https://www.faz.net/-gwz-ur2f

Geburtenrate im All : Planeten im Kosmos wie Sand am Meer

  • -Aktualisiert am

Mit dem Spitzer-Weltraumteleskop wurden die Doppelsternsysteme beobachtet Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Astronomen müssen jetzt wohl endgültig von einer Idee Abschied nehmen, an der sie bislang keinen Zweifel hegten. In Doppelsternsystemen werden junge Planeten offenkundig deutlich seltener geboren als in der Umgebung von Einzelsternen.

          3 Min.

          Als Michel Mayor von der Universität Genf im Jahr 1995 den ersten Exoplaneten als Begleiter des Sterns 51 Pegasi entdeckte, schien sich eine seit langem gehegte Vermutung der Astronomen zu bestätigen. Danach stellt unser Sonnensystem im Universum nichts Besonderes dar.

          Je mehr ferne Planeten die Wissenschaftler aber aufspürten, desto weniger stimmten die Systeme mit den Vorstellungen überein, die man sich von ihnen gemacht hatte. Jetzt müssen die Astronomen wohl auch endgültig von einer Idee Abschied nehmen, an der es für sie zunächst überhaupt keine Zweifel gegeben hatte - dass Doppelsternsysteme den Einzelsternen als Krippen für Planeten unterlegen sind.

          Der größte Trabant der Sonne

          Schon verhältnismäßig früh, als die Astronomen erst wenige Dutzend - von den mittlerweile mehr als 200 bekannten - Exoplaneten aufgespürt hatten, fielen Unterschiede zwischen den fernen Planetensystemen und unserem Sonnensystem auf. Darunter war ein Befund, der die Fachleute weniger überraschte.

          Die meisten Exoplaneten, die man - indirekt - beobachtete, waren mindestens so groß wie der praktisch nur aus Gas bestehende Jupiter, der größte Trabant der Sonne. Kleine, wie die Erde aus Gestein bestehende Planeten beeinflussen die Bahnen der von ihnen umkreisten Sterne so wenig, dass man die Effekte bislang nicht messen kann.

          Planetenbahnen verblüffen Astronomen

          Die jupitergroßen Planeten zeichnen sich allerdings durch zwei Merkmale aus, mit denen man nicht gerechnet hatte. Zum einen bewegen sie sich alle auf langgestreckten, stark elliptischen Bahnen. Im Sonnensystem dagegen sind die Bahnen der Planeten nahezu kreisförmig. Sieht man vom Pluto als Sonderfall ab, ist die Bahn des Mars am meisten "verformt". Die Abweichung vom Kreis ist jedoch auch bei diesem Planeten so gering, dass sie erst von Isaac Newton erkannt wurde. Bis dahin konnte die Bewegung der Planeten nicht hinreichend genau beschrieben werden.

          Das andere Merkmal der jupitergroßen Exoplaneten, das die Forscher verblüfft hat, ist die Nähe dieser Himmelskörper zu ihren Zentralgestirnen. Ein beträchtlicher Prozentsatz der Objekte bewegt sich auf Bahnen, die bequem in die Bahn der Erde um die Sonne hineinpassen. Die Bahnen vieler mindestens jupitergroßer Exoplaneten haben sogar nur Durchmesser von einem Zehntel des Erdbahndurchmessers. Sie umrunden ihr Zentralgestirn in jeweils drei bis fünf Tagen. Den Modellen der Astronomen zufolge können sich die Kondensate, aus denen die Eiskerne der großen Gasplaneten entstanden, aber erst in fünffachem Abstand der Erde von der Sonne gebildet haben.

          Sicherer Abstand zum Zentralgestirn

          Die meisten Astronomen sind mittlerweile der Meinung, dass sich auch die großen Planeten in fernen Sternsystemen in großer Distanz zu den Zentralkörpern gebildet haben. Durch Reibungswiderstand wurden sie dann näher an diese herangeführt - wobei offenbleibt, warum sie nicht in sie hineinstürzten. Im Übrigen muss die Entstehung der Planeten rasch erfolgt sein. Denn die Scheiben aus Gas und Staub, die sonnenähnliche Sterne kurz nach deren Geburt umgeben und aus denen sich die Planeten formten, verlieren Beobachtungen zufolge im Mittel jährlich ungefähr zehnmal so viel Masse wie jene des Jupiters, so dass für die Entstehung der Planeten nur ungefähr zehn Millionen Jahre Zeit bleiben.

          Weitere Themen

          Wie künftig die Grundsteuer berechnet wird Video-Seite öffnen

          Erklärvideo : Wie künftig die Grundsteuer berechnet wird

          Mit einer Grundgesetzänderung hat der Bundestag den Weg für eine Reform der Grundsteuer frei gemacht. Die Berechnung soll sich künftig am Wert der Immobilie orientieren. Auf Initiative Bayerns können die Bundesländer aber auch andere Regeln erlassen.

          Topmeldungen

          „Märsche für die Freiheit“ : Barcelona im Ausnahmezustand

          Die Proteste gegen das Urteil im Separatistenprozess legen die Stadt und weite Teile Kataloniens lahm. Die „Sagrada familia“ wurde geschlossen, dutzende Flüge abgesagt – und eines der wichtigsten Fußballspiele Spaniens verschoben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.