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FAZ.NET-Spezial : „Spirit“ sendet erste Farbbilder vom Mars

  • Aktualisiert am

Der Mars, wie ihn „Spirits” Kameras sehen Bild: AP

Nach der erfolgreichen Landung hat der amerikanische Roboter „Spirit“ eine zweite Antenne ausgefahren und die ersten Farbbilder geliefert.

          3 Min.

          Die amerikanische Raumsonde „Spirit“ arbeitet seit der Ankunft auf dem Mars problemlos und sammelt fleißig Bilder. Es dauere jedoch jeweils bis zu einer Woche, die Dateien vollständig zur Erde zu übertragen, sagte Nasa-Experte James Bell. Aus den einzelnen Motiven soll eine erste farbige Panorama-Ansicht vom Mars zusammengefügt werden.

          Wissenschaftler in der Bodenzentrale in Pasadena (Kalifornien) äußerten sich überwältigt über die Fülle spektakulärer Bilder, die der Roboter zur Erde schickt. Am Montag hatte „Spirit“ mit der Sendung von Farbfotos begonnen. Zu den „Paradestücken“ gehörte außerdem ein dreidimensionales Panoramabild von einer Kraterlandschaft im Landegebiet in Schwarz und Weiß.

          Fünffache Bilder

          "Spirit“ nutze jede Gelegenheit, die aufgenommenen Bilder zu schicken, teilte die Nasa mit. Als Voransichten seien diese bereits begutachtet worden, präzisierte der Nasa-Geologe Steve Squyres. Der Marsroboter sendet über eine Bordantenne entweder direkt zur Erde oder aber auf dem Umweg über Satelliten, der deutlich größere Übertragungsraten zuläßt. Bis zu 100 Megabytes Daten müssen laut Bell die 400 Millionen Kilometer vom Mars zurücklegen. Am Montag hatte die Nasa der Öffentlichkeit ein schwarz-weißes Panorama-Bild präsentiert, das mit 3-D-Technik in den ersten Stunden nach der Landung des Marsmobils am Wochenende aufgenommen wurde. Für die entsprechende Ansicht in Farbe sollte „Spirit“ 75 Farbaufnahmen liefern. Jedes Motiv wurde fünfmal mit verschiedenen Filtern fotografiert.

          Der Mars im Detail

          „Wir fühlen uns wie Kinder in einem Bonbon-Laden“, sagte Art Thompson, der die „Spirit“-Mission im Jet Propulsion Laboratorium der Nasa in Pasadena leitet. „Es gibt so viele tolle Fotomöglichkeiten, daß wir die Qual der Wahl haben.“ Anhand des dreidimensionalen Bildes fiel bereits eine Vorentscheidung: Wenn der kleine Rover in einigen Tagen zu rollen beginnt, wird er voraussichtlich einen der Krater ansteuern, der auf dem Foto zu sehen ist. Die Nasa-Wissenschaftler haben ihn „Sleepy Hollow“ getauft. Der kleine Krater ist rund zwölf Meter vom Landeplatz der Sonde entfernt und hat einen Durchmesser von rund neun Metern. Nach Nasa-Angaben könnte es bis zu einer Woche dauern, bis „Spirit“ sein Ziel erreicht. „Wir haben noch keinen Mars-Führerschein und wollen es vorsichtig und ruhig angehen lassen“, sagte Wissenschaftler Steve Squyres. Vermutlich werde der Roboter auf der Strecke zumindest einmal Halt machen, um Gesteinsbrocken zu untersuchen.

          Beginn der wissenschaftlichen Arbeit in einer Woche

          In gut einer Woche könnte der Roboter seine 40 Zentimeter hohe Plattform verlassen und sich auf die Mars-Oberfläche wagen. Dann beginnt der wissenschaftliche Teil der Arbeit mit der Analyse der Bodenvorkommen. Am 25. Januar bekommt „Spirit“ Besuch von seinem Zwillingsroboter „Opportunity“, der auf der gegenüberliegenden Marsseite seinen Job aufnehmen soll.

