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Discovery : Flickschusterei im All

  • -Aktualisiert am

Die Discovery bereitet der Nasa Kummer Bild: dpa/dpaweb

Die nächste amerikanische Raumfähre kann frühestens im März 2006 ins All starten. In aller Ruhe will die Nasa zunächst die vielen Probleme mit der Schaumstoffisolierung des Treibstofftanks lösen.

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          Der nächste Flug einer amerikanischen Raumfähre kann frühestens im März 2006 stattfinden. In aller Ruhe wolle die Weltraumbehörde Nasa zunächst die zahlreichen Probleme mit der Schaumstoffisolierung des Treibstofftanks lösen, bevor sie erneut das Risiko eingehe, Astronauten in den erdnahen Weltraum zu schicken, begründete der neue, für die bemannte Raumfahrt zuständige Nasa-Direktor William Gerstenmaier am Donnerstag die erhebliche Verzögerung im Shuttle-Flugplan.

          Obwohl die Ingenieure der Behörde nach dem Verlust der "Columbia" im Februar 2003 erhebliche Anstrengungen unternommen hatten, die Isolierung zu verbessern, waren beim jüngsten Start der Fähre "Discovery" wiederum mehrere große Stücke Schaumstoff vom Tank abgerissen. Die Entscheidung der Nasa, mit weiteren Flügen bis zum Frühjahr zu warten, zeigt nicht nur, daß die Isolierung des Tanks ein weitaus größeres technisches Problem ist als bisher angenommen. Sie stellt auch den weiteren Ausbau der Internationalen Raumstation (ISS), wenn nicht sogar das Shuttle-Programm selbst in Frage.

          Tanks verglühen

          Der Außentank besteht aus Aluminium und enthält jene beiden Treibstoffkomponenten, die in den drei Haupttriebwerken der Raumfähre verbrennen. Er faßt etwa 540.000 Liter flüssigen Sauerstoff und knapp 1,5 Millionen Liter flüssigen Wasserstoff. Die in Michoud im Bundesstaat Louisiana gebauten Tanks werden im Gegensatz zur Raumfähre und zu den beiden Zusatzraketen nicht wiederverwendet. Sie verglühen nach dem jeweiligen Start in der Erdatmosphäre, die dabei übrigbleibenden Bruchstücke fallen in den Ozean. Der Tank muß isoliert sein, denn die beiden Treibstoffkomponenten werden darin in flüssiger Form transportiert. Ohne die Isolierung - sie hat eine mit Styropor vergleichbare Konsistenz und gibt dem Tank die rostbraune Farbe - würde der Treibstoff verdampfen. Außerdem schlüge sich die subtropische Luftfeuchtigkeit am Cape Canerveral an der Außenwand des Tanks als dicke Eisschicht nieder. Das Eis kann beim Start in Brocken abfallen und dabei Löcher in den Hitzeschutzschild der Raumfähren schlagen.

          Bis zum letzten Start der "Columbia" im Januar 2003 galt diese Vereisung als die größte vom Tank ausgehende Gefahr für die Raumfähren. Bei jedem Start rissen zwar auch immer wieder Stücke der Schaumstoffisolierung ab. Unter der falschen Annahme, daß diese Stücke leichten Schaumstoffs keine Schäden an den angeblich widerstandsfähigen Hitzekacheln anrichten können, ignorierten die Nasa-Ingenieure das Problem. Der Verlust der "Columbia" zeigte aber, wie gefährlich die Schaumstofffragmente wirklich sind. So gestand Nasa-Chef Michael Griffin jetzt ein, man sei hundertdreizehnmal geflogen, ohne grundsätzlich über die Isolierung nachzudenken. Deshalb wurde beim jüngsten Flug der "Discovery" das Abpellen des Schaumstoffs zum erstenmal überhaupt gründlich untersucht. Obwohl es, so Gerstenmaier, noch mindestens zwei Wochen dauern werde, bis alle beim Start gesammelten Meßdaten, Videoaufnahmen und Fotos ausgewertet seien, stehe schon jetzt fest, daß das Problem der Festigkeit und des Zusammenhaltens der Isolierung - wenn überhaupt - nicht so einfach in den Griff zu bekommen ist.

          „Experimenteller Testflug“

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