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Esa-Ministerratstreffen 2019 : Kursbestimmung für Europas Raumfahrt

Das Lunar Orbital Platform-Gateway: Ein Orion-Raumschiff mit einem europäischen Versorgungsmodul nähert sich von links der Raumstation. Bild: Nasa

In Sevilla tagen noch bis Donnerstag die Abgeordneten der 22 Mitgliedsländer der Esa. Sie entscheiden über Europas ambitionierte Raumfahrtpläne. Die Wunschliste ist lang, doch die Mittel knapp.

          3 Min.

          Europas Raumfahrer haben große Pläne. Die Erkundung von Mond und Mars, neue große Weltraum-Teleskope, der Ausbau der Erdbeobachtung sowie Programme zur Asteroidenabwehr und zum besseren Schutz vor Weltraummüll stehen ebenso auf dem Wunschzettel wie die weitere Finanzierung der Internationalen Raumstation ISS. Ob diese Wünsche auch in Erfüllung gehen, wird derzeit in Sevilla entschieden. Dort tagen noch bis morgen die Minister und andere Vertreter der 22 Mitgliedsländer der Europäischen Weltraumagentur (Esa). Sie verhandeln und entscheiden über die europäischen Raumfahrtprogramme und deren Finanzierung in den kommenden Jahren.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Gleich zu Beginn der Ministerratskonferenz, am Mittwochmorgen, forderte der Generaldirektor der Esa, Jan Wörner, mehr Geld von den 22 Mitgliedsländern für die Finanzierung der gemeinsamen Raumfahrt-Projekte. Wörner strebt eine Erhöhung des Budgets um mindestens zehn Prozent an. Die Esa hat 2019 einen Gesamtetat von 5,72 Milliarden Euro, der zu 73 Prozent von den Mitgliedsländern finanziert wurde. Dabei ist Deutschland mit 927 Millionen Euro nach Frankreich (1,2 Milliarden Euro) der zweitgrößte Beitragszahler. Hinzu kommen Beiträge von der EU. Ob Wörner auf offene Ohren gestoßen ist, wird man erst morgen erfahren. Großbritannien hat im Vorfeld bereits eine Erhöhung seiner Beiträge angekündigt, wie die BCC berichtet.

          Vor drei Jahren hatten die Mitgliedsländer auf der Ministerratskonferenz in Luzern 10,3 Milliarden Euro bewilligt. Die Programme der Esa, die jetzt in Sevilla zur Entscheidung anstehen, haben einen Umfang von 12,5 Milliarden Euro. Doch ist klar, dass die Esa mit Abstrichen bei ihren Vorhaben rechnen muss.

          Europa nimmt Kurs auf Mond und Mars

          Ein wichtiger Tagesordnungspunkt in Sevilla ist die europäische Beteiligung am „Artemis“-Programm der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa. Im Jahr 2024 sollen nach den derzeitigen Plänen von Präsident Donald Trump wieder amerikanische Astronauten auf dem Mond landen. Die Esa wird zwei Servicemodule für das Raumschiff „Orion“ beisteuern – eines ist bereits ausgeliefert worden. Hinter dem Engagement verbirgt sich die Hoffnung, dass auch europäische Astronauten einmal zum Mond fliegen und auf dem Trabanten landen werden.

          Esa-Ministerratskonferenz 2016 in Luzern

          Mit eigenen Modulen will sich Europa auch am Aufbau des geplanten „Lunar Orbital Platform-Gateway“ – einer Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes – beteiligen. Das Gateway gilt als Nachfolger der Internationalen Raumstation und als Ausgangsbasis für künftige bemannte Missionen zum Mond und zum Mars.

          Nasa und Esa planen auch eine unbemannte Mission zum Roten Planeten. Ein  Rover soll Gesteinsproben einsammeln, die von einer Raumsonde dann zur Erde gebracht werden, um sie in irdischen Laboren zu untersuchen. Umfang der Explorations-Vorhaben zum Mond und zum Mars: zwei Milliarden Euro.

          Ein zweiter Punkt auf der Wunschliste der Esa ist der Ausbau des Satellitennavigations-Systems „Galileo“ und des Erdbeobachtungs-Programms „Copernikus“. Hierfür hat die Esa 2,4 Milliarden Euro veranschlagt. Geplant sind unter anderem sechs weitere Copernikus- Satelliten. Sie sollen die bestehende Flotte der Satelliten vom Typ „Sentinel“ im Erdorbit ergänzen. Man erhofft sich noch genauere Fernerkundungsdaten über Ozeane, Landoberflächen, Atmosphäre und Klima und damit ein besseres Bild vom Zustand der Erde.

          Das wissenschaftliche Programm der Esa für die kommenden Jahre hat den derzeitigen Plänen nach einen Umfang von 2,8 Milliarden Euro. Den größten Anteil verschlingen das geplante Röntgenteleskop „Athena“ und das weltraumgestützte Interferometer „Lisa“. Letzteres soll Gravitationswellen aus dem Tiefen des Weltraums nachweisen und unter anderem Signale registrieren, die vom Urknall und der Epoche danach herrühren. Nach den Wünschen der Esa sollen Athena und Lisa gleichzeitig auf den Weg gebracht werden. Ob das auch im Sinne der Minister ist, wird man morgen erfahren.

          Asteroiden und Weltraummüll

          Esa-Chef Jan Wörner liegt darüber hinaus ein weiteres Thema am Herzen, das der Weltraumsicherheit. Darunter fällt der Aufbau eines Systems zur Beobachtung und zur Abwehr von Asteroiden, die der Bahn der Erde gefährlich nahe kommen und womöglich mit ihr kollidieren. Eine Netz irdischer Teleskope soll den Himmel nach solchen Himmelskörpern absuchen. Mit einer Raumsonde will man testen, ob es prinzipiell möglich ist, einen Asteroiden aus seiner Bahn zu lenken und so eine mögliche Kollision mit der Erde zu verhindern.

          Zu den Risiken der Raumfahrt gehört auch zunehmend der Weltraummüll. Es seien rund 3000 von insgesamt 4500 Satelliten nicht mehr aktiv und stellten eine „sehr große Gefahr“ für aktive Satelliten dar und mittlerweile auch für startende Raketen, sagte Wörner in seiner Eröffnungsrede in Sivilla. Man müsse „alles, was da oben an Schrott kreist, herunterholen“, forderte er. Zweitens müsse überlegt werden, wie es sich in Zukunft
          vermeiden lässt, dass weiterer Schrott entsteht. Auf der Agenda steht die Entwicklung von Technologien, die Kollisionswarnungen automatisieren, präzise Bahndaten der havarierten Objekte liefern oder anderweitig helfen, Weltraumschrott zu reduzieren oder gar zu entfernen.

          Die Weltraumsicherheit stand vor drei Jahren in Luzern schon einmal auf der Tagesordnung. Es gab aber keine Finanzierungszusage von den Mitgliedsländern der Esa. In Sevilla will man einen neuen Anlauf wagen.

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