https://www.faz.net/-gwz-16gyl

Europas Superteleskop : Herschel bringt Sternenhimmel in Bewegung

  • Aktualisiert am

Eine Computergrafik zeigt das europaeische Weltraumteleskop Herschel im All. Das Teleskop ist seit Mai 2009 im All. Es wurde mit einer Rakete hochgeschossen. Bild: Astrium/ddp

Europas Superteleskop Herschel ist erst seit kurzem im Dienst, verändert aber schon heute unser Bild über die Entstehung von Sternen. Ein Bericht vom ESA-Kongress in Nordwijk.

          2 Min.

          Das neue europäische Weltraumteleskop Herschel liefert nach ersten Einschätzungen von Wissenschaftlern bahnbrechende Erkenntnisse über die Geburt von Sternen. Von Herschel aufgenommene Bilder zeigten Tausende weit entfernte Galaxien und prachtvolle sternbildende Staubwolken, die sich über die gesamte Milchstraße hinziehen, teilte die Europäische Raumfahrtagentur ESA mit. Die ersten Forschungsergebnisse stellten frühere Annahmen über Sternengeburten infrage.

          Auf einer Aufnahme von Herschel ist nach Angaben der ESA sogar ein eigentlich „unmöglicher“ Stern während seiner Entwicklung zu sehen. Dieser wird sich nach Einschätzung der Wissenschaftler in mehreren hunderttausend Jahren zu einem der größten und hellsten Sterne unserer Galaxie entwickeln. Er soll bereits jetzt die acht- bis zehnfache Masse der Sonne besitzen und ist noch von einer zweitausend Sonnenmassen erreichenden Gas- und Staubwolke umgeben, von der er weiter Materie aufsammeln kann.

          Ein eigentlich „unmöglicher“ Stern

          „Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand ist es eigentlich nicht möglich, dass sich ein Stern bildet, der größer ist als acht Sonnenmassen“, sagte Annie Zavagno vom Labor für Astrophysik in Marseille mit Verweis auf die gewaltigen Lichtstrahlen solch riesiger Sternen. Diese sollten der Theorie nach die Ursprungswolke des Sterns auflösen, noch bevor sich mehr Masse anhäufen kann.

          Der Rosetta-Nebel (rechts im Bild) mit umgebenden gewaltigen Staubansammlungen, aufgenommen mit dem Herschel-Teleskop. Das Bild wurde kürzlich von der amerikanischen „Konkurrenz” Nasa als Foto des Tages gewürdigt.

          Von der Beobachtung des neuen, wachsenden Sterns erhoffen sich die Forscher nun Aufklärung darüber, wieso dies in einigen Fällen nicht geschieht.

          1,1 Milliarden Euro teure Mission

          Das nach dem Astronomen Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822) benannte Teleskop Herschel gilt als eines der aufwendigsten wissenschaftlichen Instrumente, die jemals in Europa gebaut wurden. Auch zahlreiche deutsche Forscher und Ingenieure waren an seiner Entwicklung beteiligt.

          Die Mission kostet die europäische Raumfahrt rund 1,1 Milliarden Euro. Ein neu veröffentlichtes Herschel-Bild zeigt eine Reihe stellarer Kinderstuben in der Milchstraße. Die Aufnahme verdeutlicht nach Auffassung der Forscher, dass Sternembryos zunächst im Inneren von Strukturen aus glühendem Staub und Gas erscheinen. „Diese Filamente bilden Ketten von Kinderstuben, die Dutzende Lichtjahre lang sind und die Galaxie in ein Netz von Sternbrutstätten hüllen“, schreibt die ESA zu den Ergebnissen einer Fachtagung im niederländischen Noordwijk.

          Beschleunigte Sternentstehung

          Infrage gestellt sind nach ersten Daten von Herschel auch Annahmen über die Entwicklung von anderen Galaxien. Astronomen waren bislang der Ansicht, dass diese in den vergangenen drei Milliarden Jahren mit ungefähr derselben Geschwindigkeit Sterne gebildet haben. „In der Vergangenheit gab es zahlreiche Galaxien, in denen wahre Sternausbrüche stattfanden und die Sterne zehn bis fünfzehn Mal schneller entstanden, als heute in der Milchstraße“, heißt es nun unter Verweis auf die Messungen des Superteleskops.

          Im Idealfall wird Herschel noch bis weit ins Jahr 2013 hinein Daten sammeln.

          Weitere Themen

          Zeugen einer Planetengeburt

          Astronomie : Zeugen einer Planetengeburt

          Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte Eso haben Anzeichen für die Entstehung eines Planeten ergeben. Die Geburtsstätte ist die dichte Staub- und Gasscheibe um den jungen Stern „AB Aurigae“.

          Topmeldungen

          Der Start am Weltraumbahnhof in Florida

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.
          Nicht nur am Mainufer, sondern auch an der Frankfurter Börse herrscht frühlingshafter Optimismus.

          Steigende Kurse trotz Krise : Das Börsenvirus

          Die Wirtschaft liegt noch am Boden, doch die Kurse an der Börse steigen und steigen. Kann die Wette auf die bessere Zukunft aufgehen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.