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Schutz fremder Himmelskörper : Die erstaunliche Robustheit von Erdmikroben

Viel sauberer als eine Smartphone-Kamera: Der „Perseverance“-Rover der Nasa kurz nach dem Aufsetzen, aufgenommen von einer Kamera der Landestufe. Bild: Reuters

Der Rover „Perseverance“ sucht fremdes Marsleben. Doch auch von der Erde mitgebrachte Mikroorganismen könnten unter den dortigen widrigen Bedingungen überraschend lange überleben – wie eine neue Studie zeigt.

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          Es kommt ja immer wieder vor, dass der Mensch das ihm bereits Bekannte findet, auch wenn er nach dem Fremden sucht. Im Fall der aktuellen Marsmission der amerikanischen Weltraumagentur Nasa wäre das freilich dramatisch. Nicht auszudenken, wenn die Suche des Rovers „Perseverance“ nach fremden Lebensformen letztendlich doch nur vom Menschen auf den Mars gebrachte Mikroben zutage förderte. Wie schwierig die Kontrolle von Mikroorganismen ist, hat uns die Pandemie eindrucksvoll vor Augen geführt.

          Für die Erkundung fremder Himmelskörper gibt es zumindest klare Vorgaben. Die „Planetary Protection Policy“ nennt für Sporen auf Landesonden die Zahl von 300.000 als maximal zulässig – das sei, laut Nasa, weniger als auf einer typischen Smartphone-Linse. An Bauteilen, die explizit dem Nachweis von Marsleben dienen, sind gar höchstens 30 Sporen erlaubt. Nun könnte man das für etwas übertrieben halten, würde man doch erwarten, dass der Mars mit seinen für irdisches Leben sehr feindlichen Bedingungen jede Kontamination quasi selbst verhindert.

          Dass dieser Schluss aber voreilig ist, zeigt eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der Nasa, in der die Überlebensfähigkeit von Pilzsporen und Bakterienzellen in einer Mars-äquivalenten Umgebung geprüft wurde. Die Forscher brachten dafür per Forschungsballon vier Arten von Mikroorganismen in die mittlere Stratosphäre. In rund 38 Kilometer Höhe ähneln Strahlungswerte – vor allem hochenergetische Sonnenstrahlung und kosmische Strahlung –, Temperatur und Druck den Marsbedingungen. Die Mikroben wurden zudem einer künstlichen Marsatmosphäre ausgesetzt: ein salzresistentes Tiefseebakterium, eines aus einer sulfidischen Quelle, ein auf der menschlichen Haut lebendes Bakterium sowie Pilzsporen.

          Das in „Frontiers in Microbiology“ publizierte Ergebnis: Die Haut- und Tiefseebakterien konnten tatsächlich überleben, sofern sie nur vor UV-Strahlung geschützt wurden, die Pilzsporen kamen selbst damit mehr als fünf Stunden lang klar. Perseverance muss das wohl keine Sorgen bereiten, die Nasa war schließlich sehr gründlich. Es bestätigt aber die Befürchtung, dass der Rover sich bei seiner Suche nach Marsmikroben beeilen muss. Denn wie lange angesichts der vielen geplanten auch astronautischen Marsmissionen eine Kontamination verhindert werden kann, ist fraglich.

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