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Exoplaneten : Der lange Weg zum Planetenporträt

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Ebenfalls in der Atacamawüste gelegen, empfangen die Radioantennen von Alma statt des optischen Lichts von Sternen oder Planeten die Radiostrahlung ausgedehnter Staubwolken. Bislang waren Radiobilder solcher Scheiben mehr oder weniger undeutliche Flecken. Almas Antennen lassen sich jedoch auf viele Quadratkilometer verteilen. So erreicht das Netzwerk eine Detailschärfe, die selbst die des Hubble-Weltraumteleskops oder auch des Very Large Telescope mit seiner adaptiven Optik übertrifft. Bei dem 450 Lichtjahre entfernten Stern „HL Tauri“ im Sternbild Stier etwa konnten die Astronomen mit dem Teleskoparray Alma zum ersten Mal Lücken in der den Stern umgebende Staubscheibe ausmachen, die an die „Rillen“ im Ring des Planeten Saturn erinnern. Im Saturnring werden die Lücken durch kleine Monde verursacht, bei HL Tauri, so besagen es theoretische Modelle, entstehen in der Staubscheibe neue Planeten.

Wo steckt die zweite Erde?

Dass die beiden Instrumente GPI oder Sphere alsbald die Entdeckung einer „zweiten Erde“ vermelden, ist nach Feldts Meinung unwahrscheinlich. „Es geht in erster Linie um junge Gasriesen, einfach weil diese am leichtesten zu entdecken sind. Außerdem um Planeten in relativ weiten Abständen vom Zentralgestirn. Mit bisherigen Verfahren hat man vor allem eher eng umlaufende Planeten entdeckt.“ Je näher die Sterne sind, desto größer die Chancen, auch kleinere Planeten zu finden: „Sphere könnte theoretisch einen erdähnlichen Planeten in der Umlaufbahn um Proxima Centauri nachweisen, des der Sonne nächstgelegenen Sterns. Die Existenz eines solchen Trabanten erscheint allerdings nach bisherigen Beobachtungen äußerst unwahrscheinlich.“

Eine Verbesserung darf man vom „SCExAO„-Instrument (Subaru Telescope Extreme Adaptive Optics) erwarten, das in den kommenden Jahren am japanischen Subaru-Teleskop auf Hawaii in Betrieb gehen soll. Mit SCExAO sollen auch Planeten abgelichtet werden können, die deutlich enger um ihre Sterne kreisen, als sie mit dem GPI aufgespürt werden können. Zudem ist das japanische Instrument als Experimentierplattform aufgelegt, an der neueste technologische Entwicklungen ausprobiert werden können. Bis auf weiteres werden sich die Astronomen jedenfalls mit vielen blass-blauen oder andersfarbigen Lichtpunkten begnügen müssen. Erdähnliche Planeten - also kleine, felsige Himmelskörper in den habitablen Zonen sonnenähnlicher Sterne - dürften also vorläufig nur mit indirekten Methoden entdeckt werden. Doch niemand kann sagen, welche technischen Tricks den Astronomen noch einfallen werden - während der Reise von Voyager 1 durch das Sonnensystem war die adaptive Optik schließlich auch noch nicht erfunden.

Und die Frage nach außerirdischen Leben? Die Farbe der Erde auf der Voyager-Aufnahme gibt immerhin Hinweise auf die Existenz von Wolken, Ozeanen und Kontinenten auf unserem Heimatplaneten. Wird man mit Sphere und Co. Anzeichen von biologischem Leben auf einem Exoplaneten finden können? Markus Feldt mahnt zur Geduld: „Für einen solchen Nachweis wird man vermutlich um die zehn bis fünfzehn Jahre warten müssen.“ Dann könnten geplante weltraum- oder erdgestützte Observatorien, wie das derzeit in Bau befindliche Extremely Large Telescope ( der Nachfolger des VLT) für maximal 100 Lichtjahre entfernte, günstig gelegene Systeme möglicherweise Befunde liefern, die auf Leben hindeuten. Ein eindeutiger Nachweis, der jede andere Erklärung ausschließt, dürfte nach Feldts Ansicht aber auch dann noch schwierig bleiben.

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