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Glosse : Der Niedergang

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Die ersten sechs von achtzehn Spiegelsegmenten des James-Webb-Teleskops wurden kürzlich aufgebaut und getestet. Bild: Nasa

Was soll bloß aus der Nasa werden? Die amerikanischen Weltraumeroberer verlieren das Shuttle und bald auch ihr Weltraumteleskop Hubble. Und im Zuge der Budgetkürzungen droht auch der Nachfolgespäher im All, das James-Webb-Teleskop, zu scheitern. Was bleibt? Wassersammeln auf dem Mars?

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          Der letzte Start einer Raumfähre - so hat sich Präsident Obama am vergangenen Freitag geäußert, als am Cape Canaveral unter dem Applaus Hunderttausender von Schaulustigen die Atlantis abhob - beende für die bemannte Raumfahrt eine Ära, aber er eröffne auch eine neue. Das klingt ganz nach seinem unerschütterlichen "Yes, we can!".

          Ganz und gar nicht so positiv hören sich die kurz vor dem Start der Atlantis verkündeten Empfehlungen des zuständigen Unterkomitees des amerikanischen Kongresses für das Budget 2012 der Raumfahrtbehörde Nasa an. Unter Fachleuten haben sie sofort eine heftige Diskussion in Gang gesetzt; denn sie sehen vor, dass das Budget der Nasa für das Haushaltsjahr 2012 nur 16,8 Milliarden Dollar betragen soll - 1,9 Milliarden Dollar weniger als von Obama gefordert. Das alleine wäre noch nicht tragisch in einer Zeit, in der in Amerika alle sparen müssen. Es sind vielmehr die Details. Nicht gekürzt, sondern aufgestockt werden soll das Budget für die Entwicklung der großen Rakete, die riesige Nutzlasten in den Weltraum transportieren und nach den Vorstellungen von Expräsident Bush, jun., Menschen zum Mond befördern sollte. Derzeit vermag niemand zu sagen, wann und zu welchem Zweck die fragwürdige Rakete überhaupt gebraucht wird. Damit sie sich finanzieren lässt, soll die Nasa Wissenschaft streichen. Allen voran ihr Flaggschiff, den Nachfolger des Hubble-Weltraumteleskops - nämlich das James-Webb-Teleskop, dessen Spiegel gerade alle fertig geschliffen sind. Damit wollen die Astronomen ihre Beobachtungen bis in die Zeit kurz nach dem Urknall ausdehnen, als sich das Schicksal des Universums entschied.

          Missmanagement bei dem Projekt und heftige Kostenüberschreitungen, die schon seit langem alarmieren, dürften der Anlass sein. Ein personeller Umbau wäre die geeignetere Antwort. Die Empfehlung hat jetzt unter anderem die "American Astronomical Society" und die "Association of Universities for Research in Astronomy" zu Protesten veranlasst. Amerikas Raumfahrt hatte in den vergangenen Jahren zwei Aushängeschilder - die wiederverwendbaren Raumfähren und das Hubble-Weltraumteleskop. Wenn die Pläne des "Subkomitees" verwirklicht werden, wird dann bald das Aufregendste für die Nasa das immer wieder in den Blickpunkt gerückte Wasser auf dem Mars sein?

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