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Neue Missionen zum Mars : Und wieder lockt der Rote Planet

Der Mars bleibt ein Ami: Die Nasa startet ihren neuen Rover „Perseverance“ voraussichtlich am 30. Juli. Bild: dpa

Gleich mehrere Nationen schicken in den kommenden Wochen neue Raumsonden zum Roten Planeten. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate sind dabei.

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          Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum, Herrscher von Dubai und Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), wünschte 2014 eine Marssonde. Wie sich der Projektmanager Omran Sharaf später in einem Vortrag erinnerte, machte seine Hoheit dabei zwei Vorgaben: „Sie müssen den Mars vor dem 2. Dezember 2021 erreichen, um den 50. Jahrestag der Gründung der VAE mit einer großen Leistung zu feiern“, und: „Sie sollen keine Marssonde kaufen, Sie sollen eine bauen.“

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Letzteres blieb immerhin Auslegungssache. Bei Konstruktion und Fertigung der Sonde „Al Amal“ (arabisch für „die Hoffnung“) halfen Kooperationspartner dreier amerikanischer Universitäten mit allerhand Erfahrung im Instrumentieren von Raumsonden. Und starten wird Al Amal kommenden Mittwoch auf einer Rakete aus dem Hause Mitsubishi vom Tanegashima Space Center in Japan. Dennoch ist das Projekt für die Emiratis eine Sache von hohem nationalen Prestige. Die wissenschaftliche Leiterin der Mission, Sarah bint Jussef Al Amiri, ist 2017 zur Ministerin aufgestiegen und betont bei jeder Gelegenheit, wie wichtig die Marssonde für ihr Land sei, das vom Ölscheichtum zur Technologienation werden soll. Vor allem die Jugend solle dadurch inspiriert werden. Die Ministerin, eine Informatikerin, ist selbst erst 33 Jahre alt.

          Arabia felix: Der emiratische Orbiter „Al Amal“ soll ein ganzes Marsjahr lang nach dem Wetter sehen.

          Das Risiko ist allerdings erheblich, auch wenn die Emiratis bereits auf Erfahrungen mit erdumkreisenden Satelliten aufbauen können. Denn der Mars ist ein wahres Sondengrab. Von den 55 Geräten, die seit 1960 mit diesem Ziel gestartet wurden, sind dreißig gescheitert. Am erfolgreichsten waren bislang die Amerikaner, die zwar etliche Fehlschläge einstecken mussten, aber achtmal heil auf dem Mars gelandet sind, darunter viermal mit fahrbaren Rovern; ihren fünften Rover, genannt „Perseverance“ („Beharrlichkeit“) will die Nasa am 30. Juli losschicken. Im Gegensatz dazu hatte die andere der beiden alten Raumfahrtmächte bislang fast nur Pech: Von den 21 allein russischen beziehungsweise sowjetischen Marssonden lieferten nur drei Ergebnisse. Europa hat mit zwei tadellos arbeitenden Orbitern, einer davon mit russischer Beteiligung, und zwei gescheiterten Versuchen mit kleinen experimentellen Landern noch die beste Erfolgsquote, abgesehen von Indien, das 2014 als erste „junge“ Weltraumnation eine Sonde in die Marsumlaufbahn brachte, was auf Anhieb glückte. Japan und China haben es bislang erst jeweils einmal versucht, beide vergeblich, wobei die chinesische Sonde Yinghuo-1 im Jahr 2011 Opfer einer Fehlfunktion des russischen Raumschiffs wurde, dem sie mitgegeben worden war.

          Chinas großer Sprung nach vorne

          Daher wollen die Chinesen es jetzt ganz allein versuchen. Ebenfalls in den kommenden Wochen – wahrscheinlich um den 23. Juli – soll eine Rakete vom Typ Chang Zheng 5 („Langer Marsch 5“) die Sonde Tianwen-1 zum Mars bringen. Dieses Projekt ist äußerst ambitioniert: Es umfasst einen Orbiter und einen Lander, von dem ein Rover herabrollen soll. Damit will China fast alle Techniken, in denen die Amerikaner jahrzehntelang Erfahrungen gesammelt haben, in einer Mission vereinigen. Die Erfolge, die das Land unlängst auf dem Mond feiern konnte, vor allem durch die erste weiche Landung auf der Mondrückseite im Januar 2019, lassen es nicht völlig unrealistisch erscheinen, dass den Chinesen der „große Sprung nach vorne“ auf dem Mars gelingt. Allerdings sind Landungen dort schwieriger als auf jedem anderen Himmelskörper des Sonnensystems, denn die Atmosphäre ist dicht genug, um beim Anflug berücksichtigt werden zu müssen, aber zu dünn, als dass es mit Fallschirmen allein getan wäre. Überdies ist der Mars zu weit weg, um eine Landesequenz von der Erde aus steuern zu können. Stattdessen muss das Gerät sie völlig autonom durchführen. Ein anderer möglicher Risikofaktor ist die Trägerrakete. Eine Chang Zheng 5 ist in der für Tianwen-1 vorgesehenen Konfiguration bislang erst dreimal geflogen und war nur zweimal erfolgreich. Die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA ist denn auch – anders als die Nasa oder die United Arab Emirates Space Agency – bei der Pressearbeit für ihre Marssonde äußerst zurückhaltend. Die CNSA-Website erwähnt das Projekt gar nicht erst. Offenbar betrachtet man das Ganze eher als ein internes Experiment.

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