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Raketenrecycling : Knapp vorbei ist auch daneben

  • -Aktualisiert am

Am Cape Canaveral: Der Start der Falcon 9 verläuft in schönster Form. Bild: AP

Space-X schickt eine Versorgungskapsel zur Raumstation ISS. Der außergewöhnliche Landeversuch der Trägerrakete ist jedoch gescheitert. Trotz allem gibt es Grund zur Hoffnung.

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          Recycling ist keine Vokabel aus der Raumfahrt. Tausende Flugkörper wurden seit dem Beginn der Orbitalflüge vor 57 Jahren nur ein einziges Mal verwendet. Satelliten verglühten am Ende ihrer Dienstzeit in der Erdatmosphäre, Raketenteile gingen nach dem Start im Ozean nieder. Nur die Flotte amerikanischer Raumtransporter, inzwischen in Rente geschickt, ließ sich wiederverwenden. Sogar die mit festem Treibstoff betriebenen Booster-Raketen, ohne die kein Shuttle-Start möglich war, wurden nach jedem Einsatz aus dem Wasser vor Cape Canaveral gefischt, generalüberholt und bei späteren Flügen wieder benutzt.

          Elon Musk, der umtriebige kalifornische Geschäftsmann, ist nun dabei, das Recycling auch in der Raumfahrt einzuführen – mit seinen Unternehmen will er nicht nur Geld verdienen, sondern auch die Umwelt retten. Den ersten Schritt in diese Richtung wollten die Ingenieure seines Unternehmens Space-X am Samstag tun. Dabei waren sie allerdings nicht erfolgreich. Um kurz vor fünf Uhr morgens (Ortszeit) startete eine von Space-X gebaute Trägerrakete vom Typ Falcon9 vom Weltraumbahnhof am Cape Canaveral. An der Spitze der zweiten Raketenstufe befand sich eine ebenfalls von Space-X entwickelte Dragon-Kapsel, die mit zweieinhalb Tonnen Versorgungsgütern an Bord zur Raumstation (ISS) fliegen sollte.

          Nach der Landung zerbrach die Rakete

          Nachdem knapp drei Minuten nach dem Start der Treibstoff der ersten Raketenstufe verbraucht war, trennten sich wie geplant die Wege von Dragon und Falcon 9. Während die Kapsel von der zweiten Raketenstufe in Richtung ISS geschossen wurde, raste die nun antriebslose erste Stufe auf einer parabelförmigen Flugbahn zurück zur Erde. Wie die Raketenstufen aller anderen bisher gestarteten Träger, von der riesigen Mondrakete Saturn V über die europäische Ariane bis zu den russischen Sojus- und Angara-Raketen, wäre auch Falcon 9 in den Atlantik vor Florida gestürzt, beim Aufprall zerbrochen und dann untergegangen.

          Raumfrachter Dragon der amerikanischen Firma Space-X

          Musk wollte es jedoch anders: Er ließ einen 100 Meter langen und 30 Meter breiten Seeleichter bauen, der am Ende der Parabelbahn auf dem Meer trieb. Anstatt nutzlos im Ozean zu zerschellen, sollte die Raketenstufe in senkrechter Position auf der schwimmenden Plattform landen. Vor dem Flug verglich ein Sprecher von Space-X eine solche Landung mit dem Balancieren eines aus Gummi bestehenden Besenstiels bei einem schweren Orkan.

          Obwohl dieser Balanceakt am Samstagmorgen misslang, gibt dieser erste Test dennoch Anlass zur Hoffnung. Der Rakete gelang es nämlich, die Plattform zu finden und sich selbst durch die Zündung kleiner Triebwerke in die geforderte senkrechte Position zu bringen. Anstatt aber sanft auf dem Seeleichter aufzusetzen, gab es eine harte Landung, und die Rakete zerbrach. „Knapp vorbei ist auch daneben“, schrieb Musk auf Twitter. Beim nächsten Flug werde man es noch einmal versuchen.

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