https://www.faz.net/-gwz-u6qw

Doppelsterne : Kosmische Tarnkappen

  • -Aktualisiert am

Stieß auf stark veränderliche Gammastrahlen: der Satellit „Integral” Bild: picture-alliance / dpa

Europäische Astronomen sind auf eine neue Untergruppe von Doppelsternen gestoßen. Diese sind besonders schwer aufzuspüren, weil sie in Kokons aus Gas und Staub eingehüllt sind.

          2 Min.

          Auf eine neue Untergruppe von Doppelsternen sind jetzt europäische Astronomen gestoßen. Den Eigenschaften ihrer Komponenten zufolge sollte es sich bei diesen Objekten eigentlich um extrem auffällige, weil energiereiche Strahlungsquellen handeln. Stattdessen sind sie besonders schwer aufzuspüren, weil sie in Kokons aus Gas und Staub eingehüllt sind, die fast alle Strahlung absorbieren. Das hat Sylvain Chaty von der Dennis-Diderot-Universität in Paris und der astrophysikalischen Abteilung des Commissariat a l'energie atomique (CEA) auf einem Symposion in Palo Alto (Kalifornien) berichtet, das dem mittlerweile fertiggestellten internationalen Weltraumobservatorium „Glast“ (Gamma Ray Large-Area Space Telescope) gewidmet war.

          Die neu gefundenen Strahlungsquellen enthalten jeweils einen sogenannten Überriesen und einen Neutronenstern. Unter Überriesen verstehen die Astronomen besonders leuchtkräftige Sterne mit großer Masse. Die Objekte kommen in allen Temperaturbereichen vor, aber nur die vergleichsweise kühlen, roten Überriesen sind mit weit über hundertfachem Sonnendurchmesser wirklich riesenhaft.

          Niedrige Lebenserwartung

          Die Überriesen in den neu entdeckten Systemen vereinen rund 30 Sonnenmassen in sich und haben einen etwa zwanzigmal so großen Durchmesser wie die Sonne. Aufgrund ihrer hohen Oberflächentemperatur von mehr als 25.000 Grad leuchten sie einige zehntausend Mal so hell wie unser Zentralgestirn. Solche leuchtkräftigen, massereichen Sterne neigen dazu, über einen heftigen Sternwind große Mengen an Materie an die Umgebung zu verlieren - sie kochen vor innerer Energie gleichsam über. Auf diese Weise können sie innerhalb von 100.000 Jahren durchaus eine Sonnenmasse oder drei Prozent ihrer Gesamtmasse verlieren. Entsprechend niedrig ist ihre Lebenserwartung.

          Auch der Röntgensatellit XMM-Newton brachte neue Erkenntnisse

          Mit dem europäischen Satelliten „Integral“ (International Gamma-Ray Astrophysics Laboratory) haben die Forscher bei einigen dieser Überriesen zunächst eine zum Teil stark veränderliche Gammastrahlung entdeckt. Anschließende Beobachtungen mit dem europäischen Röntgensatelliten XMM-Newton förderten bei den meisten dieser Gammaquellen eine wegen ihrer geringen Intensität zuvor unbemerkt gebliebene gepulste Röntgenstrahlung zu Tage, die auf auffallend langsam rotierende Neutronensterne als Begleiter der Überriesen verweist.

          Schwache Röntgenstrahlung

          Eigentlich sollte ein solches Zusammentreffen von starkem Sternwind und Neutronenstern zu besonders hellen Röntgenquellen führen, da der kompakte Neutronenstern mit seiner starken Anziehungskraft einen erheblichen Teil der von dem Überriesen abströmenden Materie aufsammelt. Diese Materie wird im Strudel der den Neutronenstern umgebenden Akkretionsscheibe extrem aufgeheizt und zur Aussendung von Röntgenstrahlung gezwungen. Mehr als 30 solcher Röntgendoppelsterne mit massereichem Partner („High Mass X-ray Binaries“) waren bislang innerhalb der Milchstraße anhand ihrer Röntgenstrahlung gefunden worden. Dass die Röntgenstrahlung bei den neu entdeckten Systemen so schwach ist, wird auf eine in diesen Fällen besonders dichte Hülle aus kaltem Gas und Staub zurückgeführt, über deren Ursache allerdings noch gerätselt wird.

          Die Entdeckung dürfte dazu beitragen, die Entstehung, die Entwicklung und das Ende massereicher Sterne in extremen Sternpaaren zu verstehen. Weitere bislang noch unbekannte Objektklassen werden diese Erkenntnisse erheblich erweitern. Es bleibt zu hoffen, dass der unter deutscher Beteiligung gebaute Gammastrahlen-Satellit Glast, dessen Start für Oktober dieses Jahres geplant ist, bei einer entsprechenden Suche erfolgreich sein wird.

          Weitere Themen

          Mehrere Wasserhosen über Genua Video-Seite öffnen

          Wetterphänomen : Mehrere Wasserhosen über Genua

          Die Sichtung der Wasserhosen über Genua wurde als außergewöhnlich beschrieben. Eine Wasserhose ist ein Tornado oder eine Windhose über dem Meer oder einem See. Sie entsteht, wenn kalte Luft über ein relativ warmes Gewässer strömt.

          Topmeldungen

          Tesla-Fabrik in Deutschland : Angriff im Heimatmarkt

          Für die deutschen Autohersteller wird der Wettbewerb noch schwieriger, wenn Tesla in Brandenburg eine große Fabrik baut. Ein Selbstläufer ist das Projekt allerdings nicht – Tesla muss sich auf einen harten Wettkampf einstellen.
          Die Köpfe hinter der Marke: Porsche-Design-Geschäftsführer Jan Becker (rechts) und Design-Chef Roland Heiler

          Porsche-Design-Chefs : Wann ist ein Mann ein Mann?

          Porsche Design steht für Männlichkeit, Geld und Stil. Im Interview sprechen die Chefs der Marke über neue Rollenbilder, gläserne Garagen – und anderen Luxus, den die Welt nicht braucht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.