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Esa startet Sentinel-Satellit : Ein neues Bild der Erde

Schon bald wird Sentinel-2A spektakuläre Bilder liefern - Esa-Symbolbild Bild: ESA/ATG medialab

Die europäische Weltraumorganisation Esa will einen Satelliten ins All schießen, der Maßstäbe setzen soll. Noch nie zuvor konnten so schnell so große Gebiete der Erde in einer so hohen Qualität aufgenommen werden. Der Satellit soll sogar das Unsichtbare sehen.

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          In Kourou läuft der Countdown. Wenn an diesem Dienstag um 3.52 Uhr MESZ (10.52 Uhr Ortszeit) die kleine Vega-Rakete der europäischen Weltraumbehörde ESA in Französisch-Guayana mit dem neuen Erdbeobachtungssatelliten Sentinel-2A abhebt, soll  ein ganz neuer Blick auf die Erde möglich werden. Noch nie konnte ein Satellit so schnell so große Gebiete auf der Erde in einer so hohen Qualität und Farbigkeit fotografieren wie der erste optische Abbildungssatellit des Copernicus-Programmes der Europäischen Union. Vor einem Jahr startete mit dem Radar-Satelliten Sentinel-1A der erste von insgesamt zehn Wächtern (englisch Sentinel).

          Satellit ins All geschossen : ESA schickt zweiten Umweltsatelliten ins All

          Cai Tore Philippsen
          Verantwortlicher Redakteur für die Redaktion FAZ.NET

          Einen 290 Kilometer breiten Streifen auf der Erdoberfläche nach dem anderen filmt der Satellit aus dem erdnahen Orbit in 786 Kilometern Höhe, 100 Minuten benötigt er für eine Erdumrundung. Nach zehn Tagen überfliegt er den gleichen Ort abermals. Wenn sein Zwillingsbruder Sentinel-2B im Jahr 2016 ebenfalls die Erde umrundet, wird jeder Ort nach nur fünf Tagen wieder fotografiert. So lassen sich Veränderungen schnell dokumentieren.

          Bilderstrecke

          Als nach dem Beben in Nepal unklar war, welche Straßen frei für die Lastwagen der Hilfsorganisationen waren und wo nur noch ein Hubschrauber die notleidenden Menschen erreichen konnte, war Geduld gefragt. In Zukunft soll Sentinel mit schnellen Bildern helfen. Auch beim nächsten großen Rhein-Hochwasser könnten Sentinel-Aufnahmen helfen. 360 Millionen Euro kosteten die Entwicklung und der Bau der beiden Satelliten. Sieben Jahre haben die Airbus-Ingenieure hauptsächlich in Friedrichshafen und Toulouse getüftelt und mindestens genauso lange soll Sentinel-2A seine Arbeit im All verrichten.

          Die 13 abgedeckten Farbspektren reichen vom sichtbaren Spektrum bis in den für das menschliche Auge unsichtbaren Infrarotbereich. Die Kamera kann beispielsweise erkennen, wie hoch der Chlorophyll- oder Wassergehalt in Pflanzenblättern ist. Die Information können Landwirte bei der Bewässerung berücksichtigen.

          Auch bei der Bildauflösung setzt der Satellit Maßstäbe. Während er mit einer Geschwindigkeit von sieben Kilometern pro Sekunde um die Erde rast, wird immer wieder ein 30.000 Pixel breiter und ein Pixel hoher Streifen belichtet, erläutert Albert  Zaglauer von Airbus Defence and Space. Anders als bei einer Digitalkamera wird nicht das ganze Bild gleichzeitig belichtet, sondern immer nur ein kleiner Streifen – in der besten Auflösung wird ein Pixel auf dem Bildschirm zehn Meter auf der Erde abbilden. Danach werden die dünnen Streifen zu einem Bild zusammengesetzt. Auch der Wandel im Kleinen ist so zu sehen.

          Zum Vergleich: Der amerikanische Erdbeobachtungssatellit Landsat kann nur einen 80 Kilometer breiten Streifen aufnehmen, seine beste Auflösung endet bei 30 Metern und er hat nur acht Farbkanäle.

          Andere Satelliten können zwar noch genauer hinschauen und so militärische Aufklärung unterstützen. Doch die konzentrieren sich bei ihrer Spionage nur auf kleine Ausschnitte der Landkarte für einen kurzen Zeitraum. Sentinel-2A will das ganze Bild der Erde, soll die großen Veränderungen des Klimas und der Vegetation beobachten. Frei zugänglich für Forscher, Landwirte, Küstenschützer oder Katastrophenhelfer aus den am Esa-Programm der Europäischen Kommission beteiligten Staaten.

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