https://www.faz.net/aktuell/wissen/weltraum/ein-fernes-planetensystem-aehnelt-sonne-und-erde-16806718.html

Exoplaneten : Wie Sonne und Erde

Die Leuchtkraft des Sterns Kepler-160 ähnelt in hohem Maße derjenigen unserer, hier abgebildeten, Sonne. Bild: dpa

Ein zweiter Blick in Beobachtungsdaten des Kepler-Weltraumteleskops bescherte Göttinger Forschern eine Entdeckung, die – sollte sie sich bestätigen – auf eine erdähnliche Welt hindeutet.

          2 Min.

          Daran, dass fortwährend neue Exoplaneten entdeckt werden, haben wir uns schon fast gewöhnt: Mehr als 4000 sind mittlerweile bestätigt, darunter zahlreiche, bei denen zumindest die Möglichkeit besteht, dass sie lebensfreundliche Bedingungen bieten. Und doch ist es immer wieder faszinierend, wenn die Entdeckung eines neuen Systems bekanntgegeben wird: zum einen, weil dies – insbesondere bei Systemen, die eine gewisse Ähnlichkeit zu unserem Sonnensystem aufweisen – immer wieder zur träumenden Erkundung fremder Welten anregt, zum anderen, weil die Entdeckungsgeschichten selbst oft diffiziler Detektivarbeit ähneln.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Beides trifft in besonderem Maße auch auf einen neuen planetaren Kandidaten zu, der nun von Astronomen um René Heller vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in der Zeitschrift „Astronomy and Astrophysics“ vorgestellt wurde. Das Besondere an dem Planeten mit knapp doppelter Erdgröße: Nicht nur scheint sein Abstand vom Heimat-stern genau in dem Bereich der „habitablen Zone“ zu liegen, der die Existenz flüssigen Wassers erlaubt. Zudem ist sein Heimatstern unserer Sonne sehr ähnlich. Der rund 3140 Lichtjahre entfernte Stern Kepler-160 ist fast genauso groß und an seiner Oberfläche nur rund 300 Grad kälter. Der Fund eines erdähnlichen Planeten, der sich um einen sonnenähnlichen Stern dreht, ist durchaus ungewöhnlich. Die meisten erdähnlichen Planeten in der habitablen Zone, die in den vergangenen Jahren entdeckt wurden, umkreisen rote Zwergsterne.

          KOI-456.04, wie der neue Kandidat heißt, war tatsächlich alles andere als leicht zu finden. Wie die Forscher ausführlich in ihrer Studie beschreiben, war dafür eine aufwendige statistische Analyse bereits existierender Daten des Kepler-Weltraumteleskops notwendig. Angewendet wurde dabei die Transitmethode: die Suche nach temporären Verdunkelungen des beobachteten Sternenlichts durch den vor dem Stern durchlaufenden Planeten. Für zwei Planeten, die den Stern auf relativ engen Bahnen umkreisen, war diese Methode bereits früher erfolgreich gewesen: Kepler-160 b und c waren 2011 auf diese Weise entdeckt worden. Die erneute statistische Analyse der Daten offenbarte nun drei weitere Transitereignisse mit einer Periode von 378 Tagen.

          Dass dieses Signal von Hintergrundquellen statt einem Planeten stammt, konnte mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Allerdings liegt die ermittelte Bahnperiode gefährlich nah an einem Wert, der auf einen artifiziellen Ursprung hindeuten würde: Die regelmäßige Bewegung des Weltraumteleskops zur Ausrichtung seiner Sonnenpanels ruft Signale hervor, die fälschlich für Planetentransits gehalten werden können. Die Forscher beziffern die Wahrscheinlichkeit für solch einen Fehler auf 15 Prozent. Dieser Wert ist groß genug, um die Entdeckung nur unter Vorbehalt zu verkünden, zumal die Forscher Unregelmäßigkeiten in der Bahnbewegung des schon bekannten Planeten Kepler-160 c nicht auf den neuen erdähnlichen Planeten zurückführen konnten – sondern dafür einen vierten Exoplaneten, Kepler-160 d, im Inneren des Systems postulierten.

          Sollte sich die Existenz von KOI-456.04 aber bestätigen, dann wäre dieser Exoplanet tatsächlich etwas Besonderes. Die Strahlung, die er empfängt, wäre derjenigen auf der Erde sehr ähnlich. Die Wissenschaftler schätzen, dass er mit einer erdähnlichen Atmosphäre eine durchschnittliche Oberflächentemperatur von fünf Grad besäße. Wie so oft sind nun weitere Beobachtungen gefragt. Liefern könnte diese beispielsweise die Esa-Raumsonde Plato, die 2026 starten soll.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ihm muss der Wandel gelingen: Finanzminister Christian Lindner

          Finanzpolitik der Regierung : Lindners Zeitenwende

          Wenn der FDP-Chef im Jahr 2025 nicht blank dastehen will, muss Christian Lindner als Finanzminister einen Wandel schaffen. Ohne eine Umkehr in der Finanzpolitik wird die Belastung der Bürger und Unternehmen weiter zulegen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung in der Organisations- psychologie
          Sprachkurse
          Lernen Sie Italienisch
          Stellenmarkt
          Jobs für Fach- und Führungskräfte finden