https://www.faz.net/-gwz-80bkp

Die Zukunft der ISS : Russland plant eigene Raumbasis

Bild: reuters

Die Russen wollen in der Raumfahrt von 2024 an wieder eigene Wege gehen. Ein Außenposten und eine Mondmission sind geplant. Für die internationalen Partner ist das eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich.

          2 Min.

          Russland will sich noch bis zum Jahr 2024 bei der Internationalen Raumstation ISS engagieren – vier Jahre länger als ursprünglich beabsichtigt – und dann einen eigenen Außenposten im Weltraum bauen. Das hat die russische Weltraumbehörde Roskosmos auf einem Treffen des wissenschaftlich-technischen Rates in Moskau beschlossen. Wie in einer auf Russisch verfassten Pressemitteilung von Roskosmos zu lesen ist, will man die russischen Module der ISS für die eigene Raumstation verwenden.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Mitteilung ist für die an der Raumstation beteiligten Partnerländer eine gute und schlechte Nachricht zugleich. Einerseits steigt Russland nicht – wie im vergangenen Jahr zunächst angekündigt – bereits 2020 aus dem internationalen Projekt aus. Andererseits will Moskau künftig wieder eigene Wege bei der Erforschung des Weltraums gehen, und eine eigene Raumstation wäre der erste Schritt dahin.

          Betrieb der ISS bis 2024 gesichert

          Russland ist seit 1998 mit den Vereinigten Staaten, Europa, Japan und Kanada am Aufbau und Betrieb der Internationalen Raumstation beteiligt. Seit dem Jahr 2000 wird die ISS dauerhaft von Astronauten und Kosmonauten bewohnt.

          Bild: F.A.Z.

          Fünf eigene Module betreibt Roskosmos bereits auf der ISS. In zwei Jahren soll das Mehrzwecklabormodul „Nauka“ und später das Wissenschafts- und Energiemodul „NEM“ hinzukommen. Nach derzeitigen Plänen sollen 2024 „Nauka“ und „NEM“ zusammen mit dem kugelförmigen Verbindungselement „UM“ von der ISS abgekoppelt und zu einer eigenständigen Raumstation zusammengefügt werden.

          Außer Russland haben sich nur die Vereinigten Staaten und Deutschland dafür ausgesprochen, den Betrieb der ISS noch bis 2024 zu unterstützen. Die Mitglieder der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa sind sich einig, sich an dem ISS-Programm bis 2020 zu beteiligen, auch wenn die Finanzierung auf der letzten Ministerratssitzung zunächst nur bis 2017 beschlossen wurde. Bei einem Treffen von Vertretern der  Esa und von Roskosmos in dieser Woche, hat die russische Seite bekundet, die internationale Kooperation nicht aufbrechen zu wollen.

          Die Internationale Raumstation, die von jeher auch ein Sinnbild für die Völkerverständigung war, könnte vom gegenwärtigen Zustand her durchaus bis 2028 betrieben werden.

          Wie der Pressemitteilung von Roskosmos zu entnehmen ist, plant Russland zudem eigene Missionen zum Mond. So sollen zunächst unbemannte Raumsonden von einer Umlaufbahn aus den Trabanten erkunden, aber auch auf dessen Oberfläche landen. Um das Jahr 2030 will Russland Kosmonauten zum Mond schicken. Details über das künftige Raumfahrtprogramm will der wissenschaftlich-technische Rat von Roskosmos auf den nächsten Treffen formulieren.

          Weitere Themen

          Russland will wieder zurück nach oben

          FAZ Plus Artikel: Raumfahrt : Russland will wieder zurück nach oben

          Während die Amerikaner privat ins All reisen können, ist von der ruhmreichen russischen Raumfahrt nicht mehr viel übrig – auch hier bekommen sie Sanktionen zu spüren. Um wieder groß zu werden, braucht es Unterstützung vom Nachbarn China.

          Topmeldungen

          Krisenmanagement : Was man aus der Katastrophe lernen kann

          Nach der Flut mehren sich Stimmen, die fragen, wie man in Zukunft mit Katastrophen umgehen sollte. Es brauche moderne Tieflader, Bagger und Hubschrauber, sagt ein Krisenmanager. Das Kernthema bleibt aber das Training.

          Chinas Weg zur Weltmacht : „Der Osten steigt auf, der Westen steigt ab“

          Die größte Armee, die meisten Supercomputer: China drängt auf einen Platz an der Sonne und will zur Supermacht werden – doch viele fürchten sich vor dem mächtigen Aufsteiger. Für wen wird das am Ende gefährlich?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.