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Exoplaneten : Verpasste Entdeckerehre

  • -Aktualisiert am

Links oberhalb der Bildmitte: der Begleiter von Beta Pictoris Bild: Eso

Vor fünf Jahren wurde ein Planet bei dem 63 Lichtjahre entfernten Stern Beta Pictoris entdeckt. Nun haben Astronomen herausgefunden, dass es vermutlich dieser Begleiter war, der 1981 eine beobachtete leichte Verfinsterung des Sterns hervorgerufen hatte.

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          Im vergangenen Jahr ist auf einem Foto, das schon im Jahr 2003 mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Chile aufgenommen worden war, ein helles Objekt dicht bei dem rund 63 Lichtjahre von der Erde entfernten Stern Beta Pictoris entdeckt worden - vermutlich ein Planet mit ungefähr achtfacher Jupitermasse. Jetzt haben Astronomen des Instituts für Astrophysik in Paris herausgefunden, dass dieser Planet im November 1981 aus Sicht der Erde vor Beta Pictoris vorbeigezogen sein und dabei eine leichte Verfinsterung hervorgerufen haben könnte.

          Damals war zwar schon der Verdacht aufgekommen, ein großer Komet oder Planet habe das Ereignis verursacht. Aber eine solche Deutung ohne weitere Belege schien in jener Zeit noch zu waghalsig. Hätte man sich darüber hinweggesetzt, würde heute vielleicht 1981 als das Entdeckungsjahr des ersten Exoplaneten genannt - statt des Jahres 1995, in dem der Begleiter von 51 Pegasi aufgespürt wurde.

          In einer Scheibe aus Gas und Staub

          Der mit einem Alter von höchstens 20 Millionen Jahren außerordentlich junge Stern Beta Pictoris zeichnet sich dadurch aus, dass ihn eine Scheibe aus Gas und Staub ähnlich jener umgibt, in der die Planeten des Sonnensystems entstanden sind. Diese Scheibe ist 1983 erstmals beobachtet worden. Der 2008 auf dem Foto aus Chile gefundene Planet befindet sich offensichtlich innerhalb dieser Scheibe und war seinerzeit - jedenfalls in der Projektion - etwa achtmal so weit von seinem Zentralstern entfernt wie die Erde von der Sonne - also acht Astronomische Einheiten.

          Die Aufnahme zeigt ein Foto der Scheibe aus dem Jahr 1996. Damit der helle Stern nicht alles überstrahlte, ist damals der mittlere Bereich ausgeblendet worden. In diesen Bereich wurde das 2003 aufgenommene und später bearbeitete Foto mit dem Planeten hineinkopiert.

          Berechnung der Bahndaten

          Die Astronomen Alain Lecavelier des Etangs und Alfred Vidal-Madjar aus Paris haben nun untersucht, ob der Planet im Jahr 1981 vor dem Stern vorbeigezogen und dabei die Verfinsterung hervorgerufen haben könnte. Die beobachtete Position des Planeten innerhalb der Staubscheibe spricht dafür, dass es solche Vorübergänge gibt.

          Die jetzt errechneten Bahnen, die eine durch den Planeten verursachte Verfinsterung am besten erklären könnten, haben große Halbachsen zwischen 7,6 und 8,7 Astronomischen Einheiten, die entsprechenden Umlaufperioden betragen 15,9 bis 19,5 Jahre. Die beiden Astronomen halten die unterstellte Zuordnung für wahrscheinlich, wie sie in einer bei der Zeitschrift "Astronomy & Astrophysics" eingereichten Arbeit schreiben.

          Der nächste zu beobachtende "Transit" sei für den Zeitraum vom September 2013 bis zum Dezember 2020 zu erwarten. Genauer ließe sich das mit den vorliegenden Daten nicht berechnen. Außerdem sei es extrem aufwendig, den Moment des Vorübergangs genau abzupassen.

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