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Raumfrachter zur ISS gestartet : Erste Experimente für „Astro-Alex“ fliegen ins All

Am 2. April 2018 startet um 22.30 Uhr deutscher Zeit eine Falcon-9-Trägerrakete mit einer Dragon-Kapsel vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida zur ISS. Bild: Nasa

Im Juni startet Alexander Gerst ein zweites Mal zur Internationalen Raumstation. Das Zubehör für seine ersten Experimente ist bereits seit gestern Nacht unterwegs. Die Ankunft des Raumfrachters wird morgen erwartet.

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          Die ersten Experimente für die Mission „Horizons“ von Alexander Gerst sind auf dem Weg zur Internationalen Raumstation (ISS). Am Montag ist um 22.30 Uhr deutscher Zeit der private Raumfrachter „Dragon“ mit einer Falcon 9-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet. Die Ankunft der unbemannten „Dragon“ mit 2,6 Tonnen Nachschub und wissenschaftlichen Geräten an Bord wird am Mittwoch erwartet. Der Raumtransporter soll rund einen Monat an der Raumstation angedockt bleiben und dann beladen mit Müll und nicht mehr benötigter oder defekter Ausrüstung zur Erde zurückkehren.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Es ist der 14. Versorgungsflug eines „Dragon-Frachters. An Bord befinden sich neben Lebensmitteln und Kleidung für die derzeitige Besatzung auch zahlreiche wissenschaftliche Gerätschaften. Darunter die Experimente „Myotones“, „MetabolicSpace“, „SPACETEX-2“ und „ASIM“. Sie sind für den deutschen Astronauten Alexander Gerst bestimmt, der am 6. Juni mit einer Sojus-Rakete vom russischen Kosmodrom in Baikonur zur ISS aufbrechen wird. „Astro-Alex“ – so Gersts Spitzname – soll bis zu seiner Rückkehr am 10. Dezember insgesamt 187 Tage im All verbringen. Von August an wird Gerst das Kommando über die Internationale Raumstation und ihre fünfköpfige Besatzung übertragen. Gerst ist damit der erste deutsche Kommandant der ISS.

          Körperfunktionen im Blick

          Bei dem Experiment „Myotones“, das von Wissenschaftlern der Berliner Charité und der Universität von Southampton entwickelt wurde, sollen biomechanische Eigenschaften des ruhenden menschlichen Muskels in der Schwerelosigkeit untersucht werden. Um dem Muskel- und Knochenschwund im All entgegenzuwirken, müssen die Astronauten auf der ISS täglich mindestens eineinhalb Stunden trainieren. Doch wie effektiv ist dieses Training, und wie werden dadurch die biomechanischen Eigenschaften der Muskulatur beeinflusst? Fragen, die man mit „Myotones“ zu beantworten hofft.

          Mit dem Experiment „Myotones“ wollen Wissenschaftler die biomechanischen Eigenschaften des ruhenden menschlichen Muskels untersuchen. Bereits im Vorfeld der Mission Horizons wurden Bodenkontrolluntersuchungen mit Alexander Gerst im europäischen Astronauten Zentrum in Köln durchgeführt. 

 Bilderstrecke
          Mit dem Experiment „Myotones“ wollen Wissenschaftler die biomechanischen Eigenschaften des ruhenden menschlichen Muskels untersuchen. Bereits im Vorfeld der Mission Horizons wurden Bodenkontrolluntersuchungen mit Alexander Gerst im europäischen Astronauten Zentrum in Köln durchgeführt. :

          Das zweite medizinische Experiment ist „MetabolicSpace“, ein tragbares Analysesystem für Körper- und Stoffwechselfunktionen. Da es anders als bisherige Geräte keine Kabel und Schläuche benötigt, soll es die Überwachung und Auswertung der Fitness der Astronauten etwa während täglichen Trainings erleichtern und verbessern. Die Sensoren von „MetabolicSpace“ messen die Konzentration der ein- und ausgeatmeten Gase sowie die Atmungsfrequenz. Sie registrieren zudem Herzschlag und Körpertemperatur.

          An Bord der Dragon ist auch die Funktionskleidung „Spacetex-2“, die für einen besonders guten Wärmeaustausch an der Körperoberfläche sorgen soll. In der Schwerelosigkeit kommt es beim Training besonders schnell zu einem Hitzestau. Die Körpertemperatur kann dabei auf über 39 Grad steigen. Um Gesundheitsschäden vorzubeugen ist es wichtig, den Wärmeaustausch durch Spezialkleidung zu optimieren.

          Schüleralltag in einer Zeitkapsel konserviert

          Ein weiteres Experiment ist „ASIM“ (Atmosphere-Space Interactions Monitor). Das Instrument der europäischen Raumfahrtagentur (Esa) soll an der Außenplattform des Columbus-Labors montiert werden. Von dort aus wird es mindestens zwei Jahre lang die Gewitter vermessen, die sich in den hohen Bereichen der Erdatmosphäre abspielen. Diese starken elektrischen Entladungen der Hochatmosphäre lassen sich von der Erde aus nur schwer erforschen.

          Die Dragon transportier auch eine „Zeitkapsel“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf die Raumstation. Die einige Zentimeter große Aluminiumkugel enthält die Wünsche und Zukunftsvorstellungen von Schülerinnen und Schülern aus Deutschland. Im Inneren der Kugel sind auf einem Chip Fotos von Social-Media-Nutzern des DLR gespeichert. Sie zeigen Alltagsszenen der Jugendlichen. Gerst wird die Zeitkapsel auf der ISS versiegeln und nach seiner Rückkehr der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn übergeben. Dort soll sie 50 Jahre lang verwahrt und erst dann wieder geöffnet werden.

          Nach dem aktuellen Versorgungsflug der „Dragon“ sollen weitere Experimente und Materialien der Horizons-Mission zur ISS transportiert werden. Am 20. Mai 2018 hebt ein Cygnus-Raumtransporter von Wallops Island vor der Ostküste Virginias ab. Für den 28. Juni ist der Start eines weiteren Dragon-Raumfrachters mit einer Falcon-9-Rakete von Cape Canaveral geplant.

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