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Hubble-Teleskop : Blick zurück ins Universum

  • Aktualisiert am

Bild: ESA

Vor zwanzig Jahren, am 24. April 1990, startete die Raumfähre Discovery mit dem Weltraum-Teleskop Hubble an Bord. Die Bilder des immer noch wichtigsten Weltraum-Teleskops im optischen Bereich haben seither viele Betrachter fasziniert und das Verständnis der Geschichte des Universums vorangebracht.

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          Wohl kaum ein wissenschaftliches Instrument ist so bekannt wie das Weltraumteleskop „Hubble“. Vier Jahrhunderte nach der Erfindung des Fernrohrs haben „Hubble“ und seine Geschwister-Observatorien im Orbit unser Bild vom Kosmos erneut revolutioniert. Seit 20 Jahren kreist der Veteran der großen Weltraumteleskope um die Erde. „“Hubble“ hat viel mehr geleistet, als sich irgendjemand hätte vorstellen können“, schwärmt der europäische Chefkoordinator für das Weltraumteleskop, Robert Fosbury. „“Hubble“ hat ganz neue Bereiche der Astronomie eröffnet.“

          Das illustriert etwa die Erforschung ferner Welten, sogenannter extrasolarer Planeten bei anderen Sternen. „Als „Hubble“ gestartet ist, hatte noch niemand extrasolare Planeten entdeckt“, erläutert Fosbury. Heute analysiere das Weltraumteleskop sogar die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre dieser Planeten. So hat es erstmals organische Moleküle auf einem Exoplaneten nachgewiesen - und ist mit solchen Untersuchungen auch möglichem Leben im All auf der Spur.
          Der große Vorteil der Weltraumobservatorien ist, dass sie außerhalb der störenden, unruhigen Lufthülle unseres Planeten einen freien Blick in die Tiefen des Alls haben. Erst mit „Hubble“ wurde es möglich, einzelne Sterne in anderen Galaxien zu erkennen. Außerdem lassen sich im Orbit Wellenlängenbereiche wie das Infrarot beobachten, die von der Atmosphäre verschluckt werden.

          „Hubbles“ Werk ist mehr als üppig: 570 000 Aufnahmen von etwa 30 000 Himmelsobjekten hat das Weltraumteleskop nach Angaben der US- Raumfahrtbehörde NASA seit 1990 gemacht. Jeden Monat funkt es 80 Gigabyte Beobachtungsdaten zur Erde - das entspricht 80 großen Enzyklopädien. Etwa zehn Milliarden US-Dollar (rund 7,5 Milliarden Euro) haben die NASA und die mit 15 Prozent beteiligte Europäische Raumfahrtagentur ESA dafür bislang in das Teleskop gesteckt.

          „Hubble“ hat geholfen, die Geburt von Sternen und Planeten aufzuklären, das Alter des Universums auf rund 13,7 Milliarden Jahre zu bestimmen und die mysteriöse Dunkle Energie zu untersuchen, die das Universum auseinandertreibt. Und es hat die Öffentlichkeit mit ungezählten spektakulären Fotos begeistert. „Hubbles“ Erfolg ist auch die Geschichte einer gelungenen Öffentlichkeitsarbeit.

          „Tatsächlich sind diese Bilder oft für die Wissenschaftler ähnlich bedeutend wie für die Gesellschaft“, betont ESA-Koordinator Fosbury. So erleichtere diese Art der Darstellung Forschern den Überblick. Die schillernden Farbbilder sind eine rechnerische Kombination mehrerer Einzelaufnahmen in verschiedenen Wellenlängenbereichen. Zusammenhänge, die sich in den Einzelaufnahmen nicht einfach erkennen ließen, würden oft in der Kombination schlagartig klar, schildert der Astronom. „Die Farbbilder enthalten eine Menge Physik, denn die Farben zeigen die Eigenschaften der Gase, Sterne und so weiter.“

          Das Weltraumteleskop hat das Universum aber nicht nur bunter gemacht, sondern auch größer. „Als „Hubble“ gestartet wurde, lagen die fernsten Objekte, die wir sehen konnten, auf vielleicht halbem Weg zum Ursprung des Universums“, schildert Fosbury.

          In scheinbar leeren Himmelsregionen hat das Weltraumteleskop dann tausende Galaxien in Milliarden Lichtjahren Entfernung aufgespürt. Es blickt damit zwar nicht ganz bis zum Anfang des Universums zurück, „aber ziemlich weit in die ersten Milliarden Jahre. Das hat die Kosmologie wirklich revolutioniert“, betont Fosbury. Und es war auch ein großer Antrieb für das Weltraumteleskop der nächsten Generation, das „James-Webb-Space-Telescope“, das 2014 starten soll.

          „Hubbles“ Geschichte reicht Jahrzehnte zurück. Bereits 1923 spekulierte der Raketenpionier Hermann Oberth (1894 - 1989) über ein Teleskop im Erdorbit. 1977 genehmigte der US-Kongress das Budget für ein großes Weltraumteleskop. Schon damals bekam es den Namen des US- Astronomen Edwin Hubble (1889 - 1953), der in den 1920er Jahren die Ausdehnung des Weltalls bewies und damit das Fundament für die Urknalltheorie legte. Space Shuttle „Discovery“ brachte „Hubble“ dann am 24. April 1990 ins All und stationierte es tags darauf im Orbit.

          Zwei Monate nach dem Start folgte der Schock: „Hubbles“ 2,4 Meter großer Hauptspiegel, zuvor gepriesen als „glattester Spiegel der Welt“, war leicht falsch geschliffen. Das Superteleskop hatte einen Sehfehler. Nach drei Jahren, bei der ersten Service-Mission, bekam das Milliarden-Dollar-Instrument dann eine Brille, die Korrekturoptik COSTAR. Noch viermal sind Astronauten zu dem Teleskop geflogen und haben jeweils ein nahezu runderneuertes Instrument zurückgelassen.

          Die letzte Service-Mission fand im Mai 2009 statt, weitere wird es nicht geben: Die Shuttle-Flotte wird in diesem Jahr ausgemustert. Wie lange der Veteran „Hubble“ nun noch durchhält, ist offen. Der Andrang der Forscher bleibt gewaltig. „Für die nächste Beobachtungsperiode haben Wissenschaftler zehnmal mehr Nutzungszeit beantragt als zur Verfügung steht“, berichtet Fosbury. „Das ist ein Rekord.“

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