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Internationale Raumstation ISS : Die Hoffnung ist montiert

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Bei einem fast siebenstündigen Außeneinsatz haben Astronauten der Raumfähre Discovery das japanische Forschungslaboratorium Kibo(Hoffnung) an der Raumstation ISS montiert: ein Traum für Experimente, die mit Schwerelosigkeit operieren.

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          Die Astronauten Michael Fossum und Ronald Green der amerikanischen Raumfähre Discovery haben in der Nacht zum Mittwoch (MESZ) bei einem Außeneinsatz das japanische Forschungslaboratorium Kibo (Hoffnung) an der Internationalen Raumstation ISS montiert. Dem japanischen Astronauten Akihiko Hoshide wurde die Ehre zuteil, Kibo mit dem Roboterarm abschließend an die richtige Stelle zu hieven. Damit ist die ISS um 176 Kubikmeter umbauten Raum gewachsen. Auf der Erde nimmt sich dieses Bauvolumen bescheiden aus. Für die Dauerbesatzung der ISS muss die Erweiterung ihres Arbeitsplatzes im Orbit jedoch eine befreiende Wirkung haben. Über Platzmangel wird sie künftig nicht mehr klagen können. Kibo, die dritte Laboreinheit der ISS, ist, abgesehen von den Sonnensegeln, der bei weitem größte Bauteil der Station.

          Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hatte schon im Februar 2001 ihr Labor „Destiny“ zur ISS geschickt, einen Zylinder aus Aluminium von 8,50 Meter Länge mit einem Durchmesser von 4,20 Meter. Die Europäer folgten im vergangenen Jahr mit dem Laboratorium „Columbus“, einer 6,80 Meter langen, im Durchmesser 4,50 Meter großen Tonne. Im Endausbau wird Kibo aber nahezu doppelt so groß wie Columbus sein. Der eigentliche japanische Laborzylinder hat den gleichen Durchmesser wie Columbus, ist aber 11,20 Meter lang. Zu Kibo gehören außerdem noch eine Plattform für Außenexperimente mit einer Fläche von 28 Quadratmetern und ein zylindrischer Aufsatz mit einem Volumen von 35 Kubikmetern. Dieses Zusatzlabor soll 2009 geliefert werden.

          Schwebend experimentieren

          Das etwa 600 Millionen Euro kostende Kibo-Labor ist der bislang größte Beitrag der japanischen Weltraumagentur Jaxa zur Raumstation. Obwohl Tokio zum Unterhalt und zum Betrieb von ISS pro Jahr etwa 250 Millionen Euro beisteuert, war Japan im Orbit bislang unterrepräsentiert. Das wird sich aber künftig ändern. Im kommenden Februar soll dann der jetzt 44 Jahre alte Koichi Wakata als erster Japaner an einem Langzeitaufenthalt an Bord der ISS teilnehmen. Der 43 Jahre alte Soichi Noguchi wird im November 2009 folgen.

          Kibo ist ein Traum für Experimentatoren in der Schwerelosigkeit. Es hat zehn voneinander unabhängige Laborschränke von jeweils zwei Meter Höhe und einem Meter Breite. Jeder Schrank steht für mindestens ein Experiment zur Verfügung. Auf der Außenplattform können außerdem ein gutes Dutzend automatisch ablaufende Versuche untergebracht werden. Um sie einzurichten, wird ein in Japan entwickelter Roboterarm als „Kran“ eingesetzt. Weitere Experimentierfelder stehen im zylindrischen Aufsatz zur Verfügung, der über eine Luftschleuse zu erreichen sein wird. Bei ihren Versuchen wollen sich die Japaner auf Werkstoffwissenschaften und Biologie konzentrieren.

          Wie es mit der ISS weitergehen soll, ist offen. 2010 stellt die Nasa ihre drei letzten Raumfähren außer Dienst. Dann können Astronauten nur noch mit den russischen Sojus-Kapseln zur Station gelangen, jeweils höchstens drei. Nicht mehr als zwei Kapseln gleichzeitig können anlegen. Deshalb dürfen sich künftig nicht mehr als drei Raumfahrer gleichzeitig zu einem Langzeitaufenthalt an Bord der ISS befinden. Schon jetzt sind diese drei Besatzungsmitglieder aber mit Betrieb und Wartung der Station fast ausgelastet. Für Experimente bleibt wenig Zeit.

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