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Esa : Auf dem Titan: Methan und kein Ende

  • -Aktualisiert am

Wasserreiche Mineralien-Vorkommen auf dem Mars Bild: Esa

Manche Vorstellungen vom Saturnmond Titan sind durch die Mission der Raumsonde Huygens bestätigt, andere dagegen widerlegt worden. Forscher vermuten, daß der Boden des Mondes eine Mischung aus Eissplittern beinhaltet.

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          Als die europäische Raumsonde Huygens Weihnachten vergangenen Jahres mit einer Geschwindigkeit von knapp fünf Metern pro Sekunde auf dem Saturnmond Titan aufsetzte, der ein wenig größer als der Planet Merkur ist, traf sie einen Boden mit der Konsistenz feuchten Sandes oder Tons an. Darauf deuten zumindest die Meßdaten verschiedener Instrumente hin. Die Forscher vermuten, daß es sich bei dem Boden um eine Mischung aus Eissplittern, aus der Atmosphäre niedergerieselten Aerosolen und ein wenig Flüssigkeit - wahrscheinlich Methan - handelt. Das Reflexionsspektrum weist auf die Anwesenheit von gefrorenem schmutzigem Wasser hin.

          Die Sonde ist offenbar ungefähr zehn Zentimeter tief in diesen Boden eingedrungen, nachdem sie vorher wohl einen der herumliegenden Eisbrocken gestreift hat. Diese Deutung legen jedenfalls die Beschleunigungsmessungen nahe. Gleich nach der Landung haben die Spektrometer an Bord einen sprunghaften Anstieg des vorher allenfalls minimalen Methangehalts auf ein verhältnismäßig hohes Niveau registriert, das bis zum Ende der Datenübertragung erhalten blieb. (Kurz danach wurden auch andere organische Verbindungen registriert, die man noch nicht einmal aus der Atmosphäre des Titans kannte.)

          Durch die Wärme der Sonde war das Methan aus dem kalten Boden entwichen. Aus den Daten leiteten die Forscher eine relative Methan-Feuchte von etwa fünfzig Prozent ab. An der Oberfläche des Titans ist die „Luft“ also nicht knochentrocken, aber doch immerhin so trocken, daß sich kein Bodennebel bildet.

          Vorstellungen nur teilweise bestätigt

          Manche Vorstellungen vom Titan sind durch die Huygens-Mission bestätigt, andere dagegen widerlegt worden, wie die beteiligten Forscher jetzt in mehreren Artikeln in der Zeitschrift „Nature“ schreiben. Die Wissenschaftler sind an diesem Himmelskörper besonders interessiert, weil er das einzige Objekt im Sonnensystem ist, das wie die Erde eine von Stickstoff dominierte Atmosphäre hat. Wegen seiner großen Masse und seiner außerordentlich niedrigen Temperatur - minus 180 Grad Celsius am Boden - ist diese Atmosphäre sogar zehnmal so mächtig wie die irdische und praktisch frei von Wasserdampf.

          Weil Wasser bei den niedrigen Temperaturen als Quelle für Sauerstoff entfiel, dürften auf dem Titan über Milliarden von Jahren von Wasserstoff dominierte Zustände geherrscht haben. Der Kohlenstoff ist deshalb in dieser Atmosphäre nicht in Kohlendioxyd, sondern in Methan gebunden. Aus diesem Molekül entstehen durch photochemische Reaktionen andere organische Verbindungen, die in größerer Höhe als Aerosole eine dichte Dunstschicht haben entstehen lassen. Die Forscher hatten geglaubt, daß dieser Dunst nur sechzig Kilometer weit an die Mondoberfläche heranreichen würde. Aber erst in vierzig Kilometer Höhe hatte sich der Dunst so weit aufgelöst, daß Huygens' Kameras den Boden erfassen konnten. Die Aerosole fallen als eine Art organischer Regen langsam zu Boden, wo sie möglicherweise die oberste, bis zu einem Kilometer mächtige Schicht prägen.

          Schmale „Rillen“

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