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Neue Missionen zum Mars : Und wieder lockt der Rote Planet

Der große Sprung: Mit dem Rover an Bord von „Tianwen-1“ („Himmelsfrage“) will es China aus dem Stand in die Meisterklasse der Marserkundung schaffen.
Der große Sprung: Mit dem Rover an Bord von „Tianwen-1“ („Himmelsfrage“) will es China aus dem Stand in die Meisterklasse der Marserkundung schaffen. : Bild: CNSA

Dazu passt, dass die Chinesen die Tianwen-1 in der Tiefebene Utopia Planitia absetzen wollen, der geologisch langweiligsten Region des Planeten, die überdies bereits das Ziel einer der beiden allerersten amerikanischen Landesonden gewesen war. Eine Landung ist dort einfacher zu bewerkstelligen, da die tiefe topographische Lage dem Fallschirm mehr Zeit zum Abbremsen gibt und die Eintönigkeit das Risiko minimiert, irgendwo unglücklich aufzukommen. Das Ziel des neuen Nasa-Rovers Perseverance dagegen, der 49 Kilometer weite Einschlagkrater Jezero, ist primär wissenschaftlich motiviert: Vor ungefähr vier Milliarden Jahren war dieser Krater mit Wasser gefüllt und Zuflüsse in den See haben eines der schönsten fossilen Flussdeltas des Mars hinterlassen. Dessen Ablagerungen könnten Spuren einstiger biologischer Aktivität konserviert haben. Dass die Amerikaner dort einen SUV-großen Rover landen können, dem zum ersten Mal auch eine Drohne mitgegeben ist, demonstriert ihren immensen technischen Vorsprung bei Marsmissionen.

Neue Chance für Europa in 26 Monaten

Der arabische Orbiter Al Amal ist demgegenüber ebenfalls eher als Demonstration der Emiratis zu verstehen, dass sie es auch können. Ihm jeglichen wissenschaftlichen Wert abzusprechen wäre jedoch unfair. Denn erstens ist der Mars auch als am besten erforschter Planet nach der Erde immer noch rätselhaft genug, dass sich die Forscher über jeden zusätzlichen Datenpunkt freuen – natürlich auch über alles, was Tianwen-1 zur Erde funken würde. Zweitens aber soll Al Amal nach der Ankunft am Mars im Februar 2021 in eine vergleichsweise wenig zum Äquator des Planeten geneigte Bahn einschwenken. Die sechs aktiven Orbiter, die momentan den Mars umkreisen – drei amerikanische, die beiden europäischen und der indische –, haben weitaus stärkere Bahnneigungen und sind damit weniger für das geeignet, was die Emiratis vor allem vorhaben: die verschiedenen Regionen des Roten Planeten jeweils zu allen möglichen lokalen Tageszeiten zu beobachten, um mit moderner Sensortechnik ein möglichst komplettes Bild des Marswetters im Laufe der Jahreszeiten zu erhalten. Mindestens über ein volles Marsjahr hinweg, das etwa zwei Erdenjahre dauert, wollen die Araber ihre Sonde betreiben.

Muss noch zwei Jahre warten: Der ExoMars Rover a.k.a. „Rosalind Franklin“
Muss noch zwei Jahre warten: Der ExoMars Rover a.k.a. „Rosalind Franklin“ : Bild: Esa

Danach wird der Mars auch wieder Besuch aus Europa bekommen. Im Sommer 2022 will die Esa, abermals in Zusammenarbeit mit den Russen, ihre erste eigene fahrbare Marssonde starten. Vormals als „ExoMars Rover“ bezeichnet, wurde sie 2019 nach Rosalind Franklin benannt, einer britischen Chemikerin, die an der Aufklärung der Struktur der Erbsubstanz DNA beteiligt gewesen war. Eigentlich sollte diese Mission nach jahrelangen Verzögerungen ebenfalls in diesen Wochen starten, in denen die Stellung von Mars und Erde für Reisen zwischen beiden Planeten ideal ist. Doch dann wurde man nicht rechtzeitig fertig, und selbst wenn, hätten die Reisebeschränkungen infolge der Corona-Pandemie die letzten Tests über das Ende des gegenwärtigen Startfensters hinaus verschoben. Das nächste öffnet sich nun erst wieder in 26 Monaten. Die kann Europa nun getrost noch abwarten. Anders als die Emiratis.

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