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Exoplaneten : Auf nach Alpha Centauri

Sonnenaufgang über der Arktis des Mars nach einer kurzen Nacht Bild: Nasa

Demnächst zum Mars? Wie langweilig, und richtig anziehend ist der Rote Planet doch gar nicht. Aber direkt vor unserer galaktischen Haustür gibt es vielleicht sogar bewohnbare Planeten. Manche Astronomen würden alles dafür geben, sie zu finden.

          6 Min.

          , San Francisco. Debra Fischer sieht nicht aus, wie man sich jemanden vorstellt, der je viel in Perry-Rhodan-Heftchen geschmökert hat. Die Tür ihres Professorenbüros in dem schmucklosen Hochhaus der San Francisco State University kommt sogar ohne die bei männlichen Astronomen nicht seltenen Außerirdischen-Cartoons aus. Dennoch ist die freundliche blonde Frau heute vielen Freunden der klassischen Science-Fiction ein Begriff.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn Debra Fischer ist Planetenjägerin - und eine der erfolgreichsten dazu. Viele Dutzend der 356 heute bekannten Planeten in den Umlaufbahnen anderer Sterne wurden in den vergangenen 14 Jahren unter ihrer Mitwirkung entdeckt. Allerdings waren es bisher keine sehr gemütlichen Welten. Die allermeisten sind riesige Gasplaneten, und viele sind sogenannte "Heiße Jupiter": Sie umkreisen ihre Sterne näher als unser innerster Planet die Sonne, so dass dort infernalische Temperaturen herrschen müssen.

          Entfernung: 4, 3 Lichtjahre

          Doch Fischer möchte eine zweite Erde finden: eine kleine felsige Kugel in genau dem richtigen Abstand zum Stern, dass dort flüssiges Wasser existieren kann - in der "habitablen Zone", wie die Astronomen sagen. Kommende Woche wird sie ihr Projekt auf dem Welttreffen der Astronomen in Rio de Janeiro einer größeren Fachöffentlichkeit vorstellen und dabei wohl alte Science-Fiction-Träume wecken. Denn sie sucht diese freundliche Welt direkt vor unserer galaktischen Haustür: im Sternsystem Alpha Centauri.

          Zwischen der Sonne und Alpha Centauri liegen gerade mal 4,3 Lichtjahre. Damit ist es der sonnennächste Stern. Das heißt: es sind eigentlich zwei Sterne - prosaisch "A" und "B" genannt -, die einmal in 80 Jahren um ihren gemeinsamen Schwerpunkt kreisen, wobei ihr Abstand zwischen dem Elf- und dem 36-fachen des Abstandes Erde-Sonne schwankt. Früher vermutete man, dass in so engen Doppelsternsystemen keine stabilen Planetenbahnen möglich sind. Ein Irrtum: "Neuere Computersimulationen haben gezeigt, dass um jeden der beiden Sterne Planeten stabil kreisen können, sofern sie sich dabei nicht weiter von ihrem jeweiligen Gestirn entfernen als dem Zwei- bis Dreifachen des Abstandes Erde-Sonne", sagt Fischer. Einzig ein Heißer Jupiter könnte die Kreise eines solchen Planeten fatal stören. "Aber im Alpha-Centauri-System gibt es keine Heißen Jupiter. Die hätten wir schon längst gesehen."

          Unter zwei Sonnen

          Jeder der beiden Sterne könnte damit theoretisch einen oder vielleicht sogar zwei Planeten bescheinen, auf denen es Seen, Flüsse, Meere gibt - und die damit im Prinzip auch für Lebensformen bewohnbar wären. Zudem sind beide Sterne der Sonne recht ähnlich. Sie sind sogar etwas reicher an schweren Elementen, was die Existenz von Planeten wahrscheinlicher macht. Alpha Centauri A ist etwas größer als unser Zentralgestirn und von fahlgelber Farbe, Alpha Centauri B etwas kleiner und hell orange.

          Auf einem Planeten dort würden damit die meiste Zeit des Jahres zwei Sonnen am Himmel stehen. Nur eine kurze Saison hindurch würde es nachts so dunkel wie bei uns. Dafür stünde dann ein halbes Jahr später rund um die Uhr immer eine der beiden Sonnen über dem Horizont. Allerdings wäre die eine immer mindestens zehnmal kleiner als die andere, und der Unterschied würde sich im Laufe der 80-jährigen Umlaufperiode der beiden Sterne umeinander stark ändern.

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