https://www.faz.net/-gwz-7x1qz

Europas Raumfahrtpolitik : Die Ariane 5 bekommt Nachfolger

Soll 2020 zu ihrem Jungfernflug starten: Die neue Trägerrakete Ariane-6.4 (hier mit vier Boostern). Bild: Esa

Europas Minister stellen mit einem Milliardenprogramm die Zukunftsweichen für Europas Raumfahrt. Mit neuen Trägerraketen will man Marktführer bei Satellitentransporten ins All bleiben. 

          2 Min.

          Die für Raumfahrt zuständigen europäischen Minister haben dem Bau von zwei neuen Trägerraketen beschlossen, die die existierenden Ariane-5 und die kleinere Vega ablösen sollen. Dafür will man vier Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Die Entscheidung wurde am Dienstagabend nach der Ministersitzung der Europäischen Weltraumorganisation Esa in Luxemburg mitgeteilt. Zudem soll auf dem Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana eine neue Startrampe gebaut werden. Die für Raumfahrt verantwortliche Staatssekretärin Brigitte Zypries vertrat die deutsche Regierung in Luxemburg.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Lange hatten Deutschland und Frankreich gestritten, wie die Raketenentwicklung weitergehen solle. Während Deutschland auf die Weiterentwicklung der bestehende Ariane-5 einschließlich einer neuen Oberstufe setzte, favorisierte Frankreich eine komplette Neuentwicklung einer kleineren Ariane mit einer neuen Antriebstechnologie. Statt mit flüssigem Wasserstoff und Treibstoff, wie die Ariane-5, sollte sie von festen Treibstoffen angetrieben werden. Da sich aber keiner der beiden Parteien im Vorfeld durchsetzen konnte, hat man sich in Straßburg auf einen Kompromiss geeinigt.

          Mehr Flexibilität bei Satellitenstarts

          Vorgesehen ist nun der Bau einer kleineren kostengünstigeren und flexibler nutzbaren Trägerrakete als es die Ariane-5 ist, der Ariane-6. Von dieser Rakete soll es – entsprechend der ins All zu befördernde Nutzlast – zwei Varianten geben: Eine kleinere Ariane-6.2 mit zwei Triebwerken und eine größere Ariane-6.4 mit vier Boostern.

          Sitzungssaal des Esa-Ministerrats in Luxemburg

          Mit den beiden Konfigurationen will man zwischen fünf und zehn Tonnen Fracht in den Orbit befördern können. Damit wollen die Europäer den Markt für mittlere und große Satelliten bedienen. Zugleich soll die kleinere Vega-Trägerrakete weiterentwickelt werden. Die Vega C soll künftig den Markt für kleine Satelliten abdecken.

          Die neue Ariane-6 soll zu ihrem Jungfernflug im Jahr 2020 starten. Den umfassenden Zukunftsplan hatte die Esa den Ministern beziehungsweise deren Vertretern zuvor auf den Tisch gelegt. „Das waren Entscheidungen zur Zufriedenheit aller, gefällt nach harten, aber sachlichen Diskussionen“, sagte der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, der Nachrichtenagentur dpa.

          Für das Entwicklungsprogramm müssten die 20 Esa-Mitgliedsländer und Kanada insgesamt 3,8 Milliarden Euro aufbringen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte vor wenigen Tagen einen deutschen Beitrag zur Ariane 6 von jährlich mehr als 60 Millionen Euro angekündigt.

          Der Generaldirektor der Esa, Jean-Jacques Dordain, dürfte mit der getroffenen Entscheidung recht zufrieden sein.

          Zwar ist die bisherige Ariane-5 ein zuverlässiger Weltmarktführer für Satellitenstarts. Mit zuletzt 62 problemlosen Starts in Folge hat die Trägerrakete Europa wirtschaftliche Gewinne von mehr als 50 Milliarden Euro beschert. Denn die „alte“ Ariane ist teurer als andere Raketen, was sie angesichts des verschärften Wettbewerbs um kommerzielle Satellitenstarts zum Auslaufmodell stempelt.

          Konkurrenz durch private Trägersysteme

          Den Europäern droht nämlich zunehmend Konkurrenz von privaten Anbietern, vor allem aus den Vereinigten Staaten. Zudem steige die Nachfrage für Satelliten-Transportsysteme. Deshalb geht es bei dem ehrgeizigen Zukunftsplan der Esa, der in zwei Jahren überprüft werden soll, auch darum, konkurrenzfähige Raketensysteme anzubieten und als Wettbewerber im lukrativen Geschäft der privaten Trägerraketen zu bestehen. Indien und China suchen ihrerseits auch nach gewinnbringenden Marktanteilen. Die Erfolge des privaten Anbieters SpaceX des amerikanischen Milliardärs Elon Musk hat den Entscheidung der Europäer wohl mitbeeinflusst. Die Airbus Group und der französische Triebwerkshersteller Safran planen ein gemeinsames Raumfahrt-Unternehmen, um beim Raketenbau die Kräfte im Wettbewerb mit der Konkurrenz in den Vereinigten Staaten zu bündeln.

          In Straßburg wurde auch offiziell verkündet, dass Europa den Betrieb der Internationalen Raumstation über das Jahr 2020 hinaus weiter unterstützen und europäische Astronauten auf den Außenposten im All schicken wird. Auch will die Esa ein Nutzlast-Modul für die künftige amerikanische Raumflugkapsel Orion entwickelt. Es soll auf den europäischen unbemannten Raumfrachter ATV basieren.

          Weitere Themen

          Das Schwarze Loch regt sich

          Sagittarius A* : Das Schwarze Loch regt sich

          Das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxis war bislang friedlich. Doch es gibt Anzeichen, dass der Appetit des Masse-Kolosses auf Materie zugenommen hat. Die Deutung der jüngsten Beobachtungen ist allerdings noch umstritten.

          Skype für die Seele

          Psychotherapie trotz Covid-19 : Skype für die Seele

          Corona zehrt an den Nerven. Besonders schwer ist diese Zeit für Menschen, die schon unter Depressionen oder Angststörungen leiden. Wie funktioniert Psychotherapie in Zeiten der Pandemie?

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.