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Planetoid 2018 AG37 : Ganz weit draußen

  • -Aktualisiert am

Diese Illustration zeigt, wie AG37 vermutlich aussehen könnte. Bild: NOIRLab/NSF/AURA/J. da Silva

Astronomen haben die Entfernung des Planetoiden 2018 AG37 bestimmt. Mit 19,8 Milliarden Kilometern Distanz zur Sonne ist er der äußerste bislang bekannte Himmelskörper unseres Sonnensystems.

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          Astronomen haben das bislang entfernteste bekannte Objekt des Sonnensystems entdeckt. Nach zwei Jahren intensiver Beobachtung konnten Scott Sheppard von der amerikanischen Carnegie Institution for Science und seine Kollegen zweifelsfrei bestätigen, dass der 2018 entdeckte Himmelskörper 2018 AG37 mit einer Distanz von 19,8 Milliarden Kilometern weiter von der Sonne entfernt ist als der ebenfalls 2018 vom gleichen Team aufgespürte Planetoid 2018 VG18, der bis vor kurzem diesen Titel hielt. Die Entfernung von 2018 AG37 entspricht dem 132-Fachen des Abstands der Erde von der Sonne, also 132 Astronomischen Einheiten. Der Zwergplanet Pluto ist mit einer mittleren Distanz von 39 Astronomischen Einheiten mehr als dreimal näher.

          Für einen Sonnenumlauf benötigt 2018 AG37 Schätzungen zufolge rund 1000 Jahre. An der Himmelssphäre bewegt sich der Planetoid daher so langsam, dass die Forscher nach seiner Entdeckung im Januar 2018 keine exakte Entfernungsangabe machen konnten. Erst nachdem sie ihn über mehr als zwei Jahre mit Großteleskopen auf Hawaii und in Chile verfolgt hatten, konnten sie eine grobe Umlaufbahn und damit auch seine Distanz berechnen: Die Bahn von 2018 AG37 verläuft demnach extrem langgestreckt und führt das ungefähr 400 Kilometer große Objekt zwischen 175 und 27 Astronomische Einheiten an die Sonne heran.

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          Damit kreuzt 2018 AG37 im sonnennächsten Abschnitt seiner Bahn den Orbit des Planeten Neptun. Sheppard und seinem Team zufolge ist Neptun auch für die gegenwärtige Bahn des Objekts verantwortlich: Mit seiner Gravitationskraft hat Neptun den kleinen Gesteinsbrocken sehr wahrscheinlich aus dem inneren Sonnensystem geschleudert. Wenn sich beide Himmelskörper in ferner Zukunft wieder nahe kommen, dürfte Neptuns Schwerkraft die Bahn des Planetoiden abermals verändern. Viel ist von dem Objekt, das auf den Aufnahmen selbst der größten Teleskope der Welt nur als schwacher Lichtpunkt erscheint, darüber hinaus nicht bekannt: Sollte es ursprünglich aus den kalten und vom Sonnenlicht kaum erreichten Regionen des äußeren Sonnensystems stammen, würde es aus Eis und Gestein bestehen, das seit der Entstehung des Planetensystems nahezu unverändert geblieben ist.

          „Farfarout“ (2018 AG37) wurde am 15. Januar 2018 mit dem Subaru- Teleskop entdeckt. Die Position des schwach leuchtenden Himmelskörper ist mit zwei blauen Balken markiert.
          „Farfarout“ (2018 AG37) wurde am 15. Januar 2018 mit dem Subaru- Teleskop entdeckt. Die Position des schwach leuchtenden Himmelskörper ist mit zwei blauen Balken markiert. : Bild: S. Sheppard

          Nur die Spitze des Eisbergs?

          Gefunden haben Sheppard und seine Mitarbeiter das Objekt, wie auch 2018 VG18, bei ihrer systematischen Suche nach „Planet X“: Unter dieser Chiffre führen Astronomen einen hypothetischen und womöglich mehr als erdgroßen Planeten im äußeren Sonnensystem. Einer populären Theorie zufolge sollte ein solcher Planet für die seltsam gruppierten Bahnen einiger sehr ferner Asteroiden und Zwergplaneten jenseits der Jupiterbahn verantwortlich sein. Die Entdeckung demonstriere, dass dank neuer leistungsfähiger Kameras große Teleskope nun in der Lage seien, auch die äußersten Bereiche des Sonnensystems zu erforschen, so Sheppard. Es dürften also weitere Entdeckungen folgen: „Auch wenn einige der dort gefundenen Objekte die Größe von Zwergplaneten haben, erscheinen sie wegen ihrer extremen Sonnenentfernungen sehr lichtschwach. Der Fund ist wohl nur die Spitze des Eisbergs.“

          Einen offiziellen Namen hat 2018 AG37 noch nicht. Die Forscher nennen ihn bis auf weiteres „Farfarout“, da sie dem bisherigen Rekordhalter, 2018 VG18, zuvor bereits den Namen „Farout“ gegeben hatten, was übersetzt so viel wie „weit draußen“ bedeutet. Trifft Sheppards Optimismus zu, dann wird auch dieser neue Rekord bald fallen – die Forscher sollten ihre Namensgebungskonvention also vielleicht noch einmal überdenken.

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