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ExoMars am Ziel : Endlich Marsianer – gestrandet und entrückt

Deutlich mehr Erfolg verspricht man sich nun von „Schiaparelli“. Damit die Landeeinheit an diesem Mittwoch wohlbehalten auf der Marsoberfläche landet, muss das 600 Kilogramm schwere Gefährt kurz nach Eintritt in die Atmosphäre innerhalb weniger Minuten von sechs Kilometern pro Sekunde auf null abgebremst werden. In diesen „sechs Minuten des Schreckens“, wie die Esa die Zeitspanne bezeichnet, legt die Sonde einen Höhenunterschied von rund 120 Kilometern zurück. Dazu hat man ein raffiniertes Landemanöver ersonnen: zunächst der Eintritt von Schiaparelli in die Marsatmosphäre, dann das Abbremsen mit einem Fallschirm und mit Triebwerksdüsen. Eine Art Airbag soll den Aufschlag abfedern. Geplant ist die Landung im Hochland „Meridiani Planum“ nahe dem Äquator. Geplanter Zeitpunkt des Aufsetzens: 16.48 Uhr deutscher Zeit.

Da die Signale der „TGO“-Sonde etwa zehn Minuten benötigen, um vom Mars zur Erde zu gelangen, können die Flugingenieure des Satellitenkontrollzentrums Esoc in Darmstadt praktisch nicht eingreifen, wenn etwas schiefläuft. Dieses Manöver birgt viele Fallstricke, deshalb ist die Chance groß, dass die Landung misslingt. Alle Schritte des Manövers laufen autonom nach einem festgelegten Zeitplan ab, gesteuert nur von einem Computer.

Bilder von der Landung per Webcam

Eine wissenschaftliche Kamera hat „Schiaparelli“ nicht an Bord. An der Unterseite des Moduls sitzt lediglich eine Webcam. Sie soll einige Schwarzweißfotos der Marsoberfläche während der Landung schießen. Zudem wird die Nasa die Kameras des amerikanischen Marsrovers „Opportunity“ auf den herabfallenden „Schiaparelli“ richten. Das Landegerät wird nach dem Aufsetzen nur einige Tage lang aktiv sein. Dann ist seine Mission beendet.

Ganz anders bei der Raumsonde „TGO“. Sie soll den Planeten vier Jahre lang in einer Höhe von rund 400 Kilometern umkreisen und die Bestandteile seiner dünnen Lufthülle analysieren. Man hofft, vor allem Methangas aufzuspüren. Das Gas war vor einigen Jahren mit irdischen Teleskopen und von der Sonde „Mars Express“ nachgewiesen worden. Da Methanvorkommen auf der Erde in aller Regel einen biologischen Ursprung haben, wäre diese Quelle auch auf dem Mars nicht gänzlich ausgeschlossen. Allerdings könnten auch geologische Prozesse - etwa Vulkanismus oder anorganische Reaktionen in Bodenschichten - das organische Molekül erzeugen. Um die Herkunft des Gases zu klären, soll „TGO“ unter anderem geographische und jahreszeitliche Abhängigkeiten der Methankonzentration messen.

Wo seid ihr bloß, ihr Marsmännchen?

Doch es wird noch ein Jahr dauern, bis die Sonde ihre Arbeit aufnehmen kann. Am heutigen Tag ist sie erst einmal in eine Parkplatz-Umlaufbahn eingeschwenkt. Vier Monate lang soll „TGO“ auf der elliptischen Bahn in bis zu 100.000 Kilometern Höhe um den Mars kreisen. Von Januar an ist ein etwa einjähriges Bremsmanöver vorgesehen, das die Raumsonde schrittweise auf eine kreisförmige Zielumlaufbahn bugsieren soll.

ExoMars ist sowohl für die Esa als auch für Roskosmos ein wichtiger Schritt in der Marsforschung. Russland hat selbst noch keinen einzige Sonde in eine Marsumlaufbahn bringen können; alle Landeversuche waren bis auf einen („Mars 3“) fehlgeschlagen. Erfolgreicher war Europa. Seit dem Jahr 2005 umrundet die Sonde „Mars Express“ den Roten Planeten und kartiert die Oberfläche. ExoMars soll in einer von politischen Krisen überschatteten Zeit auch ein Zeichen der Zusammenarbeit zwischen Russland und Europa setzen. Europa ist mit 1,3 Milliarden Euro beteiligt, Russland trägt eine weitere Milliarde Euro bei. Seit rund 15 Jahren laufen in Europa die Planungen für das ehrgeizige Projekt, das zunächst als gemeinsame Mission mit der Nasa geplant war. Russland ist erst 2013 eingestiegen, nachdem die Amerikaner wegen finanzieller Engpässe zwei Jahre zuvor ausgestiegen waren. Heute werden die Wissenschaftler und Flugingenieure von ExoMars der Landung von „Schiaparelli“ entgegenfiebern. Dass die Esa eine Sonde gezielt sogar auf einem Kometen absetzen kann, hat sie erst kürzlich mit der „Rosetta“-Sonde bewiesen.

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