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Teure Raumfahrt : Die Esa will mehr Geld

Soll 2020 zu ihrem Jungfernflug starten: Die neue Trägerrakete Ariane-6.4 (hier mit vier Boostern). Bild: Esa

Die europäische Raumfahrtagentur Esa will mehr Geld für ihre künftigen Projekte und Missionen.Werden die 22 Mitgliedstaaten zustimmen, wenn der Ministerrat Anfang Dezember in Luzern tagt?

          Rund elf Milliarden Euro benötigt die europäische Raumfahrtagentur Esa in den kommenden Jahren für ihre anstehenden Projekte und Missionen. Das hat Esa-Generaldirektor Jan Wörner in Paris im Vorfeld der Ministerratskonferenz Anfang Dezember in Luzern bekannt gegeben. Mit den Mitteln, die vor allem die 22 Mitgliedstaaten aufbringen müssten, will man unter anderem die Beteiligung an der Internationalen Raumstation ISS über das Jahr 2020 hinaus finanzieren, vor allem aber auch den zweiten Teil der ExoMars-Mission auf den Weg bringen.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Weil mit der Summe Programme von unterschiedlicher Dauer finanziert würden, könnte man die elf Milliarden Euro nicht gleichmäßig auf einen einheitlichen Zeitraum umrechnen, erklärte Wörner. Die Pläne entsprächen einem jährlichen Budget von etwa 3,5 Milliarden Euro - hinzu kämen Gelder von der EU-Kommission. Im vergangenen Jahr belief sich das Esa-Budget auf 4,4 Milliarden Euro.

          Zukunft der ISS und von ExoMars sichern

          Rund 800 Millionen Euro kämen der europäischen Beteiligung an der ISS zugute, die noch bis zum Jahr 2024 um die Erde kreisen und dann ihren Betrieb einstellen soll. Bislang ist das europäische Engagement nur bis 2020 gesichert. In Luzern will die Esa über eine Verlängerung um vier Jahre entscheiden. Die Esa wolle bei einem positiven Beschluss ein neues Servicemodul für die Station bauen. Wörner warb auch für die Fortführung des europäisch-russischen Gemeinschaftsprojekts ExoMars, dessen zweite Phase mit dem Start eines Rovers zum Roten Planeten in vier Jahren beginnen soll.

          Seit 1. Juli 2015 Generaldirektor der Esa: Jan Wörner

          Die ExoMars-Mission hat mit dem Absturz des Landemoduls „Schiaparelli“ auf dem Planeten vor zwei Wochen einen Dämpfer erhalten. Mit Schiaparelli wollte man wichtige Erfahrungen für die geplante Landung des ExoMars-Rovers sammeln. Die jetzt geforderte Summe habe aber nichts mit dem Absturz des Landemoduls zu tun, war auf Nachfrage aus Paris, dem Hauptsitz der Esa, zu erfahren.

          Wie teuer wird ExoMars Teil 2?

          „Ich hoffe, wir können die Mitgliedstaaten überzeugen, dass wir weitermachen“, sagte Wörner in Paris. Ursprünglich sollte der Forschungsroboter bereits in zwei Jahren landen. Durch die Verzögerung sind bereits Mehrkosten von schätzungsweise 300 Millionen Euro entstanden, die noch nicht bewilligt worden sind. In Paris wollte Wörner keinen endgültigen Betrag nennen und verwies auf eine laufende Überprüfung. Die Summe soll Ende des Monats feststehen.

          Der Rover der europäisch-russischen ExoMars-Mission soll 2020 auf dem 
Roten Planeten landen.

          Besorgt äußerte der Esa-Chef sich über die Pläne Norwegens, seinen Beitrag zu europäischen Raumfahrtprogrammen zu kürzen. Nach Angaben des norwegischen Zentrums für Raumfahrt plant das Land, die Mittel für die freiwilligen Programme der Esa um 75 Prozent zu kürzen. „Das macht uns natürlich sehr nervös“, sagte Wörner.

          Grünes Licht für Ariane 6

          Die Finanzierung eines Großprojekts der Esa ist seit gestern gesichert. Die europäische Raumfahrtagentur hat das Geld für die Entwicklung der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6 komplett freigegeben. Am Mittwoch (9.11.2016) unterzeichneten Esa und Hersteller Airbus Safran Launchers (ASL) in Paris einen Vertrag, der das Programm bestätigt und die zweite Finanztranche von 1,7 Milliarden Euro freigibt. Damit stehen bis 2023 insgesamt rund 2,4 Milliarden Euro öffentlicher Mittel für die Entwicklung der Ariane 6 zur Verfügung, 680 Millionen Euro waren bereits im vergangenen Jahr von der Mitgliedstaaten der Esa gebilligt worden. 400 Millionen Euro steuern die Industriepartner bei.

          Der Nachfolger der Ariane 5 soll pro Kilogramm Fracht bis zu 50 Prozent günstiger sein. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Weltraumindustrie gegenüber neuen Konkurrenten wie dem amerikanischen Unternehmen SpaceX zu sichern. Außerdem will Europa seinen eigenen Zugang zum All sichern. Der erste Flug der Ariane 6 ist für 2020 angesetzt.

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