https://www.faz.net/-gwz-88t4p

Marsrover „Curiosity“ : Die Flüsse und Seen des Mars

Blick auf die „Kimberly“-Formation, aufgenommen 2015 vom Marsrover „Curiosity“ am Fuß des „Mount Sharp“. Die Gesteinsschichten im Vordergrund könnten in Folge der Ablagerung von Sand und Geröll entstanden sein. Bild: Nasa, JPL-Caltech

Auf dem Roten Planeten könnte es eine längere feuchtwarme Klimaphase gegeben haben, die ideal für Seen und Flüsse war. Darauf deuten neue Daten und Bilder des amerikanischen Forschungsroboters „Curiosity“ hin.

          2 Min.

          Vor mehr als drei Milliarden Jahren existierten auf dem Mars offenbar zahlreiche Seen, die über einen Zeitraum von mindestens zehntausend Jahren bestanden. Das glauben die Wissenschaftler des „Mars Science Laboratory“, die die Mission des  Marsrovers „Curiosity“  betreuen.  Wie John Grotzinger vom California Institute of Technology in Pasadena und seine Kollegen in der Zeitschrift „Science“ berichten, wurden diese Seen wahrscheinlich von Flüssen und von einem Grundwasser-Reservoir gespeist.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Hinweise darauf  haben die zahlreichen Bilder von Gesteinsschichten geliefert, die Curiosity am Fuß des Zentralbergs  „Aeolis Mons“  (auch Mount Sharp genannt) aufgenommen hat. Die Schichten seien, so die Forscher, durch die Ablagerung von Sand oder Schlamm in Wasser entstanden, ähnlich wie die Sedimente in den Gewässern auf der Erde.  Das Material könnte über Flüsse in den See transportiert worden sein. Darauf deuten Strukturen des Marsbodens hin, die Curosity auf dem Weg zum Mount Sharp entdeckt hat, und die man ehemaligen Flussdeltas zugeordnet hat.

          War der Gale-Krater einst ein See, aus dem ein Berg entstand?
          War der Gale-Krater einst ein See, aus dem ein Berg entstand? : Bild: AFP

          Interessanterweise scheinen die Sedimente durch die Flüsse in Richtung Süden transportiert worden zu sein, in Richtung des Berghangs von Mount Sharp, wo sich der kleinwagengroße Forschungsroboter derzeit aufhält.

          Wie sich ein Berg erhebt

          Die Forscher um Grotzinger vermuten, dass der 155 Kilometer große Gale-Krater, der einst durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist, mit Wasser gefüllt wurde, das vom Kraterrand hinabfloss und einen riesigen See bildete. Das Wasser riss dabei Geröll und Sand mit, der sich als Sediment ablagerte. Die Forscher halten es aber auch für möglich, dass der See von einem Grundwasserreservoir gespeist wurde. Im Laufe der Zeit war der Wasserspiegel bis auf einige Dutzend Meter angestiegen.

          Zeugnisse eines ehemaligen Sees? Das Foto hat Curosity am „Hidden Valley“ geschossen, auf dem Weg zum Mount Sharp
          Zeugnisse eines ehemaligen Sees? Das Foto hat Curosity am „Hidden Valley“ geschossen, auf dem Weg zum Mount Sharp : Bild: Nasa, JPL-Caltech

          Die sich am Boden des Sees auftürmenden Sedimente wurden immer härter und immer höher, bis sie einen Hügel und schließlich einen Berg formten, der ursprünglich den Umfang des Gale-Kraters hatte. Gleichzeitig sank der Wasserspiegel, und die Erhebung tauchte aus dem Wasser auf. Erosionprozesse, verursacht durch Wind, trugen immer wieder Material an den Berghängen ab, verliehen Mount Sharp seine Gestalt und ließen ihn auf seinen jetzigen Umfang im Zentrum des Gale-Kraters schrumpften

          Schöööön: Mars-Rover Curiosity hat ein Selfie gemacht.
          Schöööön: Mars-Rover Curiosity hat ein Selfie gemacht. : Bild: dpa

          Aus diesen Befunden schließen die Wissenschaftler, dass auf dem Mars vor Millionen von Jahren ein feuchtes Klima geherrscht haben muss, das die Existenz von Seen auf dem Roten Planeten über recht lange Zeiträume ermöglichte. Wasser war somit, wie schon länger vermutet wird, auf dem Mars in großen Mengen vorhanden.

          Noch immer keine Spur von Marsleben

          Überrascht hat die Forscher, dass im Gale-Krater über Millionen Jahre hinweg ein See existierte. Indes ist unklar, wie es zu einer solch langen stabilen Klimaphase kommen konnte und wie die Atmosphäre des Mars damals beschaffen war, um diese Bedingungen zu erzeugen. Bisher war man von einer weitaus kürzeren feuchtwarmen Epoche auf dem Roten Planeten ausgegangen.

          Anzeichen dafür, dass es während der feuchten Periode Leben auf dem Mars gab, hat Curiosity nicht gefunden. Wasser ist zwar eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung von Leben, aber eben nur eine. Organische Moleküle wie Aminosäuren – die Bausteine für Proteine – hat der Marsrover noch nicht aufspüren können. Fehlanzeige auch, was den Nachweis von Methangas in der dünnen Marsatmosphäre betrifft. Methan gilt als ein Stoffwechselprodukt für Organismen.

          Weitere Themen

          Wilde Hunde auf der Balkan-Route

          Goldschakale : Wilde Hunde auf der Balkan-Route

          Auf dem Balkan, im Nahen Osten, in Indien und Südasien beheimatet, breitet sich der Goldschakal nach Mitteleuropa aus. Auch weil es hierzulande offenbar nicht mehr so kalt wird.

          Panne bei Triebwerkstest Video-Seite öffnen

          Mondprogramm der Nasa : Panne bei Triebwerkstest

          Die Raumfahrtbehörde Nasa muss einen Misserfolg bei ihrem Mondprogramm Artemis verbuchen: Die Triebwerke der neuen Trägerrakete Space Launch System (SLS) funktionierten bei einem Test im Stennis Space Center im Bundesstaat Mississippi nicht wie erwartet, wie die Nasa mitteilte.

          Topmeldungen

          Die Impfung ist nicht die einfache schnelle Lösung in der jetzigen Krise: Impfzentrum in der Festhalle in Frankfurt am Main

          Impfstrategie : Mit Privilegien ist keine Pandemiepolitik zu machen

          In den Vereinigten Staaten verfolgt Joe Biden eine klar wissenschaftsgeleitete Strategie in der Pandemiebekämpfung. Auch die deutsche Politik sollte davon nicht abgehen. Was hat die Regierung jetzt für Möglichkeiten?

          Bestatter am Limit : „Die schiere Menge macht einen völlig fertig“

          In der Pandemie stapeln sich in vielen Krematorien die Särge. Vor allem im Osten, wo sich besonders viele Menschen mit Corona anstecken, kommen die Bestatter kaum hinterher. Das Virus verändert auch den Umgang mit dem Tod.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.