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Marsforschung : Junge Wasserwelt

Blick auf die „Kimberly“-Formation, aufgenommen 2015 vom Marsrover „Curiosity“ am Fuß des „Mount Sharp“. Die Gesteinsschichten im Vordergrund könnten in Folge der Ablagerung von Sand und Geröll entstanden sein. Bild: Nasa, JPL-Caltech

Gewaltige Flüsse sollen auf dem Mars noch vor einer Milliarde Jahre geströmt sein. Doch woher das ganze Wasser kam, ist ein Rätsel. Regen fiel schon längst keiner mehr. Eine Glosse

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          Der Mars war einst keineswegs immer ein so knochentrockener lebensfeindlicher Planet, wie er sich uns heute darstellt. Es gab Flüsse, Seen und sogar einen Ozean, der einen großen Teil der Oberfläche bedeckte – und womöglich sogar Leben, das sich in den Gewässern tummelte. Wurden Anhänger dieser These noch vor nicht allzu langer Zeit nur milde belächelt, zweifelt heute kaum noch ein Forscher ernsthaft daran, dass der Mars in seiner frühen Phase tatsächlich eine Wasserwelt war.

          Zu überzeugend sind die Indizien, die Raumsonden aus der Umlaufbahn oder Roboter auf der Oberfläche des Roten Planeten mittlerweile gesammelt haben. Verzweigte Strukturen, die an ehemalige Flussläufe erinnern, Sedimentablagerungen und Kieselsteine, wie man sie auf der Erde zuhauf in fließenden Gewässern findet, lassen der Phantasie freien Lauf.

          Einige der Flüsse könnten sogar breiter gewesen sein, als die größten Ströme auf der Erde und entsprechend gewaltige Wassermassen mitgeführt haben, glauben Wissenschaftler von der University of Chicago. Reichlich Belege dafür wollen Edwin Kite und seine Kollegen bei der Auswertung von Luftaufnahmen gut zweihundert ausgetrockneter Flusstäler gefunden haben, die Marssonden aus ihrer Umlaufbahn geschossen haben. Und sie haben noch eine weitere Überraschung auf Lager: Die feuchte Epoche des Mars habe gar nicht so lange zurückgelegen. Noch vor einer Milliarde Jahre seien beachtliche Wassermengen geflossen, behaupten die Forscher um Kite in der Zeitschrift „Science Advances“.

          Satellitenaufnahme des Flussbettes eines einstigen Stromes. 
Farbkodierung des Höhenprofils: gelb = hoch, blau = tief

          Paradiesische Zustände also auch auf unserem Nachbarplaneten, als sich auf der Erde bereits komplexes Leben in den Meeren tummelte. Verwunderlich nur: Laut gängiger Szenarien hatte sich unser Nachtbarplanet vor zwei Milliarden Jahren längst in einen unwirtlichen Wüstenplaneten verwandelt. Regen, der die vielen Flüsse hätte speisen können, fiel demnach schon lange keiner mehr. Die Marsatmosphäre war bereits viel zu dünn für Wolken geworden. Auch waren die Temperaturen auf dem Mars damals schon viel zu frostig für flüssiges Wasser.

          Für Kite und seine Kollegen sind diese auf Modellen beruhenden Befunde kein Grund zur Sorge. Sie vertrauen mehr ihren eigenen Analysen und bemühen Klimakapriolen als Erklärung ihrer Ergebnisse: So könnte ein Auslöser für Regengüsse das Abschmelzen der polaren Eiskappen gewesen sein. Das dabei freigesetzte Kohlendioxid und Wasserdampf hätten zu einem Treibhauseffekt und zur Erwärmung der Marsatmosphäre geführt.

          Die Forscher um Kite haben den Handschuh in den Ring geworfen. Nun seien die Klimamodellierer gefordert, zu erklären, woher das ganze Wasser gekommen sei. So einfach kann Forschung manchmal sein. Der Mars war schon immer eine dankbare Spielwiese, auch für die verrücktesten Thesen.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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