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Kam Meerwasser aus dem All? : Himmlische Quelle

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

In der Staubhülle eines jungen Sterns hat man riesige Mengen Wasserdampf entdeckt. Genug, um Ozeane zu speisen. Ist die Erde so zu ihrem Meerwasser gekommen?

          2 Min.

          Eine beachtliche Menge an Wasserdampf haben Astronomen mit dem Weltraumteleskop Herschel in der Staubhülle eines jungen Sterns gefunden. Michiel Hogerheijde von der Universität Leiden und seine Kollegen glauben, dass der Dampf auf ein gewaltiges Reservoir von Eis hindeutet - groß genug, um mit dem darin enthaltenen Wasser Tausende von Ozeanen zu füllen. Die Entdeckung liefert möglicherweise eine Erklärung dafür, weshalb auf unserem Heimat Wasser in solch großen Mengen vorkommt.
          Der fast 180 Lichtjahre entfernte Stern „TW Hydrae“ ist rund zehn Millionen Jahre alt und damit wesentlich jünger als die Sonne. Seine ihn umgebende Staubscheibe ist gerade dabei, ein Planetensystem zu formen. Einen Planeten davon - TW Hydrae b - hatten Forscher des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg im Jahr 2007 entdeckt. Schon früher hat man Wasserdampf in der unmittelbaren Umgebung von jungen Sternen gefunden - dort ist es gewöhnlich so heiß, dass das Wasser als Gas vorliegt, das sich langsam verflüchtigt. Nun ist es erstmals gelungen, Wasser auch in den kalten, äußeren Bereichen einer stellaren Staubhülle eines Sterns aufzuspüren.

          Eine Computergrafik zeigt das europaeische Weltraumteleskop Herschel im All. Das Teleskop  ist seit Mai 2009 im All. Es wurde mit einer Rakete hochgeschossen.


          Dort herrschen üblicherweise Temperaturen um minus 250 Grad, wodurch das Wasser an den Staubkörnern zu Eis gefroren und damit für Teleskope wie Herschel unsichtbar ist. Doch die von TW Hydrae ausgesandte Ultraviolettstrahlung ist offenbar intensiv genug, um einen Teil des Eises zum Verdampfen zu bringen. Diesen Wasserdampf haben Hogerheijde und seine Kollegen nun mit dem Infrarotspektrometer Hifi an Bord von Herschel aufgespürt. Die Ausmaße des zugrunde liegende Eisreservoirs schätzten sie dann aus der gemessenen Dampfmenge mit Hilfe von Simulationen ab. Seine Masse ist etwa so groß wie die der Erde, berichten Forscher in der Zeitschrift (“Science“, Bd. 334, S. 338).


          Die Entdeckung solch großer stellarer Eisvorkommen deutet darauf hin, dass sich auch in der Umgebung unseres Heimatplaneten ein derartiges Reservoir befindet, etwa in den Kometen am Rande des Sonnensystems. Die Kometen entstanden einst durch die Zusammenballung von eishaltigen Staubkörnchen stellarer Wolken. Später könnten sie - so die Annahmen - ihr Wassereis auf die Erde gebracht und damit die Ozeane gefüllt haben. Denn der blaue Planet war ursprünglich viel zu heiß, um größere Wassermengen speichern zu können, und muss daher von außen versorgt worden sein. Laut einer populären Theorie ist dies durch Einschläge von Wassereis enthaltenden Kometen oder Asteroiden geschehen.
          Tatsächlich haben kürzlich Astrophysiker um Paul Hartogh vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau bestätigen können, dass das Wassereis im Kern des Kometen „103P/Hartley 2“ ein ähnliches Isotopenverhältnis besitzt wie das Wasser der Ozeane der Erde (“Nature“, doi: 10.1038/nature10519). Die Erkenntnisse von Hogerheijde liefern jedenfalls neue Indizien dafür, dass unser Planet seinen blauen Anstrich außerirdischer Hilfe verdankt.
           


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