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Ganymed und Enceladus : Zwei feuchte Paradiese im Sonnensystem

Die Eisfontänen des Saturnmonds Enceladus Bild: Nasa

Gewaltige Ozeane vermutet man im Inneren der Monde von Jupiter und Saturn. Der Saturntrabant zeigt sogar hydrothermale Aktivität. Ideale Bedingungen also für außerirdisches Leben?

          5 Min.

          Unter der eisigen Oberfläche des Jupitermondes Ganymed schlummert offenkundig ein gewaltiger Ozean. Das zeigen zumindest die Messungen einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe. Dieses Reservoir enthalte mehr flüssiges Salzwasser als alle irdischen Meere zusammengenommen, teilte die amerikanische Weltraumagentur Nasa in einer eiligst einberufenen Pressekonferenz mit. Schließlich war an den Messungen das Weltraumteleskop Hubble beteiligt, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiert. „Ein tiefer Ozean unter der Eiskruste von Ganymed eröffnet die Aussicht auf Leben außerhalb der Erde“, schwärmte John Grunsfeld, stellvertretender Direktor für die wissenschaftlichen Nasa-Missionen. Flüssiges Wasser gilt als eine wichtige Voraussetzung für Leben – ist allerdings nicht die einzige Bedingung, was aber oft verschwiegen wird.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Wissenschaftlergruppe, unter ihnen Forscher der Universität Köln und des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen, haben das Innere des Jupitermondes enthüllt, indem sie mit „Hubble“ die Polarlichter des Mondes beobachteten.

          Die verräterischen Polarlichter von Ganymed

          Ganymed ist mit einem Durchmesser von 5262 Kilometern der größte Mond in unserem Sonnensystem und besitzt obendrein ein eigenes Magnetfeld. Dieses Feld verursacht Polarlichter – ein auf der Erde bekanntes Phänomen. Polarlichter entstehen, wenn von der Sonne stammende elektrisch geladene Teilchen vom Magnetfeld eingefangen werden und dann mit Atomen und Molekülen der Atmosphäre kollidieren, die daraufhin zu leuchten beginnen. Da Ganymed auf seiner Bahn dem starken Magnetfeld des Jupiters ausgesetzt ist, kommt es zur Überlagerung mit dem internen Magnetfeld, was sich in einem charakteristischen periodischen Flackern der Polarlichter zeigt. Da man mit Hubble nicht das auf Ganymed herrschende Magnetfeld messen kann, schlugen Joachim Saur aus Köln und seine Kollegen den indirekten Weg ein. Sie schlossen aus dem Verhalten der Polarlichter auf die Schwankung des Magnetfeldes.

          Jedes sich verändernde Magnetfeld induziert einen elektrischen Strom, der wiederum ein Magnetfeld hervorruft. Sollte ein Ozean unter der Eiskruste existieren, so die Annahme der Wissenschaftler, würden dort Ströme induziert. Und diese wären um so stärker, je mächtiger das Reservoir an Salzwasser unter der Eiskruste ist. Die von den Strömen hervorgerufenen Magnetfelder würden dem Magnetfeld des Jupiters entgegen wirken und das Flackern dämpfen, so die These.

          Über diese komplizierten Rückkopplungskette haben die Forscher um Saur die Größe des Ozeans unter Ganymeds Eiskruste ermittelt. Das Ergebnis: Das Salzwasserreservoir befindet sich unter einer 150 Kilometer dicken Eisschicht und weist eine Mächtigkeit von 100 Kilometern auf, schreiben sie im „Journal of Geophysical Research“.

          Geothermische Aktivität auf Eceladus

          Wissenschaftler vermuteten erstmals 1970, dass im Inneren von Ganymeds möglicherweise ein Ozean existiert. Ein weiteres Indiz lieferte vor 13 Jahren die amerikanische Raumsonde Galileio, als sie am Jupiter vorbeiflog und den Verlauf und die Stärke des Magnetfelds von Ganymed vermaß – allerdings nur für die Dauer von 20 Minuten. Zu kurz, um genauere Informationen über das Magnetfeld und dessen Schwankungen zu gewinnen. Die Forscher um Saur haben Ganymeds Polarlichter und damit das Magnetfeld nun sieben Stunden lang ins Visier nehmen können und die Existenz des Ozeans untermauern können. Der Jupitermond ist schon seit längerem ein heißer Kandidat, für eine lebensfreundliche Welt. Ähnliches gilt auch für den Saturnmond Enceladus. Denn auch dort vermutet man seit längerem einen Ozean unter der vereisten Oberfläche.

          Jupiter und Ganymed (rechts)

          Eine internationale Astronomengruppe will auf Enceladus nun Hinweise für hydrothermale Aktivitäten gefunden haben. Tief im Inneren des Mondes existierten heiße Quellen, die aus dem Boden des unterirdischen Meeres sprudelten, schreiben die Forscher um Hsiang-Wen Hsu von der University of Colorado in Boulder in der Zeitschrift „Nature“. Sie schließen das aus der Analyse von Siliziumdioxidpartikeln, die man mit der amerikanischen Raumsonde Cassini in einem Rings des Planeten Saturn aufgespürt hat.

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