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Die Suche nach der zweiten Erde : Wie kann ein Planet einfach verschwinden?

  • -Aktualisiert am

Illustratíon: Alpha Centaur B mit Begleiter Bild: EsoL. Calcada

Noch ein erdähnlicher Himmelskörper. Bei unserem Nachbarstern Alpha Centauri war Ende 2012 auch schon eine „zweite Erde“ entdeckt worden. Die Euphorie ist verflogen, dafür gibt es immer mehr Zweifel.

          3 Min.

          Ein erdgroßer Planet umkreist den sonnennächsten Stern Alpha Centauri, verkündete im Oktober 2012 eine europäische Astronomengruppe. „Alpha Centauri Bb“ sei, so Xavier Dumusque vom Genfer Observatorium und seine Kollegen, der erste Planet mit etwa Erdmasse, der bei einem sonnenähnlichen Stern gefunden wurde - und sei mit nur 4,3 Lichtjahren Entfernung der nächstgelegene Exoplanet überhaupt. Von einem „wichtigen Schritt bei der Suche nach einer Zwillingserde“ war die Rede in der zugehörigen Presseerklärung der Europäischen Südsternwarte (Eso), deren La-Silla-Observatorium in Chile die Astronomen für ihre Beobachtungen genutzt hatten. Ein Planet also praktisch „um die Ecke“ - eine elektrisierende Entdeckung und ein wunderbares Geburtstagsgeschenk für die Eso, die 2012 ihr fünfzigjähriges Bestehen feierte. Doch an der Existenz von Alpha Centauri Bb mehren sich inzwischen die Zweifel. Hat die Eso die Entdeckung vor anderthalb Jahren also zu früh gefeiert?

          Die Experten waren von Beginn an skeptisch: Gemeinsam mit dem Aufsatz der Astronomen um Dumusque war in der Zeitschrift „Nature“ ein Begleitkommentar des Exoplanetenforschers Artie Hatzes von der Thüringer Landessternwarte Tautenburg erschienen. Hatzes warnte in seinem Beitrag vor zu schnellen Schlüssen. Dumusque und seine Kollegen hatten den Planeten mit einem Standardverfahren entdeckt, bei dem man anhand einer charakteristischen Taumelbewegung eines Sterns auf dessen umlaufende Begleiter schließt: Bewegt sich der Stern aufgrund der Anziehungskraft seines Planeten periodisch vor und zurück, so äußert sich das durch rhythmische Verschiebung seiner Spektrallinien. Glaubt man der Interpretation von Dumusque, dann „wackelt“ Alpha Centauri B mit gerade einmal 1,8 Kilometer pro Stunde - ein Spaziergänger ist doppelt so schnell. Es wäre damit das kleinste jemals nachgewiesene Sternwackeln: 51 Pegasi, der Stern mit dem ersten nachgewiesenen Exoplaneten, taumelt mit knapp 200 Stundenkilometern hin und her.

          Eine gesicherte Entdeckung sieht anders aus

          Das von Dumusque und seinen Mitarbeitern gemessene Signal sei zu schwach für eine eindeutige Entdeckung, meinte Hatzes. Die magnetische Aktivität des Sterns verursache schließlich weit größere Verschiebungen der Spektrallinien als der vermeintliche Planet. Auch sei das von den Forschern verwendete Analyseverfahren außergewöhnlich komplex. Eine Konkurrenzgruppe um Debra Fischer von der Yale University, die seit 2007 ebenfalls nach Planeten im Alpha-Centauri-System sucht, konnte den Planeten in den eigenen Messdaten nicht aufspüren. Allerdings hatten Fischer und ihre Mitarbeiter bis 2012 fünfmal weniger Daten sammeln können als die europäischen Astronomen.

          Nun aber berichtet Debra Fischer im Blog der Planetary Society (www.planetary.org/blogs), dass ihre Gruppe auch im vergangenen Jahr trotz intensiver Suche keine auffällige Taumelbewegung bei Alpha Centauri B hat nachweisen können. Damit ist die Existenz des Planeten Alpha Centauri Bb fragwürdiger denn je - zumal Artie Hatzes die von Dumusque und seinen Mitarbeitern freigegebenen Messdaten zwischenzeitlich einer eigenen Analyse unterzogen hat. Sein Ergebnis: Je nach verwendeter mathematischer Methode ist das Planetensignal nur schwach oder gar nicht zu erkennen. Eine gesicherte Entdeckung sieht für Hatzes anders aus.

          Eine lebensfeindliche Hölle

          Auf eine schnelle Entscheidung ist nicht zu hoffen, meint Debra Fischer. Alpha Centauri B umrundet den etwas helleren Stern Alpha Centauri A in 80 Jahren einmal. Bis 2013 lagen die beiden Sterne am Himmel weit genug voneinander entfernt, dass die Spektrographen ihr Licht auseinanderhalten konnten. Nun aber stehen sich Alpha Centauri A und B zu nah. Bis sie sich zum Ende des Jahrzehnts wieder ausreichend weit voneinander entfernt haben, wollen sowohl Amerikaner als auch Europäer ihre Spektrographen so weit verbessert haben, dass sie die Existenz des Planeten eindeutig nachweisen oder widerlegen können.

          Ihre Instrumente stoßen an die Grenze der Leistungsfähigkeit, wodurch die direkte Fotografie des Planeten mit heutiger Technik trotz seiner relativen Nähe nicht möglich ist. Xavier Dumusque jedenfalls ist von seiner Entdeckung weiterhin überzeugt: Das Signal sei zwar schwach, aber stabil. Schließlich konnte es länger als vier Jahre mit dem HARPS-Spektrographen der Eso gemessen werden. Derzeit arbeitet seine Gruppe an der Auswertung der eigenen, während des Jahres 2013 gewonnenen Daten. Unabhängig davon, wie sich die Sachlage entwickelt, Science-Fiction-Fans sollten sich nicht zu früh freuen: Der Planet, wenn er denn existieren sollte, kreist in nur drei Tagen 25 Mal enger um seinen Stern als die Erde um die Sonne und wäre somit eine heiße, lebensfeindliche Hölle.

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