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Esa-Landegerät : „Schiaparelli“ auf Marsoberfläche aufgeschlagen

  • Aktualisiert am

So war es geplant: Eine Illustration zeigt das Schiaparelli-Modul kurz vor der Landung auf der Oberfläche des Mars. Bild: dpa

Mit mehr als 300 Kilometern in der Stunde ist die Raumsonde „Schiaparelli“ auf der Marsoberfläche aufgeprallt. Das könnte Folgen für die ExoMars-Mission 2020 haben – die Landung der Sonde war erst der Testlauf.

          Das erste europäisch-russische Mars-Landegerät ist mit zu hoher Geschwindigkeit auf dem Roten Planeten aufgeschlagen. Die Sonde „Schiaparelli“ sei mit einer Geschwindigkeit von mehr als 300 Stundenkilometer auf der Oberfläche angekommen, teilte das Kontrollzentrum in Darmstadt mit.

          „Das ist traurig, aber wir müssen feststellen, dass die Sonde nicht erfolgreich gelandet ist“, sagte Jan Wörner, Chef der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Es sei sogar möglich, dass das Landegerät beim Aufprall explodierte, teilte das Kontrollzentrum in Darmstadt mit.

          Die Funksignale waren kurz vor der erwarteten Landung auf der Ebene Meridiani Planum unweit des Marsäquators abgebrochen. "Es ist klar, dass das kein gutes Zeichen ist", räumte der Leiter des ESA-Missionsbetriebs, Paolo Ferri, bereits am Mittwochabend ein. Stunden später deutete schon einiges daraufhin hin, dass der Lander der europäisch-russischen Mission ExoMars 2016 in der letzten Landephase nicht ausreichend abgebremst wurde: Womöglich wurde "Schiaparellis" Fallschirm zu früh abgeworfen, und auch die Bremsraketen könnten sich schneller abgeschaltet haben als vorgesehen.

          Fehlschlag Nummer zwei

          Allerdings ist derzeit auch noch ungeklärt, unter welchen Wetterbedingungen "Schiaparelli" auf dem Roten Planeten niederging, wie der Leiter der ESA-Planetenmissionen, Andrea Accomazzo, zu bedenken gab.

          So sehr sich die ESA-Führung am Donnerstag auch bemühte, einer möglichen Crash-Landung der kleinen Testsonde auch positive Seiten durch technischen Erkenntniszugewinn abzuringen - als erste Erkenntnis dürfte vor allem feststehen, dass die europäische Raumfahrt auch im zweiten Anlauf offenbar keine funktionsfähige Sonde auf dem Mars absetzen konnte.

          Fehlschlag Nummer eins liegt bereits fast 13 Jahre zurück: Zu Weihnachten 2003 hätte die europäische Marssonde "Beagle 2" auf unserem Nachbarplaneten landen sollen. Doch nach der Trennung von ihrer Muttersonde "Mars Express" gab "Beagle 2" kein Lebenszeichen mehr von sich. Jahrelang war völlig unklar, was mit dem Landegerät geschehen war und ob es überhaupt den Mars erreicht hatte.

          Gescheiterte Generalprobe für ExoMars-Mission

          Erst im Januar 2015 wurde die verschollene Sonde entdeckt - auf Bildern der Nasa-Sonde Mars "Reconnaissance Orbiter" von der Marsoberfläche. "Wenigstens gab es eine Landung auf dem Mars", sagte der damalige ESA-Chef Jean-Jacques Dordain nach dem Wiederauftauchen von "Beagle 2".

          Fraglich ist allerdings, was eine mögliche Bruchlandung der 600-Kilo-Sonde für die in vier Jahren geplante zweite ExoMars-Mission 2020 bedeutet. Denn "Schiaparelli" soll der Testlauf für die bereits einmal verschobene Landung des ersten europäischen Forschungsrovers auf dem Mars sein. Und eine gelungene Generalprobe sieht anders aus.

          Viele Marslandungen sind schon gescheitert

          Bislang gelang es nur den Vereinigten Staaten, funktionierende Rover auf dem Roten Planeten zu platzieren - zuletzt mit der spektakulären und technisch höchst anspruchsvollen Landung des Nasa-Marsrovers "Curiosity" im August 2012. Eine Vielzahl von Landungen auf dem Mars scheiterte hingegen, was vor allem mit der dünnen Atmosphäre unseres Nachbarplaneten zu tun hat.

          Die dünne Lufthülle des Mars bewirkt nämlich einerseits, dass Fallschirme nur eine begrenzte Bremswirkung bei der Landung einer Sonde entfalten. Andererseits ist die Marsatmosphäre aber dick genug, um einem Raumschiff beim Eintauchen mit großer Geschwindigkeit kräftig einzuheizen - die Sonde muss also mit schweren Hitzeschilden ausgerüstet werden.

          Letztlich kann eine Marslandung nur gelingen, wenn Schutzschild, Fallschirm und zuletzt auch die Bremsraketen des Raumfahrzeugs auf seinem Höllenritt zur Marsoberfläche nacheinander perfekt funktionieren. Bei "Schiaparelli" war dies offenbar nicht der Fall.

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