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Europäische Weltraumforschung : Hier schießt man Kresse in den Weltraum

  • -Aktualisiert am

Ab ins All mit Kresse, Mais und Barschen Bild: Swedish Space Corporation

Grüne Passagiere an Bord: Raketen im lappländischen Esrange bringen Pflanzen ins All, um deren Gedeihen in der Schwerelosigkeit zu testen. Doch wird der Start verschoben, müssen täglich neue Keime gezogen werden - dann kann Saatgut schon mal knapp werden.

          In Lappland hat es begonnen, und in Lappland liegt die Zukunft. So sehen es jedenfalls etliche europäische Weltraumforscher. Und denken dabei an Kiruna in Nordschweden und den fünfundvierzig Kilometer entfernten Raketenstartplatz Esrange der Swedish Space Corporation.

          Pfeilschnell - und das unterscheidet sie von den schweren und deshalb beim Start trägen Weltraumraketen - ist dort am vergangenen Donnerstag von Esrange aus eine weitere, die vierundvierzigste Forschungsrakete des Texus-Programms mit Schwerelosigkeitsexperimenten in den Himmel geschossen, und der nächste Start steht unmittelbar bevor.

          Grüne Passagiere an Bord

          Schon eine halbe Stunde später war die bis in 264 Kilometer Höhe getragene Raketenspitze mit der Nutzlast, in der wissenschaftliche Experimente 379 Sekunden lang der Schwerelosigkeit ausgesetzt waren, sicher gelandet, vom Hubschrauber aufgenommen und wieder auf dem Weg zum Startplatz. Jedenfalls jener Behälter mit den Keimlingen von Ackerschmalwand (Arabidopsis) und Kresse sowie den Wurzeln von Maispflanzen.

          Das Startgelände der Forschungsraketen in Esrange

          Diese pflanzlichen Passagiere waren während des schwerelosen Fluges in bestimmten Stadien fixiert, gleichsam „kaltgestellt“ worden. Zum Vergleich mit nicht der Schwerelosigkeit unterworfenen Pflanzen müssen sie innerhalb von zwei Stunden im Labor untersucht werden, bevor die Fixierung ihre Wirkung verliert. Der Rest der Nutzlast kommt mit einem zweiten Hubschrauber nach.

          Vom Polarlicht zur Schwerelosigkeit

          In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind von Esrange aus die ersten Raketen der Europäer in den Weltraum geflogen. Es war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte - nicht vergleichbar mit den Starts der großen Europa-Rakete in Woomera (Australien), die kein einziges Mal ihre richtige Bahn erreichte. Die European Space Research Organisation (Esro), eine der Vorläuferinnen der europäischen Raumfahrtbehörde Esa, hatte seinerzeit in ihren Mitgliedsländern nach einem weitgehend unbesiedelten Gelände gesucht, von wo aus Forschungsraketen für Beobachtungen oder mit Experimenten aufsteigen könnten, die während des einige Minuten dauernden Fluges ausgeführt werden sollten.

          Damals interessierte man sich vor allem für die Polarlichtforschung, für die die Regionen nördlich des Polarkreises ideal waren. 1966 ist von Esrange aus die erste Rakete gestartet worden, 1972 wurde das Gelände von Schweden übernommen. Seit damals haben sich die Interessen der Nutzer deutlich verschoben. Die Polarlichtforschung steht längst nicht mehr im Mittelpunkt der Raketenflüge, insbesondere in Deutschland hat sie der Forschung unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit Platz gemacht.

          Startrampe für Weltraumtouristen

          Für die Zukunft ergeben sich im Norden Schwedens aber noch ganz andere Perspektiven. „Virgin Galactic“ hat Kiruna entdeckt. Von 2012 an sollen - wenn nicht von Esrange, so doch vom Flughafen Kiruna aus - Touristen zu kurzen Stippvisiten in den Weltraum fliegen. Zusammen mit dem Betreiber von Esrange hat das Unternehmen dort im Januar 2006 im Beisein schwedischer Minister den „Spaceport Sweden“ begründet, und seitdem studiert es, welche Infrastruktur noch für Flüge mit dem Spaceship Two notwendig ist. Dessen Vorgänger, Spaceship One, ist das erste privat gebaute „Raumschiff“ gewesen, das einen bemannten Flug in den Weltraum angetreten hat.

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