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Fliegende Sternwarte : Stippvisite in der Heimat

Ein zusammengesetztes Infrarotbild (rechts) vom Jupiter aus Aufnahmen, aufgezeichnet mit der FORCAST-Kamera. Links dieselbe Jupiterseite im optischen Bereich. Der weiße Streifen zeigt einen Blick durch eine transparente Wolke in den wärmeren Bereich. Bild: Anthony Wesley

Das Flugzeug-Observatorium „Sofia“ hatte einen schwierigen Start. Oft verzögert, fliegt das Prestigeprojekt nun einer spannenden Zukunft entgegen.

          Am vergangenen Samstag war es so weit: Auf seinem Weg von Palmdale in Kalifornien zum Flughafen Köln-Bonn drehte das amerikanisch-deutsche Flugzeug-Observatorium "Sofia" (Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy) nach Abschluss der jüngsten astronomischen Beobachtungen über Norwegen ab Richtung Süden, um kurz vor Sonnenaufgang bei bestem Wetter das erste Mal in seiner Zweitheimat Deutschland zu landen. Der Besuch der umgebauten Boeing 747 SP, die im hinteren Teil ihres Rumpfes ein Teleskop mit einem Sammelspiegel von 2,7 Metern Durchmesser beherbergt, war der Höhepunkt beim Tag der Luft- und Raumfahrt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und darüber hinaus ein außerordentliches Ereignis für all diejenigen, die Sofias wechselvolle Entwicklung begleitet und beobachtet haben.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Vorstellung, dass Sofia als Observatorium tatsächlich schon in der ersten Phase seines regulären Beobachtungsbetriebs nach Deutschland kommen würde, schien in der langen Phase von Sofias Realisierung einige Male bereits in weite Ferne gerückt. Bereits in den späten achtziger Jahren als moderner Nachfolger des noch bis 1995 aktiven Kuiper Airborne Observatory geplant, eines Lockheed C-141 Starlifters mit einem 90-Zentimeter-Teleskop an Bord, waren die ersten wissenschaftlichen Flüge Sofias ursprünglich für das Jahr 2001 vorgesehen. Doch das Projekt, das zu achtzig Prozent von der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa und zu zwanzig Prozent vom DLR betrieben wird, stellte sich als erheblich komplexer heraus als ursprünglich erwartet. "Alles war sehr viel schwieriger als am Anfang angenommen. Niemand hat vorausgesehen, welch eine Herausforderung es tatsächlich sein würde, ein massives Teleskop zusammen mit einer großen Öffnung im hinteren Teil eines Flugzeuges zu installieren, so dass es in der Lage ist zu fliegen", sagte Helen J. Hall, stellvertretende Direktorin des Nasa Programm-Managements, während der Stippvisite in Köln.

          „Das war ein Schockmoment“

          Dies, zusammen mit Problemen im Zuge der Privatisierung des Projekts durch die Nasa, führte dazu, dass der geplante Start immer wieder verschoben werden musste und sich damit entsprechend die Kosten immer weiter vervielfachten. Im Jahr 2006 kam es dann zum großen Schock, als der amerikanische Präsident massive Kürzungen im Wissenschaftsbudget einforderte. "Die Verzögerungen, die damals auf dem Tisch lagen, waren Grund genug, dass die Nasa gesagt hat: So geht es nicht weiter, wir können das Projekt so nicht abschließen", erinnert sich Alfred Krabbe, Leiter des Deutschen Sofia-Instituts in Stuttgart. "Das war in der Tat ein Schockmoment." Ein "Cancellation Review" wurde angekündigt. Das Projekt stand zur Disposition und sollte begutachtet werden. Die Frage lautete: aufhören oder nicht? Krabbe: "In dieser Phase haben sich das DLR und die deutsche Politik dafür stark gemacht, dass es weitergeht." Mit Erfolg: Die Tatsache, dass es sich bei Sofia um ein binationales Projekt handelt, sowie die massive Betonung von Seiten der Wissenschaftler, wie notwendig ein solches Observatorium für die Astronomie ist, trugen schließlich dazu bei, dass Sofia doch weitergeführt wurde. Konsequenz war aber eine vollständige Neustrukturierung des Projekts mit einer Änderung des Managements auf Seiten der Nasa. Mit dem Dryden Flight Research Center und dem Ames Research Center sind nun neben der unabhängigen "Universities Space Research Association" zwei Nasa-Zentren in das Projekt eingebunden. Auf der Grundlage der Fortschritte, die das Projekt daraufhin in den letzten drei Jahren erzielte, konnte Sofia im letzten Jahr am 26. Mai dann endlich zum so lange erwarteten "First light"-Flug abheben und die ersten erfolgreichen Messungen feiern (siehe F.A.Z. vom 26. Mai 2010). "Wir hatten leider keine Vorbilder. Bei einem Satelliten weiß man: Der wird irgendwann fertig, weil die Technologie bekannt ist. Hier war alles neu und das meiste vorher im Nebel", resümiert Krabbe, "bei solchen Projekten muss man einen langen Atem haben."

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