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„Solar Orbiter“ gestartet : Die Sonne fest im Blick

  • -Aktualisiert am

„Solar Orbiter“ an Bord: Die Atlas-V-Rakete kurz nach dem Start um 5:03 Uhr von Cape Canaveral. Bild: dpa

Von Florida aus in fünfhundert Grad heiße Gefilde: Die europäische Sonde „Solar Orbiter“ ist Richtung Sonne gestartet. Sie soll den Einfluss des Gestirns auf das Weltraumwetter erkunden und die Pole der Sonne neu entdecken.

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          Es war ein perfekter Start ohne Verzögerungen. Exakt zum Beginn des angekündigten Startfensters am Montagmorgen um 5.03 Uhr mitteleuropäischer Zeit stieg vom Space Launch Complex 41 in Cape Canaveral die Mission „Solar Orbiter” der europäischen Weltraumorganisation Esa an Bord einer Atlas V Rakete in den Nachthimmel über Florida auf, um kurz danach in einem spektakulären Himmelsarrangement unterhalb des fast vollen Monds in der Dunkelheit zu verschwinden — ein einmaliger Anblick, wie auch diejenigen Zuschauer bestätigten, die schon viele Raketenstarts gesehen hatten. Eine knappe Stunde nach dem Start trennte sich die Sonde von der Rakete und sandte wenige Minuten später das erste Signal nach Darmstadt. Gefeiert wurde bei Esa aber erst, als die Sonde 76 Minuten nach dem Start ihre Solarpanele geöffnet hatte — zu dem Zeitpunkt also, als klar war, dass die Mission erfolgreich ihre Reise in Richtung Sonne aufnehmen würde.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Start der Mission hatte ursprünglich bereits am vergangenen Mittwoch stattfinden sollen. Die Generalprobe des Starts, eine vollständige Simulation des Countdowns, hatte aber eine zusätzliche technische Inspektion der Rakete notwendig gemacht. Eine weitere Verschiebung ergab sich aus einem konkurrierenden kommerziellen Start von einem nahegelegenen Startplatz und ungünstigem Wetter.

          Die Sonnenmission ist das erste Projekt mittlerer Größe der 2005 von der Esa verabschiedeten „Cosmic Vision”, in der die wissenschaftlichen Ziele für die Jahre 2015 bis 2025 formuliert wurden. Implementiert wurde es in Kooperation mit der Nasa, die mit der United Launch Alliance für den Start verantwortlich war. Die Mission soll helfen, zu verstehen, wie die Sonne anhand ihres Windes und ihrer Aktivität das Sonnensystem beeinflusst — eine Frage, die letztendlich im Kontext der Vorhersage des Weltraumwetters angesichts der aus gesteigerter Sonnenaktivität immer wieder folgenden Störungen irdischer Technologien auch hohe praktische Relevanz besitzt.

          „Wir können uns glücklich schätzen, diese Mission zu launchen“, hatte Thomas Zurbuchen als Wissenschaftsdirektor der Nasa am Nachmittag vor dem Start gesagt, „Wissenschaft verbindet, und Zusammenarbeit macht uns stärker”. Das gilt nicht nur für die Kooperation im Rahmen des Solar Orbiter Projektes. Tatsächlich wird der Solar Orbiter auch die jüngste Sonnenmission der Nasa, die Parker Solar Probe (PSP), in vieler Hinsicht komplementieren. Die PSP wurde 2018 gestartet, um durch die äußersten Atmosphärenschichten der Sonne zu fliegen und dort Messdaten zu sammeln. Während die PSP aber keine Kameras an Bord hat, wird der Solar Orbiter aus größerer Entfernung neben Messungen an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort auch die äußeren Schichten der Sonne beobachten können — und damit als „Auge“ der PSP fungieren.

          Europa in Florida am Start.

          Auch die Perspektive des Solar Orbiters auf die Sonne unterscheidet sich von den meisten seiner Vorgängermissionen: Die Umlaufbahn der Sonde wird unter Nutzung der Gravitationsfelder von Erde und Venus aus der Ekliptik, der Ebene in der die Planeten um die Sonne laufen, immer weiter herausbewegt werden. Dadurch wird die Sonde gegen Ende der Mission zum ersten Mal Aufnahmen der Pole der Sonne machen können. Solar Orbiter führt zehn verschiedene Instrumente an Bord, an sechs davon sind deutsche Wissenschaftler beteiligt. „Jedes dieser verschiedenen Instrumente hat seine eigenen Spezifika. Es ist wie ein Orchester. Jedes Instrument hat einen anderen Klang und zusammen spielen sie die Musik“, sagte der Esa-Direktor für Wissenschaft Günther Hasinger. Das Einzigartige am Solar Orbiter sei, dass so viele Messungen gleichzeitig durchgeführt werden können, deren Informationen schließlich kombiniert werden.

          Die Mission stellte die Instrumentenentwickler dabei vor einige Herausforderungen. Nicht nur mussten teils konkurrierende Anforderungen der Instrumente vereinbart werden, auch Beschränkungen in der Datenübertragung der Sonde, die sich weit von der Erde entfernt und sich teilweise sogar jenseits der Sonne aufhält, erforderten innovative technologische Konzepte. Wie gut die Instrumente den extremen Bedingungen auf der Reise um die Sonne standhalten können — die Temperaturen werden sich zwischen minus 200 und plus 500 Grad Celsius bewegen — werden die Wissenschaftler allerdings erst im Laufe der Zeit sehen. Die ersten vier Instrumente werden im Mai vollständig einsatzfähig sein, bis die Kameras in Betrieb genommen werden können, wird es noch bis Ende kommenden Jahres dauern.

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