          Nach sieben Monaten und einer über 400 Millionen Kilometer langen Reise war „Spirit“ am Sonntagmorgen (MEZ) im Gusev-Krater südlich des Marsäquators gelandet. In den kommenden Wochen soll er auch mit Hilfe deutscher Technologie nach Lebensspuren suchen. Im Nasa-Kontrollzentrum in Pasadena war die erfolgreiche Landung bejubelt worden.

          Bilder aus 1,5 Meter Höhe

          Hochzufrieden äußerten sich auch Nasa-Sprecher über die zahlreichen Bilder, die zunächst in schwarz-weiß und dann in Farbe auf der Erde eintrafen. Zu sehen sind die Mars-Oberfläche, der Marshorizont und Teile des Fahrzeugs. Die Bilder zeigten ein Gelände, das sich deutlich von den früheren Mars- Aufnahmen aus den Jahren 1976 und 1987 unterschieden. Die Bilder werden von Kameras auf Masten in etwa 1,5 Meter Höhe über dem Marsboden gemacht. Von den insgesamt acht hochauflösenden Kameras erwartet die Nasa weitere „fantastische“ Bilder vom Roten Planeten.

          Der beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa für die Landung verantwortliche Wissenschaftler Rob Manning zeigte sich begeistert. „Das war alles perfekt.“ Nasa-Chef Sean O'Keefe hatte von einer „außerordentlichen Leistung“ gesprochen und in Anspielung auf die letzten fehlgeschlagenen Landeversuche der Nasa auf dem Mars 1999 und den Absturz der Raumfähre „Columbia“ vor elf Monaten betont, daß der Erfolg auch zeige, daß die Nasa lernfähig sei. Schon kurz vor diesem Erfolg auf dem Mars hatte die Nasa Grund zum Jubel. Die Sonde „Stardust“ hatte am Freitag erstmals in der Geschichte der Raumfahrt den „Sternenstaub“ eines Kometen eingesammelt.

          Mars Express könnte ab Mittwoch Signale empfangen

          Unterdessen blieb für die Europäische Weltraumagentur Esa nur die Hoffnung: Bereits vor zwei Wochen war der europäische Roboter „Beagle 2“ auf dem Mars gelandet, doch fehlt von ihm noch jedes Lebenszeichen. Das „Beagle“-Mutterschiff „Mars Express“, das von Sonntag an in eine neue Bahn um den Mars manövriert wurde, könnte ab Mittwoch die Signale des Roboters empfangen, hoffen die europäischen Experten. Die Kommunikationsversuche der amerikanischen Sonde „Odyssey“ waren vergebens geblieben.

          Der 173 Kilogramm schwere amerikanische Roboter „Spirit“ bleibt nun neun Tage lang an seinem Landeort, bis er auf seinen sechs Rädern zur ersten Erkundungsfahrt aufbricht. Die Nasa erwartet, daß die Abenteuer des Roboters und seines drei Wochen später folgenden Zwillingsbruders „Opportunity“ wie schon bei dem „Sojourner“-Roboter der Pathfinder- Mission 1997 Millionen Zuschauer vor die Fernseher locken wird. Rund 820 Millionen Dollar (647 Millionen Euro) kostet das Mars-Projekt der Nasa.

          Weite Strecken

          Die Rover haben einen viel größeren Aktionsradius als ihre Vorgänger. „Spirit“ und „Opportunity“ können an einem Tag weiter fahren als „Sojourner“ während seiner gesamten Lebensdauer. Mit Hilfe ihrer Instrumente untersuchen sie dabei Gesteinsbrocken auf Wasserspuren und organische Moleküle - und damit auf Zeichen von Leben. Entscheidend sind dabei auch zwei in Deutschland gebaute Spektrometer für die Gesteinsanalyse.

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