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Marsrover Curiosity : Der Gale-Krater war einst ein See

War der Gale-Krater einst ein See, aus dem ein Berg entstand? Bild: AFP

Auf dem Roten Planeten könnte es einst eine längere feuchtwarme Klimaphase gegeben haben, die ideal für Seen und Flüsse war. Darauf deuten die jüngsten Ergebnisse des amerikanischen Forschungsroboters „Curiosity“ hin.

          Mit dem Auftrag, nach Hinweisen auf Spuren von Leben zu suchen, rollt der Forschungsroboter „Curiosity“ seit seiner Landung im Gale-Krater im August 2012 auf der Marsoberfläche umher. Dabei ist das kleinwagengroße Gefährt der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa mittlerweile gut acht Kilometern weit gekommen. Im September hat „Curiosity“ sein Ziel, den fünf Kilometer hohen Zentralberg des Gale-Kraters, den Aeolis Mons – auch Mount Sharp genannt – erreicht. Zwar hat der Rover immer noch keine wirklich eindeutigen Anzeichen gefunden, die auf einstiges Leben auf dem Roten Planeten hindeuten. Die jüngsten Ergebnisse von „Curiosty“ liefern aber ein Bild davon, welche klimatischen Verhältnisse womöglich einst auf dem Mars geherrscht haben. Danach gab es vor rund 3,5 Milliarden Jahren offenbar eine längere feuchtwarme Phase, in der Seen und Flüsse existiert haben.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Hinweise auf das Klima des jungen Mars haben die jüngsten Bilder geliefert, die „Curiosity“ am Fuß des Zentralbergs Aeolis Mons aufgenommen hat, sowie die dort entnommenen Bodenproben. Der Marsrover war auf Sedimentschichten gestoßen, die die unterste, etwa 150 Meter mächtige Gesteinsformation des fünf Kilometer hohen Bergs bilden. Da Sedimente durch die Ablagerung von Partikeln – etwa Sand und Schlamm – in Wasser entstehen, vermuten die Forscher der Nasa, dass der 155 Kilometer große Gale-Krater, der einst durch einen Meteoriteneinschlag entstanden ist, einst mit Wasser gefüllt war und damit einen riesigen See bildete.

          Wie sich ein Berg erhebt

          Mount Sharp ist nach Ansicht der Nasa-Forscher vermutlich am Boden des Sees durch die Ablagerung von Schwebeteilchen im Laufe von Millionen von Jahren entstanden. Sand und Schlamm könnte über Flüsse in den See transportiert worden sein. Darauf deuten Strukturen des Marsbodens hin, die Curosity auf dem Weg zum Mount Sharp entdeckt hat, und die man ehemaligen Flussdeltas zugeordnet. „Wir sind bereits auf Flusskiesel gestoßen und auf Sedimentgestein, das auf kleine ehemalige Flüsse und Deltas hindeutet“, sagt Sanjev Gupta vom Imperial College in London.

          Sedimentgestein  am Fuße des Mount Sharp

          Die sich am Boden des Sees auftürmenden Sedimente wurden im Laufe der Zeit immer härter und immer höher, bis sie einen Hügel und schließlich einen Berg formten, der ursprünglich den Umfang des Gale-Kraters hatte. Gleichzeitig sank der Wasserspiegel, und die Erhebung tauchte aus dem Wasser auf. Erosionprozesse, verursacht durch Wind, trugen immer wieder Material an den Berghängen ab, verliehen Mount Sharp seine Gestalt und ließen ihn auf seinen jetzigen Umfang im Zentrum des Gale-Kraters schrumpften. Aus diesen Befunden schließen die Wissenschaftler, dass auf dem Mars einst über Millionen von Jahren ein feuchtes Klima geherrscht haben muss, das die Existenz von Seen auf dem Roten Planeten über recht lange Zeiträume ermöglichte. Wasser war somit, wie schon länger vermutet wird, auf dem Mars in großen Mengen vorhanden.

          Curiosity wird Mount Sharp erklimmen

          Überrascht hat die Forscher, dass im Gale-Krater ein See über Millionen von Jahren hinweg existierte. Indes ist unklar, wie es zu einer solch langen stabilen Klimaphase kommen konnte und wie die einstige Atmosphäre des Mars damals beschaffen war, um diese Bedingungen zu erzeugen. Bisher war man von einer weitaus kürzeren feuchtwarmen Epoche auf dem Roten Planeten ausgegangen.

          Selfie vom Nasa-Marsrover „Curiosity“

          „Wenn Curiosity bald höher auf dem Mount Sharp klettert, werden wir erfahren, wie Atmosphäre, Wasser und Sedimente wechselgewirkt haben. Wir werden sehen, wie sich die Chemie des einstigen Sees im Gale-Krater im Laufe der Zeit verhändert hat“, hofft Curiosity-Projektleiter John Grotzinger vom California Institute of Technology in Pasadena.

          Anzeichen, dass es während der feuchten Zeitraums einst Leben auf dem Mars gab, hat Curiosity nicht gefunden. Wasser ist zwar eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung von Leben, aber eben nur eine. Organische Moleküle wie Aminosäuren – die Bausteine für Proteine – hat der Marsrover noch nicht aufspüren können. Fehlanzeige auch, was den Nachweis von Methangas in der dünnen Marsatmosphäre betrifft. Methan gilt als ein Stoffwechselprodukt für Organismen.

          Wo sind die Marsmännchen?

          Dennoch kocht bei einigen Wissenschaftlern der Nasa die Leidenschaft für Leben auf dem frühen Mars in Anbetracht der jüngsten Ergebnisse wieder hoch. Das ist wohl nicht zuletzt auch der Tatsache geschuldet, dass die amerikanische Raumfahrtbehörde als eines ihrer Ziele für die bemannte Weltraumfahrt den Roten Planeten auserkoren hat.

          Eine Raumkapsel – die Orion –, die sechs Astronauten in den Weltraum befördern kann, hat ihren unbemannten Jungfernflug in der vergangenen Woche erfolgreich absolviert.Und so wird man bei der Nasa nicht müde, auch die Politiker des Senats und des Kongresses über den Sinn und Zweck eines bemannten Raumflugs zum Mars zu überzeugen. Schließlich wird jedes Jahr neu über das Nasa-Budget entschieden. Und jedes Mal heißt es wieder: hoffen und bangen.

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