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Kepler-Mission : Versehen im All

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Seit die Wissenschaft weiß, dass es im All erdähnliche Planeten geben könnte, ist die Jagd nach ihnen ungebrochen. Vor wenigen Tagen dann die Sensation - die wohl doch keine ist.

          2 Min.

          Als zwei Astronomen der Universität Genf im Jahr 1995 den ersten Planeten entdeckten, der einen sonnenähnlichen Stern umkreist, schien eines klar zu sein: Unserem Sonnensystem kommt keine Sonderstellung im Universum zu. Auch andere ferne Sterne werden von Planeten – sogenannten Exoplaneten – begleitet. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass außerirdisches Leben ebenso normal sein könnte. Doch alle Exoplaneten, die man seitdem gefunden hat, sind viel größer als die Erde und keine mögliche Heimstätten für E.T.s – was die Jagd auf erdähnliche Exoplaneten auslöste, deren Suche das Hauptziel des amerikanischen Weltraumteleskops Kepler ist.

          Und dann, vor wenigen Tagen, ist die Sensationsnachricht gekommen: Dimitar Sasselow, Astronomieprofessor am „Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics“ in Cambridge (Massachusetts) und führend beteiligt an der Kepler-Mission, hielt bei der „Ted Global Conference“ in Oxford einen auch im Internet abrufbaren Vortrag mit dem Titel „Wie wir Hunderte erdähnlicher Planeten fanden“.

          Hunderte erdähnlicher Planeten

          Die englische Zeitung „Daily Mail“ hat das am vergangenen Mittwoch aufgegriffen, ihr folgte die „Bild“-Zeitung mit der Schlagzeile „Hallo, ist da wer?“ Auch einige seriöse Astronomen waren schon auf den Vortrag gestoßen und fasziniert. Die statistische Verteilung der Größen der vorgestellten Exoplaneten folgte offenbar der Verteilung, wie sie aus unserem Sonnensystem bekannt ist. Wenngleich Sasselow nicht verschwieg, dass er nur über „Planeten-Kandidaten“ sprach, von denen die meisten vermutlich gar keine Planeten darstellten, suggerierte er doch anderes.

          Indem er etwa eine irreführende Grafik kommentierte, als sei die Planeten-Natur der Objekte bewiesen: „Hier können Sie es sehen: Die kleinen Planeten dominieren auf dem Bild.“ Und er fügte hinzu: „Das statistische Ergebnis ist laut und deutlich, und das statistische Ergebnis besagt, dass es im Universum Planeten wie unsere Erde gibt.“ Vorher hatte er eine Grafik mit 460 Exoplaneten – dem Forschungsstand vor Kepler – gezeigt. Über der anderen, irreführenden Grafik (mit im übrigen weniger als 300 Objekten) stand: „Planetenzahl insgesamt ungefähr 1160.“ Der Forscher hatte schlichtweg die 700 Planeten-Kandidaten von Kepler hinzugerechnet, von denen wahrscheinlich nur ein oder zwei Dutzend tatsächlich Planeten sind.

          Nun, da er der Welt den Floh ins Ohr gesetzt hat, Kepler hätte tatsächlich Hunderte erdähnlicher Planeten entdeckt, rudert Sasselow zurück. „Ich habe nur wiederholt, was vom Kepler-Team schon am 15. Juni bekanntgegeben worden ist“ und was schon publiziert wurde, hat er der Internet-Adresse space.com zufolge gesagt. Und ein anderer an der Kepler-Mission beteiligter Forscher sagte, es sei nur von möglichen Planeten die Rede gewesen. Warum dann aber der irreführende und reißerische Titel des Vortrags?

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