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Interview mit Heino Falcke : Ein wichtiger Beitrag der Europäer

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Der Vorsitzende des EHT-Wissenschaftsrats Heino Falcke von der Radboud Universität in Nijmegen präsentierte am 10. April 2019 das erste Bild eines Schwarzen Lochs in Brüssel. Bild: EPA

Das Event Horizon Telescope (EHT) hat das erste Bild eines Schwarzen Lochs aufgenommen. Der Vorsitzende des EHT-Wissenschaftsrats Heino Falcke erläutert die Bedeutung der Entdeckung.

          Herr Falcke, am vergangenen Mittwoch haben Sie in Brüssel im Namen Ihrer Kollaboration das erste Bild eines Schwarzen Lochs präsentiert. Wie turbulent waren die Tage danach?

          Es war gut, heute Morgen aufzuwachen und sieben Stunden geschlafen zu haben.

          Sie sind ein wissenschaftlicher Popstar.

          Das geht schnell vorbei. Gestern standen wir noch bei Spiegel Online, heute ist es schon verschwunden. So schnell geht das mit dem Ruhm. Ich kann also noch unerkannt mit der Straßenbahn fahren. Aber es fühlt sich gut an, endlich die Daten veröffentlicht zu haben und darüber reden zu können.

          Bei der Pressekonferenz im Hauptquartier der EU-Kommission hieß es, der Saal sei selten so voll gewesen und selten habe man so viel Applaus gehört. Warum haben Sie Ihre Forschungsergebnisse ausgerechnet dort vorgestellt?

          Wir wollten damit Zeichen setzen. Zum einen, dass wir als Europäer hier einen ganz wichtigen Beitrag geleistet haben. Aber auch, dass wir sehr intensiv durch den europäischen Steuerzahler unterstützt worden sind: Über die großen Infrastrukturen wie die Europäische Südsternwarte (Eso), das Institut für Radioastronomie im Millimeterbereich (Iram), die Max-Planck-Gesellschaft, die über Jahre die Techniken und Teleskope weiterentwickeln; aber auch über den Europäischen Forschungsrat, der gerade die innovative, aber auch risikoreiche Forschung fördert. Und weil wir gelernt haben, als europäische Wissenschaftler zusammenzuarbeiten, denn sonst hätten wir keine Chance in diesen weltweiten Kollaborationen.

          Vielleicht war man bei der EU auch froh, zur Abwechslung positive Nachrichten verkünden zu können?

          Vielleicht. Und sicher hat man sich manchmal geärgert, wenn in Europa Durchbrüche erreicht worden sind, die dann der Weltöffentlichkeit als „die Nasa hat gefunden“ präsentiert wurden.

          Pressekonferenz zur Bekanntgabe der EHT-Entdeckung in Brüssel am 10. April 2019: Anton Zensus, Eduardo Ros, Luciano Rezzolla, Monika Moscibrodzka, Heino Falcke und Carlos Moedas (von links nach rechts).

          Sie sind Teil einer Kollaboration von über 200 Mitarbeitern aus dreizehn Partnerorganisationen, die verstreut über die Welt arbeiten. Wie schwierig war es, das Ergebnis so lange geheim zu halten? Die Daten wurden ja bereits 2017 aufgezeichnet.

          Wir hatten unglaubliche Angst, dass etwas geleakt wird. Das war eines der größten Albtraumszenarios. Wenn das jemand vorzeitig rausgebracht hätte, wäre uns die Möglichkeit genommen worden, das Bild der Öffentlichkeit zu geben. Und was ist ein Bild ohne seine Geschichte? Ohne Erklärung, was es ist, wäre es nur ein Fleck in der Landschaft. Und tatsächlich war in der Nacht vor der Pressekonferenz aus Versehen ein Link mit dem Bild aufgetaucht, über den uns ein Blogger zum Glück informiert hat und den wir dann schnell reparieren konnten.

          Abgesehen von dem Bild an sich, was hoffen Sie, aus Ihren Messungen zu lernen?

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