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„Erdähnliche Planeten“ : Superirdisch

  • -Aktualisiert am

Nicht mehr als ein Konjunktiv: So stellt sich ein Künstler den Planeten Gliese 581c vor Bild: AFP

Als Forscher jüngst wieder einmal einen „erdähnlichen Planeten“ entdeckten, wurde daraus rasch eine „Super-Erde“. Tatsächlich könnte der Planet auch eine lebensfeindliche Giftwüste sein. Nicht selten aber befeuern Forscher lieber menschliche Träumereien, kritisiert Günter Paul.

          Wenn der Mond blau ist, explodiert die Sonne: Streng nach den Gesetzen der Logik ist dieser Satz korrekt; denn nach diesen Gesetzen ist alles, was aus einer falschen Aussage hergeleitet wird, wahr. Ebenso wahr ist es streng logisch auch, dass der „erdähnliche“ Exoplanet, der den Stern Gliese 581 umkreist und seit der vergangenen Woche Furore macht, mit großen Ozeanen bedeckt sein könnte. Von solchen möglichen Ozeanen jedenfalls hat einer der Entdecker des Objekts fabuliert. Was dabei leicht in Vergessenheit gerät: Der Konjunktiv schließt auch das Gegenteil ein.

          Der Exoplanet könnte also genauso eine knochentrockene, von gigantischen Schluchten durchzogene Steinwüste mit extrem giftiger Atmosphäre sein. Tatsächlich weiß niemand, wie der Exoplanet beschaffen ist. Aber mit dem Hinweis auf mögliche Ozeane bringt man die eigene Entdeckung und sich selbst ins Gespräch. Wenn die Medien aus der Super-Erde der Forscher eine zweite Erde oder einen bewohnbaren Planeten machen, ist das ja wohl ihre Schuld - zumal die Bilder von dem blauen Planeten, die man dazu veröffentlicht hat, den in der Berichterstattung oft unterschlagenen Zusatz „artist impression“ enthalten.

          An einer Richtigstellung ist ihnen nichts gelegen

          Bei diesem blauen Planeten werden die Gedanken allerdings gezielt auf eine Erde gelenkt mit zwitschernden Vögeln oder Fischen, die sich in den Ozeanen des Exoplaneten tummeln. Und nicht etwa auf einen andern, ebenfalls erdähnlichen Planeten in unserer direkten Nachbarschaft - die Venus. Erdähnlich bedeutet für die Astronomen ja nur, dass der Planet klein ist und aus Gestein besteht. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein waren etliche Astronomen der Meinung, unter der undurchdringlichen Wolkenschicht der Venus könnten sich - wie auf dem Exoplaneten - riesige Ozeane verbergen, die Temperaturen auf ihrer Oberfläche seien nämlich allenfalls 30 oder 50 Grad höher als auf der Erde. Stattdessen registrierten die ersten Venussonden ungefähr 480 Grad.

          Die Kohlendioxid-Atmosphäre hatte aus dem Planeten ein höllisches Treibhaus geschaffen. Für den Exoplaneten wird öffentlich trotzdem das freundliche Bild eines bewohnbaren Planeten zementiert - so wie seit 1996 für viele Menschen festzustehen scheint, auf dem Mars habe man längst Leben nachgewiesen. Damals verkündete der Präsident der Vereinigten Staaten persönlich, amerikanische Forscher hätten in einem Marsmeteoriten vier Hinweise auf fossiles Leben entdeckt. Die Forscher räumten ein, der allerletzte Beweis stehe noch aus. Aber innerhalb von ein oder zwei Jahren könnten sie den endgültigen Beweis führen und zweifelsfrei klären, ob die Fossilien Zellwände besäßen. Hätten sie diese entdeckt, wüsste man längst davon. An einer Richtigstellung ist ihnen offenbar nichts gelegen: Sollen die Menschen glauben, was sie wollen.

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