcher Ereignisse folgend - überall auf Itokawa ungefähr gleich häufig sein.

          Hayabusas Rückkehr ist unsicher

          Die jetzt beobachtete Ungleichverteilung kommt am ehesten durch ein von Einschlägen verursachtes „Vibrieren“ des Himmelskörpers zustande, das die Partikel bevorzugt in Gebiete mit geringerer Schwerkraft befördert. Bei einem solchen Vibrieren richten sich viele der Gesteine in einer Region so aus, dass ihre Längsachsen in ein und dieselbe Richtung weisen. Die Gesteine an der Diagonalen in der oberen der beiden abgebildeten Nahaufnahmen haben sich entsprechend formiert.

          Der anspruchsvolle Versuch, mit Hayabusa Material von Itokawa einzusammeln, ist - wenn überhaupt - allenfalls einmal geglückt. Sicher ist zumindest, dass die Sonde auf dem Asteroiden aufsetzte und wieder abhob, was in der Erforschung der kleineren Körper im Sonnensystem auch schon ohne Vorbild ist. Aus technischen Gründen musste damals der Rückflug zur Erde verschoben werden. Erst jetzt besteht wieder die Möglichkeit, Hayabusa auf eine Bahn zur Erde zu bringen, auf der die Sonde im Jahr 2010 ihr Ziel erreichte. Manches deutet jedoch darauf hin, dass sich der Zustand von Hayabusa für eine erfolgreiche Rückkehr nicht mehr genügend stabilisieren lässt.

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