https://www.faz.net/-gwz-7pzoq

Ferne Gesteinswelt : Eine Mega-Erde im Sternbild Drache

Exoplanet Kepler-10c, eine Illustration. Bild: AFP

In 560 Lichtjahren Entfernung umkreist eine massereiche fremde Gesteinswelt einen Stern. Offenkundig handelt es sich um einen bislang unbekannten Planetentyp.

          Einen recht massereichen extrasolaren Planeten haben amerikanische Astronomen in einer Entfernung von 560 Lichtjahren aufgespürt. Der ferne Planet sei 17 Mal so massereich wie die Erde, sei aber dennoch ein Gesteins- und kein Gasplanet, berichtete Xavier Dumusque vom Harvard-Smithsonian Zentrum für Astrophysik CfA Anfang dieser Woche auf der Jahrestagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft AAS in Boston. Bei dem Exoplanet, der die Katalognummer Kepler-10c erhalten hat, handle es sich wegen seiner Masse und seiner Beschaffenheit offenkundig um einen neuen Typ von Planeten.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          „Wir waren sehr überrascht, als uns klar wurde, was wir gefunden hatten“, sagte Dumusque in einer Mitteilung des CfA. „Dies ist der Godzilla unter den Erden“, ergänzte sein Kollege Dimitar Sasselov. Bislang sind Astronomen davon ausgegangen, dass derart massereiche Planeten von einer dichten Atmosphäre aus Wasserstoff und Helium umhüllt sind - wie die Gasriesen Uranus und Neptun, die eine ähnlich große Masse besitzen wie Kepler-10c.

          Verräterisches Vorüberziehen

          In Anlehnung an die Bezeichnung Supererde, die Astronomen für Planeten mit bis zur 14-fachen Erdmasse verwenden, tauften die Forscher um Dumusque ihre Entdeckung eine Mega-Erde. Das heißt allerdings nur, dass es sich um einen Gesteinsplaneten handelt. Hinweise, ob auf dem Exoplaneten Leben möglich ist, haben die Astronomen nicht gefunden.

          Kepler-10c umkreist gemeinsam mit einem kleineren, heißen und erdähnlichen Planeten (Kepler-10b) den sonnenähnlichen Stern Kepler-10 im Sternbild Draco (der Drache). Er war wie Kepler-10b mit dem Weltraumteleskop „Kepler“ entdeckt worden. Das Teleskop beobachtet, ob Planeten vor ihren Heimatsternen vorbeiziehen und deren Licht dabei abschwächen. Aus der Stärke dieser leichten Verdunkelung lässt sich die Größe des Planeten berechnen. Kepler-10c hat demnach einen Durchmesser von knapp 30.000 Kilometern ist somit rund 2,3 Mal so groß wie die Erde. Aufgrund der Masse hielten die Astronomen um ihn zunächst für einen Mini-Neptun.

          Kein Unikum im Universum

          Mit dem Präzisionsspektrographen Harps-North des italienischen Galileo-Teleskops auf den Kanaren bestimmten die Forscher schließlich die Masse des fernen Planeten und kamen auf erstaunliche 17 Erdmassen. Damit ist die Dichte von Kepler-10c viel zu groß für einen Gasplaneten. Es muss sich also um einen Gesteinsplaneten handeln.

          Die Forscher glauben, dass es noch mehr solcher Himmelskörper gibt. Modellrechnungen legten nahe, dass auch bei anderen Sternen Mega-Erden entstanden sein könnten. Dann wäre die Entdeckung der Prototyp für eine neue Klasse von Planeten.

          Weitere Themen

          Under Pressure

          Netzrätsel : Under Pressure

          Es gibt so gut wie nichts, was es nicht gibt im Netz der Netze: Geniales, Interessantes, Nützliches und herrlich Überflüssiges. Diesmal: Kopfrechnen unter erschwerten Bedingungen.

          Topmeldungen

          Vorwürfe im Vorwahlkampf : Trumps zwielichtiges Telefonat

          Donald Trump soll den ukrainischen Präsidenten aufgefordert haben, Ermittlungen gegen den Sohn seines möglichen Konkurrenten Joe Biden anzuschieben. Ging es auch um die Erpressung mit amerikanischen Finanzhilfen?
          Wer mit Thomas Cook auf Reisen geht, macht womöglich Quartier in der Casa Cook

          Touristik : Thomas Cook bemüht sich um Staatshilfe

          Der älteste Touristikkonzern der Welt kämpft ums Überleben. An diesem Vormittag ist der Verwaltungsrat zusammengekommen, um nach Möglichkeiten zu suchen, die Insolvenz zu vermeiden. Auch Staatshilfen sind im Gespräch.
          Kanzlerin Angela Merkel stellt mit ihrem Klimakabinett die Ergebnisse eines Kompromisses zum Klimapaket vor.

          Klimakabinett : Das deutsche Klima-Experiment

          Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Aber andere Länder schauen genau darauf, wie Kanzlerin Merkel versucht, die Emissionen zu senken. Kann Deutschland Vorbild sein oder muss es über den Ärmelkanal schauen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.