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Bürgerdebatte zur Raumfahrt : Sagt mir, was ihr denkt!

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Ob das auch den europäischen Bürgern gefällt? Bei der Esa arbeiten die Wissenschaftler an den Plänen für eine Mondbasis. Bild: Esa

Die Esa will Europas Bürger nach ihren Raumfahrtvisionen befragen. Eine offene Bürgerdebatte, die in einer Woche in mehreren Ländern stattfindet. Eine Premiere. Für den deutschen Esa-Chef Jan Wörner ein zentraler Baustein der Raumfahrtpolitik, wie er im Interview erläutert.

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          Herr Wörner, am 10. September wird die Esa in 22 Mitgliedsländern erstmals Bürger zu einer Debatte rund um die Raumfahrt einladen. Was werden Sie die Menschen fragen?

          Es geht weit mehr als nur um eine Befragung. Es geht um eine Diskussion, europaweit, auch „Citizens Debate“ genannt. Wir wollen mit der Bürgerdebatte einen umfassenden Partizipations-Diskussions-Prozess anstoßen. Die Menschen, die zusammenkommen, sollen offen über Raumfahrt diskutieren. Wir wollen von den Teilnehmern erfahren, was sie als wichtig und notwendig in der Raumfahrt in Europa ansehen.

          Nach welchen Kriterien werden die Teilnehmer ausgewählt?

          Wir gehen nach zwei Grundprinzipien vor: Wir wollen, dass die Gesellschaft möglichst repräsentativ abgebildet wird und keine Bevölkerungsgruppe oder Berufsgruppe dominiert. Akademiker, Handwerker, Arbeiter, Rentner, Studenten, Schüler, ältere und jüngere Menschen, Frauen und Männer, alle Menschen sind gefragt, nicht nur die klassischen „Raumfahrt-Fans“.

          Seit 1. Juli 2015 Generaldirektor der Esa: Jan Wörner

          Wie viele Menschen haben sich in Deutschland bereits beworben?

          Es waren Anfang dieser Woche bereits mehr als vierhundert Anmeldungen.

          Pro Land sind nur etwa hundert Personen zugelassen? Warum dürfen nicht mehr Bürger mitreden?

          Bei 22 Mitgliedstaaten haben wir schon 2200 Bürger und Bürgerinnen. Das ist schon eine recht große Zahl. Wir wollen ja, dass die Leute miteinander diskutieren, und wir wollen verwertbare Ergebnisse erhalten. Die Citizens Debate ist ein Experiment, das wir zum ersten Mal ausrichten. Deshalb starten wir mit etwa 100 Personen pro Land.

          Wie wird die Bürgerdebatte beispielsweise am Europäischen Satelliten Kontrollzentrum (Esoc) in Darmstadt ablaufen?

          Wie wir am besten vorgehen, haben wir in der Esa intensiv diskutiert. Dass es keinen Sinn hat, eine Straßenumfrage zu machen, war von Anfang an klar. Wir wollen möglichst professionell vorgehen und haben uns stark an der Bürgerdebatte orientiert, die im vergangenen Jahr im Rahmen der internationalen Klimakonferenz COP21 in Paris veranstaltet wurde. Wir werden am 10. September gleichzeitig in allen Mitgliedstaaten eine von einem unabhängigen Moderator geleitete Debatte führen. Am Anfang wird es für alle eine Einführung in das Thema Raumfahrt geben, und dann wollen wir in die Debatte einsteigen. Die tieferen Diskussionen können an den verschiedenen Standorten natürlich unterschiedlich verlaufen.

          Die Raumfahrt genießt in der Öffentlichkeit von jeher eine große Akzeptanz. Was ist die Motivation hinter der Bürgerbefragung?

          Uns geht es nicht darum, positive Stimmung für die Raumfahrt zu machen. Wir wollen von den Bürgern und Bürgerinnen objektiv erfahren, was sie von der Esa halten und für richtig halten und was ihnen für die Zukunft wichtig ist. Die Ergebnisse, die nach einer soliden wissenschaftlichen Methode generiert werden, werden für mich und meine Arbeit in der Esa Konsequenzen haben.

          Die 3 Komponenten von ExoMars: Raumsonde „Trace Gas Orbiter“ (Ankunft 19. Okrober), Landemodul „Schiaparelli“ (Landung 19. Oktober 2016) und Marsrover (Start 2020)

          Man könnte argwöhnen, die Esa wolle mit der Veranstaltung für sich werben und ihre Projekte und ihre ambitionierten Missionen - Stichwort Mondbasis und Marsreisen - legitimieren.

          Es ist natürlich meine Aufgabe als Generaldirektor, immer für die Belange der Esa und deren Missionen zu werben. Es wäre mir aber zu kurz gegriffen, wenn diese Bürgerdebatte nur eine kurzfristige Werbemaßnahme ist. Ich glaube, dass sie von ihrer Struktur her so angelegt ist, dass sie zunächst erstmal spannende Informationen liefert. Und wenn wir anhand dieser Informationen die Projekte und Missionen der Esa entsprechend gestalten und wir am Ende in der Bevölkerung eine größere Unterstützung finden, dann ist das eine großartige Sache.

          Wann wurde die Idee geboren?

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