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Jahr der Astronomie : Die Rückkehr des schwarzen Himmels

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Eine von Galileis lavierten Tuschzeichnungen des Mondes, wie er ihn zuerst 1609 durch sein Teleskop sah. Nach solchen Vorlagen entstanden die Stiche im „Sidereus Nuncius”, der im Frühjahr 1610 erschien. Bild: Foto Barbara Herrenkind

Im Jahr 1609 wurden zum ersten Mal Teleskope auf den Himmel gerichtet. Die Qualität der Instrumente war noch mehr als bescheiden, doch ein Anfang war gemacht - woran das von der Unesco ausgerufene Jahr der Astronomie erinnert.

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          Marsvulkane, Galaxienflucht, Paralleluniversen – mit all diesen Begriffen hätte Kopernikus nichts anfangen können. Seit dieser Gelehrte die Erde aus dem Zentrum des Alls verbannt und durch die Sonne ersetzt hat, wo längst auch sie vertrieben ist, hat sich das Bild vom Kosmos dramatisch verändert.

          Wesentlich hat dazu das Fernrohr beigetragen. Dessen Erfindung reklamierte der niederländische Optiker Hans Lippershey offiziell am 2. Oktober 1608 für sich. Sogleich meldeten sich zwei andere Niederländer zu Wort, die denselben Anspruch stellten. Die Nachricht von der Erfindung, die mit einfachen Mitteln zu realisieren war, machte jedenfalls rasch die Runde.

          Der neue Blick auf den Himmel

          Schon 1609 richteten mehrere Gelehrte Fernrohre auf den Himmel – und sahen als Erste die gewaltigen Kraterlandschaften auf dem Mond, Flecken auf der Sonne, die Venus in Sichelform und die vier größten Monde des Jupiters. Allen voran soll Galileo Galilei gewesen sein, dessen erste Himmelsbeobachtungen mit einem „astronomischen“ Galileischen Fernrohr die Unesco zum Anlass für ein Internationales Jahr der Astronomie genommen hat – jetzt, 400 Jahre danach.

          Thomas Harriots erste Mondzeichnung zeigt: Mit Galilei konnte er es da noch nicht aufnehmen.

          Die Internationalen Jahre der Vereinten Nationen machen gelegentlich den Eindruck der Willkürlichkeit, zumal sie manchmal durch eine zu große Häufung zusätzlich abgewertet werden. 2008 beispielsweise wurde zum Jahr der Sprachen, zum Jahr des Planeten Erde und zum Jahr der Kartoffel erklärt. Dafür, dass sich das Jahr der Astronomie davon abhebt, wollen nicht zuletzt all die willigen Helfer sorgen, die die Himmelskunde auch sonst in aller Welt dem Laien durch ein weitverzweigtes Netz von Volkssternwarten und Planetarien näherzubringen versuchen.

          Der Weg zum Großteleskop

          Die offizielle Eröffnungsveranstaltung des Internationalen Jahres der Astronomie fand am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche bei der Unesco in Paris statt, den deutschen Auftakt hat an diesem Dienstag eine Veranstaltung im Museum für Kommunikation in Berlin gebildet. Insbesondere in Paris wurde deutlich, wie gewaltig sich die Himmelskunde trotz vergleichbarer Voraussetzungen – immer an der Grenze des technisch Möglichen zu sein – seit Galilei geändert hat.

          Als der Bau des Fünf-Meter-Teleskops auf dem Mount Palomar in Kalifornien, das lange Zeit das größte Fernrohr der Welt sein sollte, vor dem Zweiten Weltkrieg in Angriff genommen wurde, schienen die Schwierigkeiten zunächst unüberwindbar zu sein. Auch die modernen Großteleskope mit acht bis elf Meter Spiegeldurchmesser schienen anfangs die Grenzen des Machbaren zu sprengen. 1993 konnte gleichwohl das erste von ihnen, Keck I, in Hawaii in Betrieb gehen.

          Abseits der „Lichtverschmutzung“

          Mit den Großteleskopen und modernen Messinstrumenten erschloss sich ein völlig neues Bild des Universums, in dem die sichtbare Materie nur noch wenige Prozent ausmacht. Dunkle Materie und Dunkle Energie sind die Hauptbestandteile des Alls, das im Übrigen nach Meinung einiger Astronomen nicht einzigartig sein muss. Vielleicht gibt es eine Vielzahl paralleler Universen, in denen unterschiedliche Randbedingungen herrschen. Damit wäre die Frage überflüssig, warum unser Kosmos gerade so beschaffen ist, dass – möglicherweise nicht nur auf der Erde – Leben in ihm existieren kann. Fragen dieser Art sind in Paris angesprochen worden.

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