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Sternenexplosion : Großer Knall, langes Echo – 30 Jahre Supernova 1987A

  • -Aktualisiert am

Die drei Ringe der Supernova 1987A, beobachtet mit dem Hubble Space Telescope. Bild: Nasa

Vor genau 30 Jahren leuchtete die erste mit bloßem Auge sichtbare Supernova der Moderne auf. Noch immer sind Astronomen dabei, ihre Rätsel zu entschlüsseln.

          In Deutschland war es schon früher Morgen, in Chile erst kurz nach Mitternacht, als Oscar Duhalde am Las-Campanas-Observatorium eine Mitteilung von seinem Kollegen Ian Shelton bekam. Er möge doch mal an den Himmel schauen: In der Großen Magellanschen Wolke, einer Nachbargalaxie der Milchstraße, 168000 Lichtjahre von der Erde entfernt, scheine auf einmal ein Stern, der zuvor nicht da gewesen sei. Gerade hell genug war er, um ihn mit bloßem Auge zu sehen. Duhalde, der als erfahrener Astronom den Nachthimmel gut kannte, war sich schnell sicher: Shelton und er hatten eine Supernova entdeckt – und zwar die erste mit freiem Auge sichtbare seit dem Jahr 1604.

          © Wikipedia

          Auch im fernen Australien war der „neue“ Stern zu sehen, zuerst erblickte ihn dort der Amateurastronom Albert Jones. Es war der frühe Morgen des 24. Februar 1987. In den folgenden Wochen steigerte die SN 1987A getaufte Sternexplosion ihre Helligkeit weiter, bevor sie ab Mai des gleichen Jahres langsam verblasste. Zu sehen war sie allerdings nur von der Südhalbkugel der Erde, und seither hat keine Supernova mehr für eine solch eindrucksvolle Erscheinung am irdischen Himmel gesorgt.

          30 Jahre Beobachtungen

          Heute Nacht jährt sich dieser für die Astronomie so denkwürdige Moment zum dreißigsten Mal. Wohl kaum eine Nacht ist seither vergangen, in der SN 1987A und das, was von ihr übrig blieb, nicht beobachtet worden wäre: Astronomen rückten ihr mit optischen Teleskopen zu Leibe, studierten ihre Entwicklung im Infrarot-, Ultraviolett- Röntgen- und Gammalicht, mit Radioteleskopen und sogar mit unterirdischen Neutrinodetektoren. Eine solch günstige Gelegenheit hatten sie schließlich noch nie: Die relative Nähe von SN 1987A (alle anderen der seither gesichteten Supernovae waren viele Millionen oder sogar Milliarden Lichtjahre entfernt) erlaubte Untersuchungen in bislang unerreichtem Detail. Und auch wenn die Himmelserscheinung schon seit langem nur noch mit großen Teleskopen zu sehen ist, werden noch immer wissenschaftliche Publikationen über sie verfasst.

          Das chilenische Las Campanas Observatorium, wo der Astronom Ian Shelton die Supernova 1987A vor dreißig Jahren erstmalig beobachtete.

          Schließlich war SN 1987A stets für Überraschungen gut – wie schon wenige Tage nach der ersten Sichtung: Als die Astronomen versuchten, den Vorgängerstern der Explosion zu identifizieren, erwarteten sie einen roten Riesenstern, handelte es sich doch offenbar um eine Supernovaeplosion des Typs II. Diese wird durch den Kollaps eines Sterns ausgelöst, der mehr als die achtfache Sonnenmasse besitzt. Solche Massemonster verbrauchen ihren Kernbrennstoff Wasserstoff verschwenderisch schnell und bilden dabei schwere chemische Elemente, bis sich im Zentrum des Sterns ein Kern aus Eisen gebildet hat. Dann stoppt die Kernfusion, der innerste Bereich des Sterns kollabiert. Weiter außen liegende Hüllen sinken nach und prallen am extrem dichten Kernbereich ab. Die sich dabei bildende Stoßwelle treibt das Sternmaterial mit großer Gewalt nach außen – die Supernova entsteht. Binnen kurzer Zeit erzeugt sie mehr Licht als der Stern während seines gesamten vorherigen Lebens. Doch der auf Archivbildern an der entsprechenden Position gefundene Stern Sanduleak -69° 202 war ein mit rund 20 Sonnenmassen noch deutlich schwererer blauer Riesenstern. Solche Sterne sind jung, hunderttausendfach leuchtstärker als unsere Sonne – und instabil: Sanduleak -69° 202 explodierte, bevor er seine äußeren Hüllen aufblähen und zum roten Riesen werden konnte. SN 1987A war also keine klassische Typ-II-Supernova, wofür auch ihre Helligkeit spricht: Sie erreichte nur ein Zehntel der Leuchtkraft einer typischen Supernova. Das erklärt, warum zuvor keine Supernova dieser Art bekannt war: In größerer Entfernung sieht man sie nicht mehr, obwohl sie möglicherweise zahlreich sind.

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