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Indische Marsmission : Ein Land auf der richtigen Umlaufbahn

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Das erste Bild von der Marsoberfläche, das die indische Raumsonde Mangalyaan zur Erde geschickt hat. Aufgenommen aus einer Höhe von 7300 Kilometern. Bild: AFP

Indien hat es preiswert zum Mars geschafft. Und fast alle Inder sind mächtig stolz auf die Wissenschaftler ihres Landes. Alle Systeme der Raumsonde funktionieren. Mangalyaan hat nun auch das erste Bild von der Marsoberfläche zur Erde geschickt.

          Die Spannung in ganz Indien war gewaltig. Die Schüler des Landes wurden gebeten, am Mittwochmorgen schon um 6.45 Uhr in den Klassenräumen zu sein. Keiner sollte diesen historischen Moment verschlafen. Als gegen sieben Uhr die unbemannte Raumsonde Mangalyaan wie geplant in die Umlaufbahn um den Mars eintrat, kannte der Stolz der Inder keine Grenzen.

          „Das zeigt, wozu wir in der Lage sind“, sagte der indische Premierminister Narendra Modi. „Die Vorzeichen sprachen allesamt gegen uns. Aber wir haben das Unmögliche möglich gemacht.“ Modi forderte alle Schulen, Colleges und Universitäten auf, den indischen Wissenschaftlern zu applaudieren. Der Ministerpräsident war kurz vor seiner Amerika-Reise noch in die indische Raumfahrtzentrale nach Bangalore gekommen, um möglichst nah dabei zu sein. Für seinen Auftritt hatte er eine knallrote Weste gewählt - rot wie der Mars.

          Auf die erste Marsmission des Landes kann die indische Raumfahrtbehörde Isro stolz sein. Denn mit dem Erfolg im All tritt Indien einem erlesenen Klub bei. Bislang gelang es nur den Vereinigten Staaten, der damaligen Sowjetunion und der Europäischen Weltraumorganisation Esa, zum Mars zu fliegen. Indien hat es sogar im ersten Versuch geschafft.

          Erfolgreich schon beim ersten Versuch

          Für die Inder ist allerdings ein anderer Aspekt weitaus wichtiger: Sie sind noch vor Japan und China zum Mars geflogen. Die Japaner scheiterten 1999, die Chinesen zuletzt im Jahr 2012.Dabei ist die eigentliche Mission der Mangalyaan-Sonde zweitrangig, eine Landung auf dem roten Planeten ist ohnehin nicht geplant. Vielmehr sollen die Geräte an Bord des 1350 Kilogramm schweren Raumfahrzeugs die Atmosphäre und Oberfläche des Planeten untersuchen und eventuell Spuren von Methan finden. Das wäre ein Zeichen dafür, dass sich einst Leben auf dem Mars entwickelt haben könnte.

          Indiens Premierminister Narendra Modi gratuliert zur erfolgreichen Mission.

          Doch die Fachleute erwarten keine sensationellen Erkenntnisse. Auf kurze Sicht sei etwa die Satellitentechnik für Indien viel wichtiger, sagt Rajeswari Rajagopalan, die Weltraumexpertin des Forschungsinstituts Observer Research Foundation in Delhi. Mit Hilfe einer besseren Satellitentechnologie könnten wir präziser Unwetter vorhersagen. Wie wichtig das wäre, zeigen die Flutkatastrophen in Kaschmir und im Nordosten des Landes. Die Mangalyaan-Mission zum Mars sei hingegen ein Erfolg für die Zukunft.

          Die indische Raumfahrtbehörde hat gezeigt, dass man die Technik für einen Flug zum Mars und den Eintritt in einen Orbit entwickelt hat, sagt Rajagopalan. Indien werde versuchen, sich als Mitspieler auf dem Gebiet der Weltraumtechnologie zu etablieren. Für viele andere Länder kann Indien nun als Partner fungieren, zum Beispiel beim Transport von Satelliten als Weltraumbahnhof dienen.

          Sogar billiger als der Film Gravity

          Schon jetzt hat Indien rund 70 Satelliten - darunter auch einige aus Deutschland - in den Weltraum geschossen. Weitere Interessenten werden bald folgen, ist sich Rajagopalan sicher. Das wiederum wird neue finanzielle Investitionen ermöglichen. Doch vor allem ist die erfolgreiche Marsmission für Indien ein gewaltiger Prestigegewinn. Nicht nur hat man den Flug vor der Konkurrenz aus China und Japan geschafft, die Mission ist bislang auch die günstigste in der Geschichte der Raumfahrt.

          Am Montag ist die amerikanische Sonde Maven in eine Umlaufbahn um den Mars eingeschwenkt. Die Mission der Amerikaner ist zwar weitaus komplexer, mit Kosten in Höhe von 671 Millionen Dollar aber auch sehr viel teurer. Indien hat nur 74 Millionen Dollar benötigt - das ist weniger, als die Produktion des Weltraumfilms Gravity mit Sandra Bullock und George Clooney gekostet hat.Dennoch meinen Kritiker, das Geld hätte besser investiert werden können. Ein Land, das mit Gewalt gegen Frauen, Armut, Hunger und Korruption zu kämpfen habe, müsse nicht zum Mars fliegen. Doch an einem solchen Tag sind ihre Stimmen kaum zu vernehmen.

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