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Himmelsschauspiel : Im Takt der schwarzen Venus

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Dass Horrocks’ und Crabtrees Club Zuwachs bekommen würde, war schon bald klar. Die nächsten Venustransits in den Jahren 1761 und 1769 waren Auslöser einer bis dahin nicht dagewesenen internationalen Zusammenarbeit. Als den „nobelsten Anblick, den die Astronomie bereithält“, bezeichnete der berühmte Astronom Edmond Halley die Konstellation bereits 1716, doch er hatte keineswegs deren reine Ästhetik im Sinn. Halley hatte erkannt, dass man die Venustransits zur Bestimmung der Entfernung der Erde zur Sonne nutzen konnte. Damit würde das heliozentrische Weltbild, zu Horrocks’ Zeiten noch höchst umstritten, von einem unerfreulichen Makel befreit: Keplers Planetengesetze verrieten nur die relativen Abstände der Himmelskörper zueinander, nicht aber die absoluten. So wusste man, dass etwa der Abstand zur Sonne viermal so groß war wie die Distanz zur Venus.

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Doch wie weit war diese Strecke, gemessen in Erdradien, gemessen in Kilometern? Es fehlte ein „Urmeter“, also ein genau bestimmtes Längenmaß im Weltraum. Die Bestimmung dieses Urmeters - der „Astronomischen Einheit“, definiert als mittlerer Abstand Erde-Sonne - war für die Astronomen des 18. Jahrhunderts das, was die Messung der Hubble-Konstante heute ist. Kennt man die Astronomische Einheit, dann kann man auch alle anderen Distanzen zwischen den Planeten, ja sogar die zu den Fixsternen berechnen. Weil die Venus der Erde viel näher ist als die Sonne, passiert sie von verschiedenen Orten betrachtet die Sonnenscheibe auf unterschiedlichen Pfaden. Halleys Vorschlag, durch die präzise Messung der Dauer eines Venustransits diese Abweichung, und daraus die Astronomische Einheit zu bestimmen, konnte jedoch nur gelingen, wenn sich Beobachter weit voneinander entfernt auf Nord- und Südhalbkugel des Globus verteilten. Keine leichte Aufgabe zu einer Zeit, in der Seereisen noch Monate und Jahre dauerten, enorme Risiken für Mensch und Material bargen und nicht zuletzt hohe Kosten verursachten. Darüber hinaus waren weite Teile der Welt noch unentdeckt. Zu allem Überfluss wurden durch den siebenjährigen Krieg, in den praktisch alle europäischen Mächte verwickelt waren, Kooperationspartner über Nacht zu Kriegsgegnern. Dennoch machten sich rund 250 Beobachter auf, um die Transits des 18. Jahrhunderts an mehr als hundert verschiedenen Orten der Welt zu beobachten. Ihre Ziele waren die Arktis, Sibirien, Indien, Mexiko oder die Südsee, ihre Erlebnisse nicht selten aufsehen erregend, ihre Schicksale manchmal tragisch.

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Der Franzose Guillaume Le Gentil war als Erster unterwegs. Sein Ziel: die damalige französische Kolonie Pondichéry auf dem indischen Subkontinent. Angriffe englischer Kriegsschiffe, Stürme und Krankheiten konnten ihn nicht aufhalten - das schaffte nur die Politik. Bei seiner Ankunft hatte Pondichéry den Besitzer gewechselt, und die neuen Herren aus England gestatteten dem Franzosen keinen Landgang. Auf schwankenden Schiffsplanken gelang Le Gentil keine brauchbare Messung.

Schwarzer Tropfen verdirbt den Erfolg

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