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Gesteinsproben von Apollo-17 : Zeugen des kosmischen Bombardements

Die Astronauten der Apollo-17-Mission auf ihrer 3. Exkursion: Das Panoramabild schoss Gene Cernan Astronauten. Sein Kollege Harrison Schmitt arbeitet am Mondauto. Bild: Nasa, Warren Harrold

Das Mondgestein von der letzten Apollo-Mission (Apollo 17, Dezember 1972) ist abermals untersucht worden. Zwei Proben liefern nun detailliertere Informationen über die Frühgeschichte des Trabanten, die von heftigen Asteroideneinschlägen geprägt war.

          Mehr als vierzig Jahre ist es mittlerweile her, dass Apollo-Astronauten das letzte Mondgestein mit zur Erde brachten. Rund 110 Kilogramm an Material sammelten Eugene Cernan und Harrison Schmitt von Apollo 17 (Dezember 1972) bei ihren drei Ausflügen auf. Zwar sind alle Proben bereits auf der Erde eingehend untersucht worden, die Analyse ist aber noch längst nicht abgeschlossen, wie amerikanischer Wissenschaftler in der Zeitschrift „Science advances“  berichten. So haben Kip Hodges von der Washington University in St. Louis und seine Kollegen nun die frühen Meteoriteneinschläge auf dem Mond präziser datieren können.

          Die Probe 73217, geborgen währen des zweiten Modausfluges,  zeigt den für Impakt-Brekzien typischen Aufbaun aus fragmentiertem Gestein, würfelförmigen Kristallen und verschiedenen Mineralien. Das Material wurde bei einem Meteroiteneinschlag kurzzeitig erhitzt und aufgeschmolzen. Danach ist es wieder sofort erstarrt.
          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Forscher haben zwei Gesteinsproben untersucht, die Cernan und Schmitt bei zwei Mondausflügen am Rand von zwei verschiedenen Kratern aufgesammelt hatten, die offenkundig im Zuge von Meteoriteneinschlägen entstanden waren. Dabei handelt es sich jeweils um sogenannte Impakt-Brekzie, also um Material, das aus eckigen Kristallen, Glas- und Gesteinsfragmenten besteht. Es ist bei einem Meteoriteneinschlag entstanden, als das Gestein plötzlich erhitzt, aufgeschmolzen und rasch erstarrt ist.

          Die Astronauten der Apollo-17-Mission auf ihrer 2. Exkursion: Das Panoramabild schoss Harrison Schmitt. Im Vordergrund ist eine Schaufel und eine Tüte für die aufgesammelten Gesteinsproben zu sehen.

          Die Forscher um Hodges wollten möglichst genau wissen, wann sich das Material im Zuge der Einschläge gebildet hat. Dazu nutzen sie ein verfeinertes Verfahren der Geochronologie, das die Verhältnisse der Edelgasisotope Argon-39 und Argon-40 ermittelt. Das Ergebnis: Die Gesteinsprobe mit der Nummer 77115, die beim dritten Mondspaziergang im Taurus-Littrow-Tal aufgesammelt wurde, ist vor 3,83 Milliarden Jahren bei einem einzigen Meteoriteneinschlag entstanden. In der Gesteinsprobe Nummer 73217 - sie wurde während der zweiten Exkursion aufgelesen - haben Hodges und seine Kollegen Hinweise auf gleich drei Einschlagsereignisse gefunden, die sich vor 3,81 bis 3,27 Milliarden Jahren ereigneten und sich somit über mehrere Millionen Jahre erstreckten.

          Die Ergebnisse geben Planetenforschern und Geologen einen besseren Einblick in die Frühgeschichte der Erde, als diese wie der Mond mit zahlreichen Asteroiden kollidierte. Doch anders als auf unserem Trabanten sind die meisten Spuren der Einschläge hier auf der Erde im Laufe der Zeit durch Erosion und Plattentektonik verschwunden.

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