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Himmelsschauspiel : Im Takt der schwarzen Venus

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Doch der Astronom blieb, schließlich sollte sich acht Jahre später eine weitere Gelegenheit ergeben. Tatsächlich wehte 1769 über Pondichéry wieder die Flagge Frankreichs, und Le Gentil blieb genügend Zeit, sein Observatorium aufzubauen. Am Tag des großen Ereignisses aber zeigte sich der Himmel über Pondichéry zum ersten Mal seit Monaten von Wolken verhangen - die nächste Chance würde sich erst wieder in 120 Jahren bieten. Von seinem unglaublichen Pech fast gebrochen, brauchte der zweifach Gescheiterte Wochen, ehe er sein Tagebuch weiterführen konnte, und noch länger, um die Heimreise nach Frankreich antreten zu können. Dort angekommen, musste Le Gentil feststellen, dass ihn seine Erben für tot erklärt hatten - um sein Vermögen unter sich zu verteilen.

Noch schlimmer traf es Le Gentils Landsmann Jean-Baptiste Chappe d’Auteroche. Der schaffte es zwar, beide Transits erfolgreich zu beobachten: 1761 von Tobolsk in Sibirien, 1769 von einer Jesuitenmission in Mexiko. Doch der Preis war hoch: Zwei Drittel seiner Expeditionsmitglieder erlagen einer Typhusepidemie. Selbst bereits schwer erkrankt, führte Chappe noch letzte Messungen durch, eher auch er der Krankheit erlag. Auf Seiten der Engländer ist vor allem James Cook in Erinnerung, der auf seiner ersten Weltumseglung den Transit von 1769 auf Tahiti beobachten konnte. Von seinem Observatorium „Point Venus“ an der Nordküste der Insel (noch heute trägt der Ort diesen Namen) brach Cook schließlich zur Erkundung des australischen Kontinents auf. Insgesamt kamen genügend Messungen zur Bestimmung der Astronomischen Einheit zusammen, doch allen Bemühungen zum Trotz blieb das Ergebnis weit hinter den Erwartungen zurück.

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Denn zur Überraschung aller Beobachter waren weder der Beginn noch das Ende des Transits mit der erforderlichen Genauigkeit bestimmbar. Schuld war ein optischer Effekt, mit dem niemand gerechnet hatte: Immer dann, wenn sich die Venus dem inneren Sonnenrand näherte, bildete sich eine Art Verdunklung, so, als würde die Venus wie ein dunkler Tropfen verformt. Die an ein und demselben Ort von verschiedenen Beobachtern gemessenen Zeiten schwankten deshalb um mehrere Sekunden - und die daraus ermittelte Astronomische Einheit um mehrere Millionen Kilometer. Erst seit wenigen Jahren weiß man, dass der „schwarze Tropfen“ durch ein Zusammenspiel von Atmosphärenturbulenz, der natürlichen Randverdunklung der Sonne und optischen Eigenschaften der Teleskope zustande kommt. Die dichte Venusatmosphäre, zunächst unter Verdacht, ist jedenfalls nicht die Ursache. Sie verrät sich stattdessen als zarter Lichtring um die dunkle Venus, wenn der Planet noch nicht vollständig vor der Sonnenscheibe steht.

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